Die Drehbuchautorin Viola Schmidt - hier mit ihrem Töchterchen Mika auf dem roten Teppich - hat den Deutschen Filmpreis gewonnen.
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Die Drehbuchautorin Viola Schmidt - hier mit ihrem Töchterchen Mika auf dem roten Teppich - hat den Deutschen Filmpreis gewonnen.

„Mitten in der Filmwelt“

Roter Teppich in Berlin: Fuldaer Drehbuchautorin gewinnt mit Team deutschen Filmpreis

  • Anne Baun
    VonAnne Baun
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„Und plötzlich stehst du mitten in der Filmwelt!“ Drehbuchautorin Viola Schmidt (32) ist auch eine Woche nach der Verleihung des deutschen Filmpreises noch ganz begeistert. Der Kinderfilm, zu dem sie das Drehbuch geschrieben hat, ist bei der Gala gleich mit zwei „Lolas“ ausgezeichnet worden. Und gerade schreibt sie einen „Tatort“.

Fulda - Wer sich vergangene Woche die Verleihung des Deutschen Filmpreises im Fernsehen angeschaut hat, dem ist vielleicht das süße kleine Mädchen ins Auge gefallen, das bei der Preisvergabe zum besucherstärksten Film mit auf der Bühne war. Denn die Mutter der knapp zweijährigen Mika hat das Drehbuch zu dem Film „Die Schule der magischen Tiere“ geschrieben – und ist zudem gebürtig aus Fulda.

Fulda: Drehbuchautorin Viola Schmidt gewinnt mit Team deutschen Filmpreis

Viola Schmidt war für die Preisverleihung schlicht und ergreifend der Babysitter abgesprungen, und kurzerhand nahm sie das Töchterlein mit nach Berlin auf den roten Teppich und zur Verleihung. „Mika hat das Spaß gemacht“, sagt Schmidt. Und natürlich seien dem kleinen Blondschopf alle Herzen zugeflogen. „Sie hat da echt gute Social Skills“, sagt die Drehbuchautorin, die mittlerweile in München lebt und arbeitet, lachend. „Sie ist überall herumgelaufen und sagte: ,Schönes Kleid, schöne Schuhe‘ und bewunderte schick lackierte Fingernägel.“

1,7 Millionen Zuschauer haben sich „Die Schule der magischen Tiere“ im Kino angeschaut. Für Schmidt und alle Filmschaffenden eine Erleichterung: „Wir mussten wegen Corona den Filmstart verschieben, und als der Streifen dann im letzten Herbst anlief, wussten wir nicht, ob sich die Familien überhaupt in die Kinos wagen.“

Drehbuchautorin Viola Schmidt (Mitte) mit Romanautorin Margit Auer und Tochter Mia.

Sie weiß aber auch: „Es ist immer noch eine schwere Zeit für Kinos, besonders für die kleinen Kinobetreiber. Die großen Häuser werden das überleben. Und ich fände es schade, wenn jetzt plötzlich jeder nur noch zuhause auf seinem großen Bildschirm Netflix schaut. Es ist doch viel spannender, mit vielen anderen Menschen im Kino zu sitzen, einzutauchen, sich gleichzeitig zu gruseln oder zu freuen und im Anschluss darüber zu unterhalten.“ Sie selbst war früher großer Fan des ehemaligen Kinos im Fuldaer Löhertor. „Als Teenager war ich da sehr oft. Und es war einfach toll; allein, wie es dort gerochen hat“, erzählt Schmidt.

Der zweite Teil der „Schule der magischen Tiere“ kommt Ende September ins Kino, bei diesem Teil hat sie aber nicht als Head-Autorin mitgewirkt. „Da musste ich mich dann nach einiger Zeit in die Babypause verabschieden.“ Doch der erste Teil hat ihr schon so viel Aufmerksamkeit eingebracht, dass sie unter anderem für das Drehbuch eines Dresdner „Tatort“ angeworben wurde. „Es ist das totale Kontrastprogramm; ich versuche ständig, magische Füchse und Schildkröten einzubauen.“

Die Arbeit an der Geschichte sei ein permanenter Austausch, und „das, was du schreibst, musst du immer wieder verteidigen. Manchmal ist das anstrengend, aber gleichzeitig auch sehr spannend.“ Und klar, so ein „Tatort“ sei ein riesiges Gemeinschaftsprojekt, sagt Schmidt. „Irgendwann gibst du es aus der Hand; und ob die Rollen, dann so besetzt werden, wie du dir das vorgestellt hat, weißt du gar nicht.“

Video: „Schule der magischen Tiere“ - Aufregende Premierenfeier in Köln

Überhaupt sei es für sie ganz normal, auch mal Dinge zu schreiben, die nicht verfilmt würden. „Aber das ist einfach Teil des Prozesses.“ Gedreht wird die „Tatort“-Folge dann voraussichtlich Ende des Jahres, gezeigt wird sie wohl Ende 2023. Und ja, Schmidt kann sich durchaus vorstellen, auch mal für einen anderen „Tatort“ zu schreiben. Wobei sie eher ein experimentelleres Drehbuch vorziehen würde als ein klassisches.

Ein weiteres Projekt der Autorin ist ein gemeinsames Kinderbuch mit ihrem Vater Mathias R. Schmidt. Oha, gemeinsames Arbeiten in der Familie – klappt das? „Klar“, sagt Schmidt und lacht. „Es funktioniert erstaunlich gut; jeder von uns hat sein Steckenpferd und seine Ecke – es macht wirklich großen Spaß.“ Und da im Grunde die ganze Familie Schmidt schreibt, helfen die „Familienkonferenzen“, wenn es mal klemmt.

Zudem arbeitet Schmidt gemeinsam mit einem Kollegen noch parallel an einer Jugendserie für die ARD-Mediathek. „Das wird ähnlich wie ,Stranger Things‘“, verrät sie. „Es geht um das Thema Wiedergeburt; Kinder, die in einem früheren Leben etwas Schlimmes erfahren haben, bekommen die Chance auf ein neues Leben.“ Eins ist klar: Von Viola Schmidt werden wir noch viel hören.