Gläubige feiern im Fuldaer Dom die erste Eucharistie nach der Corona-Zwangspause.
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Das Teleobjektiv lässt die Menschen scheinbar zusammenrücken. Doch die Gläubigen verteilten sich bei der ersten Eucharistiefeier im Fuldaer Dom nach der Corona-Zwangspause auf viele Bankreihen.

Gemeinschaft „auf Lücke“

Wieder Messfeier im Fuldaer Dom: „Singen Sie mit, aber nicht so laut.“

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Nicht alles war anders: Vertraute Riten prägten die erste Eucharistiefeier nach der Corona-Pause, zu der das Bistum Fulda heute Abend in den Dom eingeladen hatte. Aber auch diese Bitte gehörte dazu: „Singen Sie gerne mit – aber nicht so laut.“

  • 50 Gottesdienstbesucher bei erster Eucharistiefeier im Dom nach Corona-Pause
  • Während des Gottesdienstes gelten Abstandsregeln
  • Händedesinfektion und Mundschutz bieten ungewohntes Bild

Fulda - 2 –1 – 2 –1: Nein, das sind keine Taktik-Tipps für die Spielweise einer Fußballmannschaft, das ist die Umsetzung der Mindestabstandsregeln für Gottesdienste, übertragen auf die Bankreihen im Dom.

„Der Dom ist rund 3000 Quadratmeter groß und wir haben normalerweise 700 bis 800 Sitzplätze“, erläuterte Domdechant Prof. Dr. Werner Kathrein heute vor Beginn der Messfeier. Auch „mit Abstand“ reiche es für etwa 120 Gottesdienstbesucher.

So viele Plätze waren gestern Abend nicht erforderlich, doch mehr als die rund 20 Menschen, die sich sonst zur montäglichen Messfeier in der Marienkapelle des Doms versammeln, waren es Montagabend doch.

In Gemeinschaft Eucharistie feiern

Damit jeder ohne Platzanweiser zurechtkam, waren in den Sitzbänken grüne „Platzkarten“ auf die Gesangbuchablagen geklebt worden: schön auf Lücke in einer Reihe zwei, dann eine, dann zwei, dann wieder eine. Das war weitgehend selbsterklärend, so dass die Besucher, die im Eingangsbereich aufgefordert waren, ihre Hände zu desinfizieren, rasch ihre Plätze einnahmen.

„Ich freue mich, dass wir hier nun wieder in Gemeinschaft Eucharistie feiern können“, betonte Prof. Dr. Gerhard Stanke, der die Messe zelebrierte. „Wir sind bei dieser Eucharistiefeier in der gebotenen Distanz, aber verbunden in Jesus Christus: Er ist die Mitte“, hob Stanke hervor.

„Der Tod ist tot, das Leben lebt“ – so lautet es in einem der Osterlieder, die die Gemeinde in der Messfeier – wie gewünscht verhalten – sang. Wer wollte, der konnte da auch ein wenig trotzige Zuversicht mithören. Dazu passte auch die Lesung aus dem Lukas-Evangelium, die Weihbischof Karlheinz Diez vortrug. In ihr stellt sich Jesus als der gute Hirte vor, dem es um das Wohl der ihm Anvertrauten geht.

Händedesinfektion bei Gabenbereitung

Neben den vertrauten Texten und dem festen Ablauf der Liturgie erlebten die Gottesdienstbesucher aber auch Ungewohntes: So erläuterte Stanke vor der Gabenbereitung sein Vorgehen am Altar: „Ich werde dort erst meine Hände desinfizieren, damit eine Ansteckung wenn irgend möglich verhindert wird.“ Und eine Messdienerin mit Mundschutz hatten wohl auch die meisten noch nicht im Gottesdienst erlebt.

An der Stelle, an der eigentlich der vertraute Friedensgruß Gelegenheit gegeben hätte, den Nachbarn. Vorder- und Hinterleuten mit einem „Friede sei mit Dir“ die Hand zu reichen, zeigte sich, dass schon diverse Corona-erfahrene Kirchgänger im Dom waren: Statt des Handschlags wandten sich viele ihren Nachbarn zu und schenkten ihnen einen freundlichen Augen-Blick. Mit Ruhe und Distanz gingen die Gläubigen dann zur Kommunionausteilung.

Nachdem die Gemeinde sich noch einmal im Gebet versammelt hatte, entließ Stanke die Gläubigen mit einem Segen, einen herzlichen „Bleiben Sie gesund“ – und dem Hinweis, auch beim und nach dem Verlassen der Kirche Abstand zu halten.

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