Die Sanierung der ehemaligen Eika-Wachswarenfabrik ist für den Hessischen Denkmalschutzpreis nominiert. Der Preis wird Mitte September verliehen.
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Die Sanierung der ehemaligen Eika-Wachswarenfabrik ist für den Hessischen Denkmalschutzpreis nominiert. Der Preis wird Mitte September verliehen.

Hessische Auszeichnung

Ehemalige Eika-Kerzenfabrik hat Chance auf Denkmalschutzpreis

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Die Sanierung der ehemaligen Eika-Kerzenfabrik durch das Investoren-Ehepaar Gerd und Kerstin Hausner aus der bayerischen Rhön hat Chancen auf den Hessischen Denkmalschutzpreis. Die Jury ist nächste Woche vor Ort.

Fulda - „Vom Verkauf der „Eika“ hörten wir im Radio und fuhren am gleichen Tag zur Fabrik. Wir waren von den alten Gebäuden sofort begeistert, trotz des extrem desolaten Zustandes. Man hätte zumindest die Löcher im Dach schließen können, um das schöne alte Gebäude zu bewahren,“ sagt Gerd Hausner. Nachdem die Familie sich über die Geschichte des Gebäudes informiert und eine Besichtigung vorgenommen hatte, fiel der Entschluss zum Erwerb.

Das markante Gebäude war seit 1824 Sitz der Traditionsfirma Eickenscheidt, später Eika. Sie war einst Zentrum der deutschen Kerzenfabrikation und größter Arbeitgeber im Kreis Fulda. Seit der Restaurierung (2016–2019) wird das Gebäude von den Maltesern genutzt. Sie konzentrieren hier ihre vielfältigen Angebote.

Ehemalige Eika Kerzenfabrik hat Chance auf Denkmalschutzpreis - Familie Hausner rettete das Kulturdenkmal

Mit der Insolvenz der traditionsreichen Eika Kerzenfabrik war die Zukunft des Kulturdenkmals unsicher geworden. Die benachbarte Papierfabrik Jass wollte das Areal zu Logistikzwecken übernehmen, was nach Einschätzung von Denkmalpflegern vielleicht das Ende einer angemessenen Nutzung für das Gebäude gewesen wäre.

Seinen Retter fand das Kulturdenkmal in der Familie Hausner, die mit dem 1902 erbauten Fabrikgebäude auch einen 1959 erbauten Verwaltungsbau übernahm, der ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Die Bauleitung hatte das Fuldaer Architektenbüro Sichau + Walter.

Mit 5000 Backsteinen wurde defekte Mauerwerk von ehemaliger Eika Kerzenfabrik repariert

Zunächst wurden jüngere Anbauten am alten Fabrikgebäude entfernt. Als Folge jahrzehntelanger Vernachlässigung hatte sich Hausschwamm im Mauerwerk entwickelt, der zum Teil bis in die Kellergeschosse reichte. Deshalb bestand die dringendste Aufgabe darin, das wegen jahrzehntelangen Leerstands undicht gewordene Dach zu sanieren. Ein Großteil der bauzeitlichen Sparren musste ergänzt oder erneuert werden, die gestalteten Brandmauern und Schornsteinköpfe dagegen wurden bewahrt.

Der Hausschwamm konnte behandelt werden, das defekte Mauerwerk wurde mit 5000 Backsteinen repariert. Im Erdgeschoss konnten neun historische Fenster erhalten werden, alle anderen wurden durch detailgetreue Repliken ergänzt, so dass das originale Erscheinungsbild des Gebäudes erhalten blieb. Im Inneren wurde die Raumstruktur der ehemaligen Manufaktur samt der Gebrauchsspuren der bauzeitlichen Stützen belassen.

Familie Hausner ließ Kulturdenkmal sanieren - Haustechnik wurde komplett erneuert

Die Haustechnik wurde komplett erneuert. Unter dem neuen Estrich befindet sich in allen Etagen eine Fußbodenheizung. Der Verwaltungsbau wurde nur renoviert. Der originale Fensterbestand wurde auch hier ersetzt. Beide Gebäude sind heute behindertengerecht.

Familie Hausner hatte in Fulda mit ähnlichen Projekten – der Wollgarnfabrik und der ehemalige Landeszentralbank – bereits gute Erfahrungen gemacht hat. „Die Familie hat der katastrophale Zustand der „Eika“ nicht abgeschreckt. Erschreckt hat sie nur die Verwahrlosung und das fast absichtliche „Verkommenlassen“ des Gebäudes“, lobt das Landesamt für Denkmalschutz in einer Beschreibung des Vorhabens. Neben der kompletten Bauleitung hat die Familie mit Freunden auch selbst Hand angelegt, etwa im Treppenhaus oder an den Verzierungsbrettern unterhalb der Regenrinnen.

Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Er wird Mitte September in Wiesbaden verliehen.

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