Durch einen Bekannten ist der 22-Jährige offenbar ins Drogenmilieu gerutscht.
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Durch einen Bekannten ist der 22-Jährige offenbar ins Drogenmilieu gerutscht.

Landgericht Fulda

Käufer sagt als Zeuge im Drogenprozess aus: „Irgendwann lief alles aus dem Ruder“ - Angst um eigene Familie

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Im Drogenprozess, bei dem sich ein 21-Jähriger aus dem Altkreis Hünfeld vor dem Landgericht Fulda verantworten muss, sind am Dienstag unter anderem die Verlobte des Angeklagten und ein Mann vernommen worden, der Drogenkäufer gewesen sein soll.

Fulda - Etwas wortkarg macht der 30-jährige Zeuge vor dem Landgericht Fulda seine Aussage: Er habe den Angeklagten „über eine dritte Person“ kennengelernt, deren Namen er nicht sagen möchte. Dieser Mann sei es gewesen, über den er die Drogen bestellt habe. Dem Gericht ist dessen Name bereits durch die Ermittlungen der Polizei bekannt. Gegen ihn wird ebenfalls ermittelt. Der Zeuge selbst sitzt seit Herbst 2018 eine Strafe wegen Drogenhandels ab.

Knackpunkt im Drogenprozess am Landgericht Fulda: Hatte Angeklagter Drogen „in der Hand“?

Drei Monate vor seiner Festnahme habe er mit dem Angeklagten Kontakt gehabt. In dieser Zeit sei der Beschuldigte vier- bis fünfmal zu ihm in den Landkreis Villingen-Schwenningen gefahren. „Ich habe immer auf Kommission gekauft. Das Geld habe ich dann bei der nächsten Lieferung mitgegeben. Wenn er kam, hatte er ein bis zwei Kilo Amphetamin und Marihuana dabei“, erklärt der 30-Jährige zu Beginn seiner Aussage vor dem Landgericht Fulda.

Am Ende weiß er auf Nachfrage der Staatsanwältin Tanja Gerbig jedoch nicht mehr so genau, ob es der Angeklagte war, der die Drogen brachte oder ein anderer Lieferant. „Er könnte es gewesen sein. Meistens war er da.“ In der Zeit kurz vor der Festnahme seien die Fahrer aber auch ohne Ware gekommen, nur zum Geld holen. Das ist der Knackpunkt: Bisher war im Verfahren vor dem Landgericht Fulda die Rede davon, dass der Angeklagte hauptsächlich das Geld einsammelte und „keine Hand an die Drogen“ legte.

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Käufer sagt als Zeuge im Drogenprozess aus - Nie Streit mit dem Angeklagtem gehabt

Der Angeklagte sei jedenfalls immer „ganz ok“ gewesen. „Vielleicht gab es mal einen schärferen Ton, als ich nicht zahlen konnte, aber Streit hatten wir nie“, sagt der Zeuge vor dem Landgericht Fulda. Kurz vor der Verhaftung des 30-Jährigen sei alles „aus dem Ruder“ gelaufen: Einige seiner Drogenkunden wurden festgenommen. Deshalb und weil er selbst sehr viel konsumiert habe, sei er in Zahlungsnot geraten. Zu dem Zeitpunkt seien die Geschäftsbeziehungen zu Hessen abgebrochen.

Auch das Handy, das er für diesen Handel erhalten hatte, wurde ihm abgenommen. „Ich wurde gezwungen, es zurückzugeben.“ Und auf Nachfrage, wie das ablief, konkretisiert er: „Ein, zwei Schläge gab es oben drauf.“ Der Angeklagte sei da nicht dabei gewesen. „Ich weiß auch nicht, ob es Bandenkriminalität ist. Ich weiß nur, dass ich damit abschließen möchte.“ Er sei zwar nie direkt bedroht worden, trotzdem habe er Angst um seine Familie.

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Drogenprozess in Fulda: Verlobte des Angeklagten möchte ihre Aussagen nicht in der Zeitung lesen

So geht es auch der Verlobten des Angeklagten. Sie macht vor dem Landgericht Fulda von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch – weil sie ihre Aussage nicht öffentlich in der Zeitung lesen möchte und weil sie Angst vor Übergriffen habe. Ihre Angaben, die sie bei der Polizei machte, darf die Kammer aber verlesen. Dabei wird deutlich, dass sie zuletzt ein paar Mal bei den Geldsammelfahrten dabei gewesen sein muss.

Der Angeklagte habe „konkrete Aufträge bekommen, zu wem er fahren soll“. Bei der Polizei habe sie auch gesagt, dass sie den Eindruck hatte, ihr Freund wolle „diese Scheiße nicht mehr“ und dass er das nicht freiwillig tat. Er habe sie gebeten, „nicht so viele Fragen zu stellen“. Der Prozess vor dem Landgericht Fulda wird Freitag, 30. Oktober, um 10 Uhr fortgesetzt.

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