Eine Mücke
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Nach mückenarmen Jahren scheint es 2021 wieder mehr Stechmücken zu geben (Symbolbild).

Verschiedene Mückenarten

Lokale Invasion? Nach mückenarmen Jahren scheint es 2021 viele Plagegeister zu geben

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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„Falls du glaubst, du seist zu klein, um etwas zu bewirken, versuche einmal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist“, sagte der Dalai Lama. Ein weiser Mann: Denn an Schlaf ist nicht zu denken, wenn es ums Ohr herum summt und der juckende Stich wenig später gewiss ist.

Fulda - Selbst wenn es nicht die eine kleine Mücke im Schlafzimmer ist, die den Halbschlummernden gleichermaßen Schlaf und Verstand raubt – ein Abend auf der Terrasse reicht aus und schon bleibt ein juckendes Andenken: der Stich einer Mücke.

Wenn man an den Sommer denkt, vergisst man schnell die Mückenstiche. Und dann wird wieder gekratzt, obwohl das so ziemlich das Schlimmste ist, was man im Fall eines Mückenstichs machen sollte. Denn durch das Kratzen kann Schmutz in die Wunde gelangen, die sich dadurch entzündet. Ein dicker, quaddeliger Stich ist in den meisten Fällen nicht auf eine allergische Reaktion, sondern auf eine bakterielle Entzündung zurückzuführen.

Fulda: Expertin klärt über verschiedene Stechmücken-Arten auf

Die meisten werden schon genervt gewesen sein von einem juckenden Mückenstich. Was jedoch die wenigsten wissen: Es gibt in etwa 52 Stechmückenarten, aber auch 52 Arten der Kriebelmücke, die in Deutschland vorkommen. Letztere stechen nicht, um dann sauber wie eine Spritze das Blut aufzusaugen, sondern beißen eine Wunde in die Haut und trinken dann von dem Bluttropfen, der sich an der Wunde bildet.

Deshalb wird das Risiko einer Entzündung deutlich größer. „Die Kriebelmücken gibt es schon immer flächendeckend in Deutschland. Sie wohnen in Fließgewässern und damit auch in der Fulda“, erklärt Dr. Doreen Werner, Biologin aus Müncheberg und Initiatorin des Mückenatlas, der Vorkommen verschiedener Mückenarten festhält. (Lesen Sie auch: Fuldaer Biologe Graeser klärt über Stechmücken auf - Das hilft wirklich)

Die Mückenexpertin legt dar, dass das Vorkommen verschiedener Mückenarten lokal sehr stark variieren kann, obwohl wohl die allermeisten Arten, die es in ganz Deutschland gibt, auch in Fulda aufzufinden sind. „Die Niederschläge hängen damit stark zusammen“, sagt Werner. Dort, wo es eine bestimmte Menge regnet, entstünden geeignete Brutstätten für verschiedene Stechmückenarten.

Abgestandenes Wasser in Blumentöpfen oder Gießkannen, Regenrinnen oder Tiertränken, aber auch Wasseransammlungen auf Abdeckplanen oder Schwimmbecken können nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) eine ausgezeichnete Kinderstube für Mückenlarven sein. So beschreibt es auch Dr. Aljoscha Kreß vom HLNUG: „Aus einer kleinen temporären Wasserstelle schlüpfen auf einmal bis zu 10.000 Mücken. Da kommt es einem schnell so vor, als gäbe es in diesem Jahr besonders viele Mücken.“ Doch die persönliche Erfahrung sei kein Indikator. Weil es schwierig ist, die verschiedenen Mückenarten zu kartieren und noch schwieriger, diese zu zählen, könne das HLNUG nicht viel zur aktuellen Mückenzahl sagen, erklärt Kreß.

Video: Darum stechen Mücken manche Menschen nicht

Allerdings habe das Wetter starken Einfluss auf die Mückenpopulation: „Die vergangenen drei Jahre waren durch die trockenen Sommer relativ mückenarm – ein normales Mückenjahr kommt einem danach schlimmer vor“, erklärt Kreß. Außerdem komme es immer darauf an, ob man sich in der Nähe einer Brutstätte, wie einer Regentonne oder einer Pfütze oder auch in den Fuldaauen, aufhalte. Viel Starkregen allerdings spüle die Larven aus den Wasseransammlungen, so dass sie den natürlichen Fressfeinden zum Opfer fielen.

Übrigens, so erläutert es Mückenexpertin Werner, sind es nur die weiblichen Mücken, die das Blut brauchen. Obwohl sie sich von Pflanzensäften und -nektar ernähren, benötigen sie zur Eibildung die Proteine aus dem Blut. Dann gibt es kein Halten mehr: Ein Weibchen kann bis zu 300 Eier legen und das bis zu achtmal in einer Saison. „Das ist gesteigertes exponentielles Wachstum“, beschreibt Werner. Ab Oktober sei der Mückenfluch wieder vorbei.

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