Ehemaliger Oberbürgermeister von Fulda: Wolfgang Hamberger.
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Er war 28 Jahre lang Fuldas Oberhaupt, heute feiert er 90. Geburtstag: Wolfgang Hamberger.

28 Jahre lang Oberbürgermeister in Fulda

Wolfgang Hamberger feiert 90. Geburtstag

  • Michael Tillmann
    vonMichael Tillmann
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Er ist einer, der gewissermaßen an Fulda sein Herz verlor. Dr. Wolfgang Hamberger. Und „seine“ Stadt ehrt ihn aus einem bedeutsamen Anlass, denn am heutigen Dienstag, 25. August, feiert der frühere Oberbürgermeister seinen 90. Geburtstag.

  • Dr. Wolfgang Hamberger feiert heute seinen 90. Geburtstag.
  • Im Stadtschloss Fulda wird ihm zu Ehren ein großer Festakt stattfinden.
  • Hamberger war 28 Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt Fulda.

Update vom 25. August, 20.29 Uhr: Der ehemalige Oberbürgermeister Wolfgang Hamberger wurde im Stadtschloss gebührend gefeiert.

Erstmeldung vom 25. August, 11.47 Uhr: Fulda - Wolfgang Hamberger feiert mit seiner Familie, mit den Töchtern, mit dem Schwiegersohn und mit zwei Enkelkindern. Doch auch die Stadt gratuliert dem Jubilar mit einem Empfang im Stadtschloss.

Fulda verneigt sich damit in Dankbarkeit vor dem Christdemokraten, der der Barockstadt von 1968 bis 1998 – zunächst als Referent und Bürgermeister und schließlich als langjähriger Oberbürgermeister – zu großer Blüte verhalf.

Fulda: Ehemaliger Oberbürgermeister Hamberger feiert 90. Geburtstag

Er schaffte das mit Augenmaß, Vision und Empathie für diese „lebens- und liebenswerte Stadt“. Die Weichenstellung wirkt bis in die Gegenwart.

Dass es dazu kommen konnte, war ein Glücksfall. Letztlich ist das wohl Hambergers Ehefrau Lieselotte zu verdanken. Denn sie war es, die nach einer – zwischen beiden – vereinbarten „zweijährigen Probezeit“ 1970 das endgültige Ja-Wort zu Wolfgangs zweiter Liebe gab.

Seinen 90. Geburtstag kann Lieselotte nicht mehr mit ihrem Wolfgang feiern. Die langjährige First-Lady starb im vergangenen Jahr. Der Jubilar ist traurig: „Ich vermisse sie sehr“, sagt Wolfgang Hamberger. Sie habe die Rolle als Frau an der Seite des Oberbürgermeisters stets angenommen und sich in „vorbildlicher Weise“ für Fulda engagiert.

Hamberger wurde zum Nachfolger von Alfred Dregger

Zwei Jahresdaten sind für die symbiotische Beziehung „Hamberger-Fulda“ entscheidend. 1949, also vor den erwähnten 71 Jahren, kam der Bensheimer Bub Wolfgang erstmals nach Fulda – in ein Ferienlager des Bundes Neudeutschland. Die Geschichte Fuldas, das Wirken von Bonifatius, faszinierte den jungen Wolfgang Hamberger damals schon.

Doch es sollten fast zwei weitere Jahrzehnte vergehen, ehe es „ernst“ wurde. 1968, Wolfgang Hamberger ist bei der Mannheimer Versicherungsgesellschaft in guter, lukrativer Position, als er sich bei der Stadt Fulda bewirbt, in der damals noch Dr. Alfred Dregger das Zepter schwang.

Zu spät beim Vorstellungsgespräch

Um ein Haar wäre aus der Fuldaer Zukunft des Wolfgang Hamberger indes nichts geworden. Denn zum vereinbarten Vorstellungsgespräch kam er hoffnungslos zu spät. „Aber nur verkehrsbedingt”, erzählt Hamberger, der kurz ob der einstündigen Verspätung überlegt, mit fadenscheiniger Begründung gar nicht mehr erst zu erscheinen.

Er gab sich doch einen Ruck. Und wäre im Vorzimmer Dreggers bei Erika Schöne vielleicht doch gescheitert, die das Zuspätkommen des jungen Mannes mit gestrengem Blick über die Brille und spitzer Bemerkung tadelte. Doch wie die Geschichte es will, kam just in diesem Moment Chef Dregger aus seinem Büro und sagte: „Kommen Sie bitte herein.“

Das war der Anfang. Referent. Öffentlichkeitsarbeit. Bürgermeister – und dann 1970 Oberbürgermeister. Vier Eigenschaften sollten den OB, der bis zum „zwangsweisen Ausscheiden 1998“ (damals gab es noch die Altersgrenze 68 Jahre) in der Folgezeit prägen und auszeichnen.

Die Familie mit der im Mai 2019 verstorbenen Liselotte Hamberger (von links): Uwe Kern und seine Ehefrau Barbara Hamberger, Reitumetse Hamberger, Liselotte und Wolfgang Hamberger, Ntebaleng Hamberger und Jutta Hamberger.

Hartnäckigkeit: Eine der wichtigsten Weichenstellungen für Fulda (mit Bedeutung für die Gegenwart) war in den 70er Jahren die Entscheidung zum ICE-Halt in Fulda. Gegen alle Widerstände bei der Bahn und von Teilen der Fuldaer Kommunalpolitik gelang Hamberger das, was er von Anfang an für richtig hielt:

Nicht irgendwo außerhalb ein Satellitenbahnhof, der die Fahrzeit Frankfurt-Fulda um vielleicht fünf Minuten verringert hätte, sondern der ICE-Halt mitten in Fulda. Ohne ICE gäbe es heute kein Esperanto, ohne Esperanto wäre Fulda nicht Kongressstandort mitten in Deutschland. Politik braucht Weitsicht – und eben Hartnäckigkeit.

Besonnenheit: Wolfgang Hamberger war nie Parteisoldat, war nie der Mann der polarisierenden Töne: „Ich bin von meinen Eltern Hedwig und Wilhelm zu Respekt erzogen worden.“ In diesem Sinne habe er versucht, auch in der Stadt Politik zu machen. Hamberger: „Ich hoffe, auch andere sehen es so: Ich wollte immer fair sein.“ Man müsse viele Meinungen kennen und respektieren, um sich selbst eine Meinung bilden zu können“, sagt Hamberger – ganz mit Besonnenheit.

Offenheit: Seine Familie sagt, er sei im Alter immer offener geworden. Er selbst meint, er sei schon immer aufgeschlossen gewesen. Jeder habe mit ihm reden können, und er habe gerne jedem zugehört. Unabhängig von Funktion oder Stellung.

Dass Fulda früh eine Frauenbeauftragte bekam und dass grüne Ideen bei ihm tiefer verankert waren, als bei traditionellen, vielleicht auch verbohrten Fraktionsmitgliedern – Hamberger schmunzelt heute. Aber sein Credo lautet: „Man kann nur offen sein, wenn man klar in Zielen und im Denken ist“ – so viel dazu.

Hamberger: Glaube als Maßstab des Handelns

Gläubigkeit: Ein zentraler Begriff für den Christen und Christdemokraten Wolfgang Hamberger, der fasziniert und geprägt scheint von Bonifatius. „Der Glaube hatte in meiner Arbeit immer einen hohen Stellenwert“, sagt Hamberger, der Extremismus jedweder Richtung stets konsequent abgelehnt hat. Glaube als Maßstab des Handelns.

Was aus Dr. Wolfgang Hamberger geworden wäre, wenn es in Fulda nicht geklappt hätte 1968? Müßig, darüber zu sinnieren?! Nein. Denn Wolfgang Hamberger hat nicht nur die „autogerechte Stadt Fulda“ seines Vorgängers verhindert. Ohne ihn gäbe es die Reihe Literatur im Stadtschloss nicht. Ohne ihn hätte es (vielleicht) keine Landesgartenschau 1994 gegeben. Jene, die ihn heute hochleben lassen, werden viele Felder für eine Würdigung finden.

Letztlich werden alle immer unvollständig sein. Denn nur mit „seinen Augen“ – um an sein Buch „mit meinen Augen“ zu erinnern – wird die Geschichte vollständig. Doch der Anspruch auf Vollständigkeit würde jedes Zeilenmaß und jede Feierstunde zeitlich sprengen. Bleibt als Fuldaer das einfach schlichte: „Danke, Dr. Hamberger“. Und bleiben Sie gesund. Das ist es, was er sich selbst wünscht: „Noch eine Weile mit Gottes Segen weitermarschieren.“

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