Die Bauarbeiten unterhalb der Thalaubrücke haben begonnen.
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Die Thalaubachbrücke im Zuge der A 7 wird neu gebaut. Dafür wurden bereits Regenrückhaltebecken angelegt (oben rechts im Bild).

Böschungen bereits abgeholzt

Naturschützer schlägt Alarm - Bauarbeiten an Talbrücke Thalaubach in vollem Gange

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Einen offiziellen Spatenstich für das Projekt gab es nicht. Doch für die neue Autobahnbrücke und die geplante neue Ausfahrt bei Döllbach und Thalau wird schon kräftig gearbeitet – so intensiv, dass Naturschützer Alarm schlagen.

Döllbach/Thalau - Abgeholzte Waldflächen und Böschungen entlang der Autobahn, große Regenauffangbecken neben dem Thalaubach – wer einige Monate nicht mehr auf der B 279 zwischen Döllbach und Thalau oder auf der A 7 südlich von Fulda unterwegs war, der erkennt den Bereich jetzt nicht mehr wieder – so sichtbar sind die Eingriffe in die Natur. Im April hatte Hessen Mobil mit den Arbeiten auf der Talbrücke Thalaubach begonnen.

Die 1968 gebaute Brücke zwischen Döllbach und Thalau muss erneuert werden. Vor dem Abbruch soll eine neue Brücke östlich neben dem bestehenden Bauwerk errichtet werden. Entsprechend muss die Autobahn vor und hinter der Brücke etwas nach Osten verschoben werden – auf einer Länge von 2,7 Kilometern Länge. Von einer „Verziehungsstrecke“ sprechen die Planer.

Fulda: Erneuerung der Talbrücke Thalaubach - Naturschützer schlagen Alarm

Um für die Verschiebung (oder Verziehung) Platz zu machen, wurde kräftig abgeholzt – im vergangenen und in diesem Jahr. Auch Böschungen wurden geräumt. „Die eigentlichen Brückenbauarbeiten für den Ersatzneubau beginnen wohl im dritten Quartal 2022. Bauherr ist die Autobahn GmbH des Bundes“, sagt Joachim Schmidt, örtlicher Sprecher der GmbH. (Lesen Sie hier: B27-Anschlussstellen in Lehnerz und Bernhards gesperrt - Auch Landesstraße wird erneuert)

Aus nächster Nähe beobachtet der Naturschützer Ekkehard Schulz (83), pensionierter Biologie- und Geographie-Lehrer, aus Thalau die Arbeiten. „Die Verziehungsstrecke ist der Auslöser der ganzen Katastrophe“, sagt er. „In diesem Bereich lebten acht Fledermausarten, die auf der Roten Liste der besonders geschützten Tiere stehen“, sagt Schulz. „Auch Schlingnattern, Haselmäuse – die einen besonders hohen Schutzstatus haben –, Waldmäuse, Eidechsen, Schmetterlinge, Insekten – alle werden geschädigt. Für die Eingriffe gibt es keine Entschuldigung.“

„Hier werden keine Landschaftsschutzgebiete ‚zerstört‘“, hält die Autobahn GmbH entgegen. „Relativ geringe Teile der Schutzgebiete werden baubedingt in Anspruch genommen und nach Fertigstellung rekultiviert. Bezieht man die Rekultivierungs- und Kompensationsmaßnahmen ein, dann verbleibt kein Naturschutz-Defizit“, sagt Schmidt. Die obere und untere Naturschutzbehörde hätten den Eingriffen und auch den Kompensationsmaßnahmen zugestimmt.

Video: Tausend Meter langer Lennetalbrücke erfolgreich verschoben

Schulz moniert weiter, dass vor Baubeginn weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) noch ein Planfestellungsverfahren durchgeführt wurden – obwohl dieses Verfahren 2016 angekündigt worden sei. Die Autobahn GmbH hält auch diese Kritik für nicht berechtigt: Ein Planfeststellungsverfahren sei nicht notwendig gewesen. „Mit allen betroffenen Trägern öffentlicher Belange sowie privaten Grundstückseigentümern wurden einvernehmliche Regelungen getroffen“, erklärt Schmidt.

„Das Vorkommen von sogenannten rote Liste Arten oder seltene Arten begründet allein keine Pflicht für eine UVP.“ Das Gesetz nenne den Ersatzneubau einer Autobahnbrücke nicht als UVP-pflichtiges Vorhaben. Auch eine Vorprüfung des Falles vor Ort habe ergeben, dass eine UVP nicht nötig war. Alle artenschutzrechtlichen Bestimmungen seien eingehalten worden.

Bauarbeiten an Talbrücke Thalaubach: Naturschützer bemängeln Abholzen von Böschungen

Schulz ärgert besonders das Abholzen der Böschungen. „Die Südhänge wurden mit 7900 Kubikmeter Beton und 716 Tonnen Baustahl zugekleistert. Die Betonwand heizt den Restwald auf.“ Die Autobahn GmbHerwidert:„Die klimatischen Effekte der Betonwand sind lokal begrenzt. Die Aufheizung von angrenzenden Waldbereichen findet in nennenswertem Umfang nicht statt.“

Schulz reichen die Erklärungen nicht aus. Er hat gegen die Verantwortlichen Strafanzeige gestellt. Die Staatsanwaltschaft Fulda bestätigt, dass sie Vorermittlungen aufgenommen hat.

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