Auf der Rasenfläche neben der Bahnlinie Fulda–Gersfeld und mit Sicht auf das Unternehmen KZWO möchte ein Investor ein Automatenhotel bauen.
+
Auf der Rasenfläche neben der Bahnlinie Fulda–Gersfeld und mit Sicht auf das Unternehmen KZWO möchte ein Investor ein Automatenhotel bauen.

Bürgermeister klärt auf

Sorge in Eichenzell-Welkers: Kommt nach dem „Fünften Element“ noch ein Stundenhotel?

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
    schließen

Bekommt Welkers nach dem „Fünften Element“ im angrenzenden Industriepark Rhön einen zweiten Ort der käuflichen Liebe? Diese Sorge ist in dem Eichenzeller Ortsteil groß. Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU) hält die Sorge für unbegründet.

Eichenzell - Eine bundesweit tätige Kette möchte auf einer Fläche zwischen den Schienen der Rhönbahn und der Landesstraße, die durch Welkers führt, ein Automatenhotel bauen – ein Hotel mit 27 Zimmern. In diesem Hotel gäbe es kein Personal. Den Zutritt verschafft man sich mit einem Buchungscode und dem Handy oder der Kreditkarte.

Sorgen in Welkers: Kommt nach „Fünftem Element“ noch ein Stundenhotel?

Ein solches Modell würde der Nutzung des Hotels durch das älteste Gewerbe der Welt Tür und Tor öffnen, so die Sorge in Welkers. Aus dem Automatenhotel würde, so die Befürchtung, ein Stundenhotel, das Freier und Liebesdienerin nur für das Eine nutzen.

Der Ortsbeirat geht gegen die Planungen deshalb auf die Barrikaden – und erhält von der CDU/CWE-Fraktion Rückendeckung: „Wir unterstützen die Forderungen des Ortsbeirats: Wir lehnen ein Motel in Welkers ab“, sagt Fraktionsvorsitzender Joachim Bohl. Auch die Bürgerliste (BLE) unterstützt den Protest.

„Ein Billighotel ohne Personal auf dem Schulweg zum Bahnhof und in Ortskernnähe brauchen wir im bürgerlich geprägten Eichenzell nicht. Mit dem Bebauungsplan holen wir uns Probleme dauerhaft direkt in die Nähe der Wohnbebauung“, kritisiert BLE-Sprecher Joachim Weber. (Lesen Sie hier: Lkw bleibt bei Eichenzell an A7-Brücke hängen)

Mit ihrem Widerstand, der von CDU/CWE und der BLE unterstützt wird, erreichten es die Welkerser, dass der Gemeindevorstand das Thema jetzt von der Tagesordnung nahm. Eigentlich sollte die die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am Donnerstag den Bebauungsplan so ändern, dass der Hotelbau möglich geworden wäre.

Angst vor Stundenhotel - Bürgermeister Johannes Rothmund hält Sorge für unbegründet

„Wir haben keine Eile. Wir wollen das Thema in aller Ruhe mit dem Ortsbeirat und den Bürgern von Welkers besprechen“, kündigt Bürgermeister Johannes Rothmund an. „Ich verstehe die Sorgen, aber sie sind unbegründet“, sagt der Rathauschef. „Ein Billighotel ist überhaupt nicht geplant.“

Der Investor – dessen Namen Rothmund nicht nennen will – wolle qualitativ anspruchsvolle und höherpreisige Zimmer anbieten. Zielgruppe seien Handelsvertreter und andere Besucher, die in den Betrieben des Industrieparks zu tun haben – und nicht Sexarbeiter.

Diskussion in Eichenzell wird nach Kommunalwahl weitergehen

Die Diskussion um ein Automaten-Hotel in Welkers wird die Gemeinde also nach der Kommunalwahl weiter beschäftigen. Rothmund betont, bei der aktuellen Diskussion um den Bebauungsplan gehe es nicht allein um die Fläche, an der ein Hotelbetreiber interessiert ist, sondern um den gesamten Grenzbereich zwischen Wohnbebauung und Industriepark.

„Für dieses etwa drei Hektar großen Areal müssen wir festlegen, welche Nutzung wir hier zulassen wollen. Die Festlegung aus dem noch geltenden Bebauungsplan von 1969, dass es sich um ein reines Wohngebiet handelt, ist rechtlich vermutlich nicht zu halten.“

Der Ortsbeirat Welkers will in jedem Fall eine klare Trennlinie zwischen dem Ort und dem Industrie-/Gewerbegebiet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema