Justitia
+
Im Prozess um den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch eines Kindes durch seine Mutter hat jetzt seine Wohngruppenleiterin ausgesagt. (Symbolbild)

Mutter vor Gericht

„Ich hatte öfter ein ungutes Gefühl“ - Erzieherin sagt im Prozess um mutmaßlichen Missbrauch aus

  • Norman Zellmer
    VonNorman Zellmer
    schließen

Der Prozess um den mutmaßlichen mehrfachen sexuellen Missbrauch eines Kindes durch seine Mutter ist am Fuldaer Landgericht fortgesetzt worden. Erneut wurden das Opfer befragt und zwei Zeugen gehört.

Petersberg/Fulda - Der Vorwurf ist kaum zu begreifen: Mehrfach und über mehrere Jahre hinweg soll die Mutter, Jahrgang 1982, ihren Sohn in ihrer Wohnung sexuell missbraucht haben. Die acht Taten, die ihr vorgeworfen werden, sollen sich zwischen Sommer 2014 und Frühjahr 2017 in Petersberg bei Besuchsaufenthalten ereignet haben. Der Junge war damals zwischen 12 und 15 Jahre alt, weswegen vor der Großen Jugendkammer am Landgericht Fulda verhandelt wird.

Nachdem am ersten Prozesstag in der vergangenen Woche Sohn, Mutter und der damalige Lebensgefährte ausgesagt hatten, wurde der mittlerweile 19-jährige Sohn nun erneut befragt – aus Gründen des Opferschutzes wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Er tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Zudem waren eine Polizistin und eine Pädagogin als Zeuginnen geladen.

Fulda: Wohngruppenleiterin sagt im Prozess um mutmaßlichen Missbrauch aus

Der Erzieherin hatte sich der Junge, der wegen des unsteten Lebenswandels und des zeitweisen Drogenkonsums der Mutter in einer betreuten Wohnstätte in einem Kinderdorf in Mittelhessen lebt, im Jahr 2018 anvertraut. Die Frau sagte im Zeugenstand aus, dass ihr bei der Kontrolle der Internetnutzung ihrer Wohngruppe aufgefallen sei, dass der Junge wiederholt heimlich im Internet gesurft habe.

Sie habe mit ihm wegen der vielen geschauten P*rno-Filme sprechen wollen. Nachdem er zunächst alles abgestritten habe, habe er tags darauf von einem mehrfachen Missbrauch durch die Mutter gesprochen und sich offenbart. Das Gespräch habe rund drei Stunden gedauert. Danach seien sie zur Polizei gegangen.

Zudem äußerte die Pädagogin, dass der eher introvertierte und – wie sie es nannte – „kognitiv eingeschränkte“ Junge zu Beginn der Pubertät ein sehr offenes Verhältnis zur eigenen Sexualität entwickelt, Gespräche im Alltag auffallend stark sexualisiert und sich zeitweise aggressiv gegenüber anderen Kindern gezeigt habe. Zudem habe er sich vor anderen Kindern früh so gegeben, als sei er sexuell sehr erfahren. „Mir war das ein Rätsel, wo er das herhat“, sagte die Wohngruppenleiterin, die auch davon berichtete, dass der Junge erzählt habe, vieles von den Eltern „mitbekommen zu haben“.

Weitere Zeugenaussagen: „Ich hatte öfter ein ungutes Gefühl“

Es war unter anderem die Rede von „Partys“ der Eltern und anderen Erwachsenen. Als der Junge 14 oder 15 gewesen sei, habe ihm der neue Freund der Mutter einmal mehrere Dutzend Kondome als Geschenk überreicht, berichtete sie. „Das ist doch ungewöhnlich in dem Alter“, sagte die Erzieherin, die den Jungen seit elf Jahren kennt. Zudem habe die Mutter – sie hat insgesamt fünf Kinder und ist Altenpflegehelferin – ihrem ältesten Sohn zeitweise auffallend enge Kleidung gekauft, sich selbst wie eine Jugendliche verhalten und für ihren Sohn geschwärmt.

Sie habe zeitweise den Eindruck gehabt, dass es kein normales Mutter-Sohn-Verhältnis sei. „Ich habe öfter ein ungutes Gefühl gehabt.“ Die Erzieherin sagte aber auch, dass sich der Junge auf die Besuche bei seiner Mutter stets gefreut habe. Hinterher auf das jeweilige Wochenende bei der Mutter angesprochen, habe er immer nur geantwortet: „sehr spannend.“

Die außerdem geladene Polizeioberkommissarin sagte im Zeugenstand aus, dass der Junge in seiner Vernehmung 2018 angegeben habe, dass es „um die zehn“ sexuelle Übergriffe durch die Mutter gegeben habe. Sie hätten sich bei Besuchen in Petersberg zugetragen. Die Frau soll ihren Sohn unter anderem dabei gestreichelt, ihn entkleidet und auf einem Bett den Beischlaf vollzogen haben. Am Mittwoch soll der Prozess am Landgericht mit der Befragung einer weiteren Zeugin fortgesetzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren