Geht es nach den verfügbaren Trendergebnissen, hat die CDU in Neuhof ihr Ziel, die absolute Mehrheit zu holen, klar verfehlt.
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Ein Leben auf dem Land - wie hier in Neuhof - hat seine Vorzüge. Diese sollten die Dörfer präsentieren, rät Julian Gick.

Leben auf dem Land

Dörfer in der Region Fulda sollen junge Familien anlocken - „Große Potenziale“

  • Hartmut Zimmermann
    VonHartmut Zimmermann
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Ein Leben auf dem Land hat zahlreiche Vorzüge - doch präsentieren sich Dörfer in der Region Fulda gut genug für Auswärtige? Julian Gick aus Eichenzell erklärt, was Dörfer tun müssen, damit sie für junge Familien von auswärts attraktiv sind.

Wie sehen Sie die Kommunen der Region im Wettbewerb um junge Familien aufgestellt?
Die geografische Lage mit der guten Anbindung an das Bahn- und Autobahnnetz schafft gute Rahmenbedingungen. Hinzu kommt die Nähe zum Oberzentrum Fulda, die ebenfalls die Attraktivität steigert. Damit ist die Ausgangslage im Vergleich mit anderen Regionen gut – und Osthessen hat große Potenziale.
In der Corona-Zeit hat sich zudem herausgestellt, dass ländliche Orte – gerade in Reichweite der Oberzentren – als Wohn- und Arbeitsstandorte besonders profitieren können, wenn die Voraussetzungen stimmen. Sinnvoll wäre es, wenn im Bereich der Fördermechanismen insgesamt weniger auf ein Beheben oder Abmindern von Schwächen und Defiziten geschaut würde und man sich mehr auf die Qualitäten eines Ort und einer Region schauen würde, um diese zu nutzen.

Fulda: Dörfer sollen junge Familien anlocken - „Große Potenziale“

Wie wichtig wird es für die Gemeinden sein, junge Familien für sich zu gewinnen, um im demografischen Wandel bestehen zu können?
Das wird immer wichtiger werden – und zwar nicht nur für die ländlichen Kommunen, sondern auch für die Städte. In Zeiten sinkender Bevölkerungszahlen sind Wanderungsbewegungen ein wichtiger Ausgleichsfaktor. Dabei wird es wichtig sein, dass die benachbarten Kommunen nicht in Konkurrenz zueinander treten, sondern eine regionale Strategie zu entwickeln.
Junge Familien zu gewinnen, ist für die Kommunen ein Mehrfachgewinn: Deren Ansiedlung bringt Fachkräfte in die Region, deren Kinder tragen zur Auslastung von Kitas und Schulen bei. Und der Effekt geht weiter: Wenn die Kinder die Region als Heimat erleben, dann wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch deren Kinder hier ansiedeln.
Wie gewinnt man wirklich „Zugereiste“ ohne Eltern, Onkel und Tante in der Region?
In der Phase der Familiengründung wächst bei den Menschen die Sensibilität für die Wahrnehmung der Vorzüge ländlicher Räume. Daher ist es wichtig, dass die Kommunen aktiv ihre Qualitäten erkennen, benennen und sichtbar machen.
Besonderes Interesse sollte da der „Generation Z“ – das sind die 1995 bis 2010 Geborenen – gelten. Für sie hat ein ausgewogenes, sinnstiftendes Verhältnis zwischen Arbeit und Lebensfreude besondere Bedeutung. Aber sie brauchen auch andere Angebote. Da geht es um neue Wohnformen – auch mit mehr Mietangeboten. Und es geht um Angebote für Kommunikation und Gemeinschaft – beispielsweise durch Mehrgenerationen-Angebote. Da müssen sich auch die bestehenden Dorfgemeinschaften bewegen. (Lesen Sie hier: Schauspieler Andreas Patton spricht über Jugend in Großentaft)

Zur Person

Julian Gick (28) aus Eichenzell hat sich in seiner kürzlich vorgelegten Masterarbeit an der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover mit der Frage auseinandergesetzt, welche Faktoren junge Familien beeinflussen, wenn sie aufs Land ziehen.

Wenn Sie in Ebersburg oder Burghaun angestellt würden, um junge Familien zum Umzug zu bewegen – wo würden Sie zuerst ansetzen?
Das vielleicht Wichtigste ist es, die Gemeinschaft zu festigen, denn das Miteinander-Gefühl entwickelt große Bindungskraft. Das kann und muss am Ort, aber auch regional organisiert werden. Zudem muss es „soziale Orte“ geben. Es geht um Punkte, an denen man sich treffen und austauschen kann. Das kann ein gastronomisches Angebot sein.
Daran können weitere Angebote wie Ausleihkonzepte oder Mobilitätsangebote vom Gemeindebus bis zum Carsharing andocken. Von ganz immenser Bedeutung ist auch der „Standortfaktor Natur“. Die Möglichkeit, Natur wahrzunehmen und zu genießen, vielleicht auch mit Anleitungen und örtlichen Angeboten neu wahrzunehmen, ist wichtig. Dazu passt dann sanfter Tourismus – denn niemand will „am Land“ wohnen und erleben, dass am Wochenende „die Städter“ die Region überrennen.

Serie „Landleben“

Dieser Text ist im Zuge der Serie „Landleben“ in der gedruckten Fuldaer Zeitung (Ausgabe vom 24. August 2021) erschienen. Alle Beiträge aus der Serie, die das (Land-)Leben zwischen Rhön, Vogelsberg und Spessart beleuchtet, finden Sie im E-Paper von Fuldaer Zeitung, Hünfelder Zeitung, Kinzigtal Nachrichten und Schlitzer Bote. Ebenfalls in der Serie „Landleben“ ist folgender Artikel erschienen: Sind Kneipen zu laut? Gastwirt beklagt: „Die Leute waren früher toleranter“

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