Durch einen Bekannten ist der 22-Jährige offenbar ins Drogenmilieu gerutscht.
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Durch einen Bekannten ist der 22-Jährige offenbar ins Drogenmilieu gerutscht.

Prozess am Landgericht Fulda

Mutmaßlicher Drogen- und Geldkurier vor Gericht: Ermittler legt belastende Telefon-Mitschnitte vor

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Seit Januar 2018 hatte die Polizei den 22-jährigen Angeklagten im Visier. Dem jungen Mann aus dem Altkreis Hünfeld wird vorgeworfen, im großen Stil mit Drogen gehandelt zu haben. Vor dem Landgericht Fulda schildert ein Kriminalhauptkommissar, wie die Ermittlungen abliefen.

Fulda - „Ich hab’ den radikal abgezogen, das war einfach ein Denkzettel“, „Der hat sich förmlich in die Hose gekackt“, „Digger (...) ich war so geladen auf den Typ“: Mit diesen Worten soll der Angeklagte von einer Straftat gesprochen haben, die ihm – neben Drogenhandel – vorgeworfen wird: Zusammen mit einer weiteren Person soll er einen potenziellen Drogenkunden in Fulda bedroht und bestohlen haben. Es steht schwere räuberische Erpressung im Raum. Der mutmaßliche Drogendealer muss sich seit dem 9. September vor dem Landgericht Fulda verantworten. Von seiner Vergangenheit hat der 22-Jährige bereits vor Gericht berichtet.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Joachim Becker verliest die Aufzeichnungen der Mitschnitte, die die Polizei angefertigt hat, auszugsweise. Es sind Berge an Akten. Seit einer Zeugenaussage im Januar 2018 haben die Beamten den Angeklagten auf dem Schirm. Im Februar 2019 wurden die Ermittlungen intensiviert. Dabei wurde der Angeklagte zum Teil observiert, Telefon und Innenraum seines Fahrzeugs hörten die Beamten ab.

22-Jähriger aus dem Altkreis Hünfeld vor Gericht: Polizei observierte Dealer seit Januar 2018

Auch die Fahrtwege wurden dokumentiert. „Er fuhr mindestens einmal pro Woche, meistens Montag oder Sonntag, eine weitere Strecke“, erklärt der 43-jährige Beamte. Diese „Geldsammelfahrten“ nach Erfurt, Schwenningen, Bad Kissingen, Kassel, in den Vogelsbergkreis oder ins Rhein-Main-Gebiet seien „absolut regelmäßig“ erfolgt. „Er lieferte keine Gegenstände aus, sondern erhielt kleine Päckchen“, erklärt der Ermittler. Die Fahrten hätten verschiedene Zwecke gehabt: Zum einen sei es darum gegangen, für seinen Auftraggeber Geld von Kunden einzutreiben, zum anderen aber auch darum, Geld an diejenigen zu übermitteln, von denen die Betäubungsmittel bezogen wurden. Das sei wohl vor allem eine Person in Steinau an der Straße gewesen.

„Ein weiterer Zweck war das Verteilen von Handys, die an die Kunden geliefert wurden. So waren sie vernetzt“, erklärt der 43-jährige Polizist vor dem Landgericht Fulda. Auf den Handys sei eine Software installiert gewesen, mit der Nachrichten verschickt werden konnten, auf die die Polizei keinen Zugriff hatte. Bei der Konversation hätten sie Spitznamen wie „Felix“, „Putin“ oder „Bugs Bunny“ verwendet – wobei Letztgenannter der Auftraggeber des Angeklagten gewesen sei.

Drogenprozess am Landgericht Fulda: Polizei beobachtet Geld-Übergabe von 100.000 Euro

Die Polizei schildert das Vorgehen so: Die Kunden hätten bei dem Auftraggeber bestellt. Dieser habe die Bestellung an seine Quellen weitergegeben, Kuriere hätten die Drogen ausgeliefert, und der Angeklagte habe das Geld eingesammelt. Die Übergabe von mindestens 100.000 Euro hätten die Beamten mitbekommen. „Das ist aber sicher nur ein Teil des Geldes, weil wir auch nicht bei allen Treffen mit dabei waren“, sagt der Polizist.

Mehrere Drogengeschäfte hätten die Beamten dennoch dokumentieren können, dabei ging es wohl um Haschisch, Marihuana und Amphetamine im Gesamtwert von einer Viertelmillion Euro. Der Angeklagte und auch der mutmaßliche Auftraggeber hätten allerdings meist „keine Hände an Betäubungsmittel gelegt“. Mit einer Ausnahme: „In einem kurzen Zeitraum, zwischen dem 21. Mai und Anfang Juni 2019, kam es zu Abweichungen. Hier wurde der Angeklagte dabei beobachtet, wie ihm Säcke übergeben wurden“, sagt der Beamte.

Polizist sagt gegen 22-jährigen Hünfelder aus: „Er wusste genau, was er tut“

Auf die Frage, wie er den Angeklagten aufgrund der Gespräche, die die Polizei mitgeschnitten hat, einschätzt, erklärt der Polizist: „Er wusste genau, was er tut. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm anfangs auch Spaß gemacht hat. Er hat sich damit gebrüstet, in der Art: ,Ich brauch’ kein Gangster mehr zu werden, ich bin schon einer’“, sagt der 43-Jährige. Etwas später habe er aber das Gefühl gehabt, dass dem Angeklagten die Arbeit für den Auftraggeber eher lästig geworden sei. Als ein Kunde nicht zahlen konnte, habe der Angeklagte sogar geweint und gesagt: „Jetzt haben wir ein Problem, die machen mich kaputt. Wie soll ich denen das erklären?“ Gegen den mutmaßlichen Auftraggeber, der Jahrgang 1991 ist, laufen ebenfalls Ermittlungen.

Der Prozess wird am 27. Oktober um 10 Uhr fortgesetzt. Nach jetzigem Stand geht Richter Becker davon aus, dass eine Jugendstrafe zur Anwendung kommt. Zur Tatzeit galt der Angeklagte noch als Heranwachsender.

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