Drei Jahre und neun Monate Jugend-Gefängnis – so lautete das Urteil, das durch Richter Joachim Becker (links) über einen 18-Jährigen aus dem Vogelsberg verhängt wurde. Die Verteidigung will dagegen in Revision gehen.
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Drei Jahre und neun Monate Jugend-Gefängnis – so lautete das Urteil, das durch Richter Joachim Becker (links) über einen 18-Jährigen aus dem Vogelsberg verhängt wurde. Die Verteidigung will dagegen in Revision gehen.

Urteil vor Landgericht Fulda

Dolch-Attacke nach Streit um Playstation-Controller: 18-Jähriger muss fast vier Jahre ins Gefängnis

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Im Fall des versuchten Totschlags ist am Mittwoch ein 18-Jähriger aus dem Vogelsberg am Landgericht Fulda verurteilt worden. Er muss drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, weil er einen Gleichaltrigen mit einem Dolch lebensgefährlich verletzt hat. 

Fulda - Ein Streit um einen Playstation-Controller endete in einer lebensgefährlichen Messer-Attacke: Ein 18-Jähriger hatte sich den Controller von der damaligen Freundin des Angeklagten ausgeliehen. Daraufhin schaukelte sich eine Auseinandersetzung hoch, die zunächst in den Sozialen Medien ausgetragen wurde. Dort sprachen die beiden Männer heftige Drohungen aus. Als der 18-Jährige den Angeklagten am 28. April dieses Jahres in Fulda – zusammen mit zwei Begleitern – aufsuchte, um zu reden, eskalierte die Situation.

Die Attacke traf schließlich einen der Begleiter: Der 18-jährige Angeklagte stach mit einem 17 Zentimeter langen Dolch zwei Mal heftig zu. Das Messer sei „wie durch Butter gegangen“, erklärte der Angeklagte an einem früheren Prozesstag. Er traf seinen gleichaltrigen Gegenüber im Bauchbereich und in der Leistengegend. „Beide Stichverletzungen waren lebensgefährlich“, betonte der Vorsitzende Richter Joachim Becker. „Der Angeklagte hat den Tod des Geschädigten billigend in Kauf genommen.“

Urteil vor dem Landgericht Fulda: Vier Jahre Gefängnis für Angeklagten (18)

Das Opfer verlor zwei Liter Blut und musste im Krankenhaus notoperiert werden. (Lesen Sie hier: Verteidiger des Opfers bezeichnet Angeklagten als tickende Zeitbombe) Der Angeklagte sei vom Tatort geflüchtet, ohne dem Verletzten zu helfen oder zumindest einen Notruf abzusetzen. Er ist noch am selben Abend von der Polizei festgenommen worden. Diesen Tathergang sah die Kammer als erwiesen an, wie Richter Becker gestern erklärte.

Das Morderkmal der Heimtücke sieht das Gericht allerdings nicht. Auch eine vom Angeklagten ins Spiel gebrachte Notwehr-Lage schloss der Richter aus. Er nahm einen versuchten Totschlag in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung an.

Das Opfer der Messer-Attacke stand „kurz vor dem Tod“, betonte Becker. Der Angeklagte habe ein „ausgesprochen gefährliches Messer benutzt und mit Kraft zugestochen“ – obwohl die Auseinandersetzung nach Ansicht der Kammer vermeidbar gewesen ist.

Versuchter Totschlag: 18-Jähriger wird nach Dolch-Attacke zu Haftstrafe verurteilt

Dass der 18-Jährige teilweise geständig war, hielt Richter Becker ihm wiederum zugute. Außerdem sprach er dessen schwierige Kindheit an. Die Eltern hätten jahrelang in Trennung gelebt. Nachdem er – erstmals bereits im Grundschulalter – aggressiv und jähzornig gewesen war, sei er später in Wohngruppen und in der Psychiatrie untergebracht gewesen und habe dann bei seiner Tante gelebt, die Drogen konsumierte. Auch er selbst begann, Drogen zu nehmen, vorwiegend Amphetamine. Er ist abhängig und hat ein gestörtes Sozialverhalten, erklärte der Richter. Er hat keinen Schulabschluss.

Das mögliche vorgesehene Strafmaß liegt zwischen sechs Monaten und 10 Jahren Haft. Das Gericht entschied auf drei Jahre und neun Monate nach Jugendstrafrecht und lag damit zwischen den Forderungen von Staatsanwaltschaft, Nebenklagevertretung und der Verteidigung.

Die Strafe sei für den 18-Jährigen „besonders belastend“, da seine damalige Freundin hochschwanger ist und „noch dieses Jahr ein Kind von ihm erwartet“, so Becker. Jedoch hoffe er darauf, dass der junge Mann in der Jugendvollzugsanstalt seine Defizite im Schulischen und Sozialen sowie seine Drogenproblematik angehen könne.

Die sechs Monate, die der 18-jährige Vogelsberger bereits in U-Haft sitzt, werden von der Gesamtstrafe abgezogen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Hans J. Hauschild erklärte gestern auf Nachfrage, dass er gegen das Urteil Revision einlegen wird.

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