Erst seit Dienstag ist klar, welche Grundschule die Sechsjährige, die mit ihrer Mutter am Aschenberg wohnt, ab nächster Woche besuchen wird. (Symbolfoto)
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Erst seit Dienstag ist klar, welche Schule die Sechsjährige, die mit ihrer Mutter am Aschenberg wohnt, ab nächster Woche besuchen wird. (Symbolfoto)

Antrag zunächst abgelehnt

Mutter aus Fulda drängt auf Schulbezirk-Wechsel für ihre Tochter - Gericht entscheidet über Sechsjährige

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Viele Eltern sind mit der für ihre Kinder zugewiesenen Grundschule unzufrieden: so auch eine Mutter, die mit ihrer sechs Jahre alten Tochter am Aschenberg wohnt. Doch nachdem ihr Antrag auf einen Wechsel des Schulbezirks zwischenzeitlich abgelehnt und auch ein Gericht eingeschaltet worden war, gibt es jetzt ein Happy End.

  • Anna Lena Grasmann will nicht, dass ihre sechsjährige Tochter die Bonifatiusschule am Aschenberg besucht.
  • Lange muss sie sich mit den Behörden in Fulda wegen eines Schulbezirk-Wechsels auseinandersetzen.
  • Am Ende entscheidet ein Gericht - zu Gunsten der Mutter und ihrer Tochter, die nun die Ottilienschule in Niesig besuchen darf.

Aschenberg - In der nächsten Woche ist Schulanfang, doch erst seit Dienstag weiß die sechs Jahre alte Tochter von Anna Lena Grasmann, welche Grundschule sie besuchen wird: nämlich nicht die eigentlich zuständige Bonifatiusschule am Aschenberg, sondern die Ottilienschule in Niesig – genau so, wie es sich Mutter und Tochter erhofft hatten. Doch bis es zu dieser Entscheidung kam, war es ein langer und zäher Kampf.

Grasmann wohnt mit ihrer Tochter ziemlich genau in der Mitte der beiden Schulen, zur einen ist es so weit wie zur anderen. Während es beim morgendlichen Hinweg keine Probleme gäbe, sähe das nach dem Schulende ganz anders aus. Weil die 38-Jährige alleinerziehend und voll berufstätig ist, wird das Mädchen nachmittags von Familienangehörigen betreut, die in Niesig wohnen. Würde die Sechsjährige die Bonifatiusschule am Aschenberg besuchen, müsste sie nach der Nachmittagsbetreuung um 16 Uhr fast zwei Kilometer zu den Verwandten nach Niesig laufen – auch im Winter, wenn um diese Zeit schon die Dämmerung einsetzt. Der Weg von der Ottilienschule hingegen ist viel kürzer.

Mit Zuweisung der Grundschule unzufrieden: Mutter aus Fulda fordert Schulbezirk-Wechsel

Deshalb hatte Grasmann bereits im Februar des vergangenen Jahres beim Schulamt einen Antrag für einen Schulwechsel gestellt. „Aber dann ist mehr als ein Jahr vergangen, ohne dass ich eine Antwort bekommen habe.“ Erst im April 2020 lehnte das Schulamt den Antrag ab. Begründet wurde das damit, dass die Bonifatiusschule vorzuziehen sei, weil sie die längste Nachmittagsbetreuung anbieten kann. „Bis 16 Uhr. Das ist schön, aber hilft mir nicht. Ich kann wegen meines Berufes nicht garantieren, dass ich um diese Zeit schon zu Hause bin“, sagt die 38-Jährige.

Grasmann legte erneut Widerspruch ein, der erneut abgelehnt wurde. „Mir wurde nun gesagt, dass Eltern bei der Einschulung ihrer Kinder auch mal Abstriche machen müssten“, erklärt die alleinerziehende Mutter und fügt hinzu: „Dabei mache ich ja schon Abstriche. Ich bin bereit, mein Kind von Angehörigen betreuen zu lassen.“

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Verwaltungsgericht Kassel entscheidet über künftige Grundschule der Tochter

Im Juni schaltete Grasmann schließlich einen Anwalt ein. Die Angelegenheit wanderte zum Verwaltungsgericht in Kassel. Doch dieses lasse sich trotz Eilantrags viel Zeit, bemängelt Grasmann, die schließlich die wenigen Tage bis zum Schulanfang zählte. Doch der Entscheidung des Gerichts kam das Schulamt gestern zuvor.

Denn es gibt auch ein ärztliches Attest und ein psychotherapeutisches Gutachten: Diesen zufolge gehöre die Sechsjährige zu den zehn Prozent der kleinsten Kinder, und ein weiter Fußweg von der Bonifatiusschule nach Niesig sei nicht zumutbar. Hinzu komme, dass das Mädchen „hypersensibel“ ist, erklärt Anna Lena Grasmann. Die Ärzte befürworteten deshalb den Besuch einer kleineren Schule. Tatsächlich hat die Ottilienschule kaum ein Dutzend Erstklässler, am Aschenberg gebe es hingegen vier erste Klassen mit je 22 bis 25 Schülern.

Schulamt verkündet Entscheidung: Happy End für Familie vom Aschenberg

Harald Persch, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts, der auf Anfrage unserer Zeitung bisher um Verständnis gebeten hatte, dass er mit Blick auf das laufende Gerichtsverfahren keine konkreten Aussagen zu dem Fall treffen könne, verkündete am Montag das Happy End: Die Behörde habe erst jetzt Kenntnis von Gutachten und Attest bekommen; mit Blick auf die ärztlichen Empfehlungen sei nun aber klar, dass der Wechsel des Schulbezirks gestattet werden könne.

Anna Lena Grasmann, die schon befürchtet hatte, ihren Beruf nicht weiter ausüben zu können und sich über die vermeintliche „Willkür des Schulamts“ geärgert hatte, ist jetzt erleichtert. Und auch die Sechsjährige kann sich nun endlich auf das große Abenteuer Schulanfang freuen.

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