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Auf Knien im 250 Grad heißen Labyrinth - 120 Feuerwehrleute absolvieren Realbrandausbildung

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Von: Marcus Lotz

Vier Personen wurden dem Szenario nach bei der Feuerwehr-Übung vermisst.
Vier Personen wurden dem Szenario nach bei der Feuerwehr-Übung vermisst. © Marcus Lotz

Mit Atemschutzgeräten in einem brennenden Container bei bis zu 250 Grad: 120 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus sechs Kommunen im Landkreis Fulda haben eine Realbrandausbildung absolviert. 

Hosenfeld - Von außen lässt sich nur erahnen, wie heiß es in dem Container sein muss, den die Feuerwehr für das Übungswochenende neben dem Fußballplatz in Hosenfeld-Blankenau (Landkreis Fulda) aufgestellt hat. Jedes Mal, wenn ein Trupp den Container betritt oder verlässt, dringen dichte Rauchschwaden nach außen.

Die Türen, die von der Innenseite völlig verkohlt sind, zeugen von den enormen Temperaturen, denen die Feuerwehrleute aus Bad Salzschlirf, Großenlüder, Flieden, Hosenfeld, Kalbach und Neuhof ausgesetzt sind (lesen Sie auch hier: Menschenrettung könnte schwierig werden - Feuerwehr derzeit ohne Atemschutzgeräteträger).

Fulda: Auf Knien im heißen Labyrinth - 120 Feuerwehrleute machen Realbrandausbildung

Bis zu 250 Grad müssen die Feuerwehrleute im Innern aushalten. Damit soll beispielsweise ein Zimmer- oder Wohnungsbrand auf einer Fläche von 50 Quadratmetern bei einer Raumhöhe von 2,50 Metern simuliert werden. Für die Feuerwehr eine schwierige Einsatzsituation.

„Das da drin ist ein extrem heißes Labyrinth, in dem man so gut wie nichts sieht. Die Leute müssen meist kriechen und sich an den Händen halten, um sich nicht zu verlieren“, beschreibt Jürgen Reinhardt, Gemeindebrandinspektor aus Großenlüder, das Szenario. In diesem wird angenommen wird, dass vier Personen bei einem Wohnungsbrand vermisst werden.

Fast die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer macht das zum ersten Mal. „Für viele Einsatzkräfte ist dieses Szenario totales Neuland. Für viele ist es spannend, die eigenen Grenzen kennenzulernen und auszutesten“, erläutert Kreisbrandinspektor Adrian Vogler.

Zu Beginn werden die Einsatzkräfte durch das Personal der Firma Feuercon eingewiesen, die den Realbrandcontainer zur Verfügung gestellt hat. Bei der Einweisung wird auf den jeweiligen Ausbildungsstand der einzelnen Teilnehmenden eingegangen, um die anschließende etwa 20-minütige Übung entsprechend der individuellen Bedürfnisse zu gestalten.

Alle Trupps, immer bestehend aus zwei Personen, werden während der Übung von einem Ausbilder begleitet, um die Übung im Notfall abbrechen zu können und den Brandcontainer sofort zu verlassen. „Mit so einem Notfall müssen wir immer rechnen“, erzählt Reinhardt.

Übung kostet 19.000 Euro - jede Menge Tricks und Kniffe für nächsten Einsatz

2009 hat die laut Reinhardt 19.000 Euro teure Übung das letzte Mal stattgefunden. Er erinnert sich noch an diverse Ausfälle unter den Kameradinnen und Kameraden. „Man kommt schnell an seine Belastungsgrenze. Deshalb ist das oberste Gebot die Sicherheit. Die, die zusammen rein gehen, kommen auch zusammen wieder raus.“

So auch an diesem Tag. Wenn die Trupps den verrauchten Container verlassen und sich die Einsatzkräfte auf den Boden setzen, um Luft zu schnappen, ist ihnen die Erschöpfung deutlich anzusehen. „Jeder Trupp konnte in einer individuellen Einsatznachbesprechung seine Erfahrungen schildern, wurde auf eventuell verbesserungswürdiges Vorgehen hingewiesen und bekam jede Menge Tricks und Kniffe für den nächsten Einsatz an die Hand“, erklärt Kreisbrandmeister Andreas Waldmann.

Er war auch der Initiator dieser Realbrandausbildung war. Neben der Gewöhnung an die enormen Wärmeverhältnisse in Brandräumen ist laut einer Pressemitteilung des Kreises der richtige Einsatz des Löschmittels Wasser sowie die Handhabung der Einsatzmittel – in diesem Fall das Hohlstrahlrohr – ein wichtiger Ausbildungsinhalt für die Teilnehmenden.

„Die Konsequenzen des falschen Löschmitteleinsatzes bekommen die Übungsteilnehmenden unmittelbar zu spüren“, so Waldmann. „Der durch die enorme Hitzeeinwirkung entstehende Wasserdampf bringt auch irgendwann unsere Schutzkleidung an ihre Grenzen.“ (lesen Sie auch hier: Brandserie in Fulda: Verdächtige offenbar auch für Raub verantwortlich - Blut an Feuerlöscher gefunden).

Video: Leerer Trampolinpark - Feuerwehr Fürth übt Höhenrettung

„Eine weitere Herausforderung war der gefährliche Flüssigkeitsverlust, welchen die eingesetzten Kräfte durch die große Hitze unweigerlich erleiden. Diese extreme körperliche Belastung ist ein wichtiger Erfahrungswert für die Feuerwehrfrauen und -männer.“ Seine körperlichen Grenzen zu kennen könne im Ernstfall unter Umständen überlebenswichtig sein.

Am Ende, so sind sich die Führungskräfte sicher, haben alle etwas gelernt. Reinhardt berichtet aus eigener Erfahrung: „Das, was du da lernst, brennt sich im wahrsten Sinne des Wortes in dein Hirn ein. “Organisiert wurde die Fortbildung von Kreisbrandmeister Andreas Waldmann. Er hatte auch die Gesamtleitung der Übung. Unterstützt wurde er von den Gemeindebrandinspektoren der Gemeinde Hosenfeld, Elmar Weinbörner und Matthias Erb.

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