Durch einen Bekannten ist der 22-Jährige offenbar ins Drogenmilieu gerutscht.
+
Durch einen Bekannten ist der 22-Jährige offenbar ins Drogenmilieu gerutscht.

Landgericht Fulda

Drogenhandel und schwere räuberische Erpressung: Heftige Anklageliste gegen 22-Jährigen aus Hünfeld

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
    schließen

Wie tief steckt der 22-Jährige aus dem Altkreis Hünfeld in den Drogengeschäften drin? Diese Frage beschäftigt das Landgericht Fulda. Am Mittwoch machte der Beschuldigte Angaben zu den Vorwürfen. Er wird verdächtigt, als Teil einer Bande mit Rauschgift im Wert von einer Viertelmillion Euro gehandelt zu haben.

Fulda - Durch einen Bekannten ist der 22-Jährige offenbar ins Drogenmilieu gerutscht. Dieser Mann soll es auch gewesen sein, der den 22-Jährigen mehrfach beauftragt hatte, für ihn Botendienste zu übernehmen. Mal ging es darum, Geld abzuholen, mal darum, Drogen auszuliefern. Es gab wohl extra Handys, und die Kommunikation lief über Nachrichtendienste, bei denen die Textmeldungen zeitnah gelöscht werden. Das Einzugsgebiet reichte dabei offenbar weit über die regionalen Grenzen hinaus, vom Wartburgkreis ist die Rede und vom Schwäbischen Raum.

Zunächst habe der Angeklagte mit dem eigentlichen Verkauf nichts zu tun gehabt. „Ich bin nach Vacha geschickt worden und habe das Geld kassiert“, sagt der 22-Jährige. Jedes Mal seien das zwischen 3000 und 4000 Euro gewesen. Etwa ein halbes Jahr lang sei er alle drei bis vier Wochen dorthin gefahren, um Geld bei einem Kunden abzuholen. Dabei habe er manchmal auch Dinge von seinem Auftraggeber ausgerichtet, „aber die Entscheidung, was geliefert wird und zu welchem Preis, da habe ich nicht mitzusprechen gehabt. Ich selbst hatte keinen Handlungsspielraum“, erklärt der Angeklagte.

Landgericht Fulda: 22-Jähriger aus Hünfeld „bloß“ Drogenkurier?

Für diese Fahrten habe er zwischen 50 und 100 Euro bekommen. Etwas mehr gab es wohl, wenn er weitere Strecken fahren musste – beziehungsweise wenn er Rauschgift auslieferte. Pro Kilo habe er dann 200 Euro erhalten. Nach einer Weile habe er – in Absprache mit dem Bekannten – auch eigene Drogengeschäfte gemacht.

Lesen Sie hier: Drogenhandel im ganz großen Stil - Angeklagter berichtet vor Gericht von seiner Vergangenheit.

In der Anklage ist die Rede von insgesamt 258.000 Euro, die der 22-Jährige als Teil einer Gruppe mit dem Verkauf von Drogen Marihuana, Haschisch und Amphetaminen – eingenommen haben soll. Das Rauschgift soll in verschiedenen Mengen, teilweise bis zu 20 Kilo, verkauft worden sein.

Insgesamt werden dem jungen Mann in dem Zusammenhang 18 Fälle vorgeworfen, zu einigen äußert er sich nicht, um andere Personen nicht zu beschuldigen. Im Großen und Ganzen wirkt seine Aussage aber lückenlos und sachlich. Mitunter gibt er zu, dass „das scheiße“ war.

Angeklagter soll einen Kunden im Fuldaer Schulviertel „abgezogen“ haben

Neben dem Verdacht des bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln steht noch eine weitere Straftat im Raum: schwere räuberische Erpressung. Hierzu macht er Angaben, schildert die Situation aber etwas anders, als es in der Anklageschrift steht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zusammen mit einer weiteren Person einen Kunden mit einer Schreckschusspistole bedroht und bestohlen zu haben. Das Opfer sei dann von der zweiten Person mit einem Baseballschläger geschlagen worden.

Der 22-Jährige gibt zu, dass es seine Schreckschusspistole war und dass er sich mit dem Kunden im Fuldaer Schulviertel verabredet hatte. „Er wollte 100 Gramm Marihuana und fragte mich über WhatsApp an. Ich kannte ihn überhaupt nicht und wollte kein Geschäft mit ihm machen.“ Unter anderem habe er Angst gehabt aufzufliegen.

Prozess gegen 22-Jährigen aus Hünfeld: Zwölf Verhandlungstage angesetzt

Weil der Kunde ihn aber schon seit Wochen damit genervt habe, habe er zusammen mit zwei anderen den Plan gefasst, den potenziellen Käufer „abzuziehen“. „Es sollte so aussehen, dass die beiden zufällig da aufkreuzen und ich nichts damit zu tun habe.“

Das Geld für die Drogen 800 Euro – habe er zu dem Zeitpunkt bereits in den Händen gehalten. „Es war nicht beabsichtigt, dass da groß was passiert“, erklärt der 22-Jährige. Auf die Frage, wie ein solcher Scheinüberfall jemanden von weiteren Geschäften mit ihm abhalten solle, erklärte er: „Ich dachte, wenn gleich bei der ersten Übergabe so etwas passiert, will er sich nicht mehr treffen. So würde es mir jedenfalls gehen.“

Die Verhandlung wird am Dienstag, 13. Oktober, um 10 Uhr am Landgericht Fulda fortgesetzt. Es sind insgesamt zwölf Verhandlungstage angesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema