Franz Bittner (Mitte) war 1991 Jubelprinz Franz von Buchmoor L.
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Franz Bittner (Mitte) war 1991 Jubelprinz Franz von Buchmoor L.

Keine Straßenfeste

Fastnacht in Fulda: Auch vor 30 Jahren fand kein Rosenmontagsumzug statt - Warum die Narren Trauer trugen

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Vor 30 Jahren, am 11. Februar 1991, fiel der Rosenmontag schon einmal größtenteils aus. Damals tobte im Nahen Osten der Golfkrieg. Feiern gehörte sich nicht. Und so war die Stadt Fulda wie leergefegt. Der Rosenmontagsumzug: abgesagt. Nur in den Sälen fanden einige Karnevalsveranstaltungen statt.

Fulda - Fastnacht oder keine Fastnacht? Ist es taktlos, Frohsinn zu verbreiten, während gleichzeitig Menschen in einem Krieg sterben? Oder ist es die Aufgabe eines jeden Karnevalisten, dem Menschen auch in schlimmen Zeiten eine Ablenkung anzubieten? (Lesen Sie hier: Ein närrischer Beitrag von Fuldas Starkarnevalist Günther Elm)

„Es war keine leichte Zeit, der Krieg verbreitete eine gewisse Angst in der Region“, erinnert sich Ludwig Angeli, der 1991 im Ältestenrat der Fuldaer Karneval-Gesellschaft (FKG) saß. Nach Gesprächen mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger (CDU) wurde schließlich folgender Kompromiss gefasst. „Alle Straßenfeste werden abgesagt, Saalfeste finden statt“, erklärt der heute 80-jährige Angeli. Also: Keine Umzüge, kein Biwak, keine Erstürmungen.

Fastnacht in Fulda: Vor 30 Jahren trugen die Narren Trauer

„Es war eine gute Lösung und ein Kompromiss für die FKG, den jeder Karnevalist mitgetragen hat“, blickt Angeli auf den 28. Januar 1991 zurück – den Tag, an dem die Entscheidung getroffen wurde. Fastnacht, der Inbegriff von Frohsinn und Leichtsinn, durfte bei dieser Weltlage einfach nicht sein – wenigstens nicht im öffentlichen Raum. Allein schon aus Solidarität zu den Amerikanern, die bis 1993 in der Region stationiert waren. Mancher US-Soldat aus Fulda war in die Kampfhandlungen am Golf einbezogen, während die Bundesregierung die Verbündeten bei der Befreiung Kuwaits damals nur finanziell unterstützte.

Angeli erinnert sich noch gut an die damalige Situation: „Natürlich spielte die Solidarität zu den Amerikanern eine sehr große Rolle“, sagt der Karnevalist, der 1970 als „Ludwig XXIX. der Rosenkavalier“ Prinz von Fulda war. In den Jahrzehnten seien enge Beziehungen zu den Soldaten entstanden. Zudem beteiligten sie sich jedes Jahr selbst aktiv an der Fastnacht. „Wenn ich heute mit Amerikanern spreche, die in Fulda stationiert waren, kommt immer die Fastnacht zur Sprache“, erläutert die ehemalige Verbindungsoffizierin Renate Stieber. Auf Fremdensitzungen gab es sogar die Traditionsfigur „Ami in der Bütt“. Eine auf Fuldaer Platt in Lautschrift vorgefertigte Rede wurde jährlich von einem General vorgetragen. 

Video: Närrischer Beitrag von Fuldaer Günther Elm

Doch 1991 war den Amerikanern nicht zum Feiern zumute. „Sie mussten immer damit rechnen, dass sie für den Golfkrieg eingezogen werden“, so Stieber. Und tatsächlich traf es dann auch einige. „Daher war die Absage nur logisch. Wir können doch nicht feiern, während unsere amerikanischen Freunde im Krieg sind oder bald sein werden“, ergänzt Angeli

Entsprechend war die Stimmung bei den stattfindenden Fremdensitzungen: Das Programm konnte nicht völlig vorbei am Weltgeschehen abgespult werden. So kam etwa Jubelprinz „Franz von Buchmoor L.“ (Franz Bittner) bei den Sitzungen schnell auf den Krieg am Golf und die erzwungene Fatalität des Frohsinns zu sprechen: „Weiß man, wie lange noch der Globus sich dreht, ist es morgen nicht schon zu spät?“, hieß es in einem seiner Lieder. Den Gästen berichtete der Prinz damals vom persönlichen Zwiespalt, in dieser Situation närrischer Regent zu sein. Aber auch das Prinzip Hoffnung spielte in der Bütt eine wichtige Rolle, wie Büttenrednerin Marianne Link verdeutlichte: „Wenn morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch ein Bäumchen pflanzen.“

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