Zwei Feuerwehrleute löschen einen Brand in Großenlüder
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Die Feuerwehr muss auch in Corona-Zeiten zu Bränden ausrücken – hier ein Einsatz bei einem Scheunenbrand Anfang April in Großenlüder.

Herausforderungen durch Corona

Feuerwehren im Landkreis Fulda: Mit Mund-Nasen-Schutz im Einsatz

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Mit Mund-Nasen-Bedeckung und Abstandsregelungen ausrücken zum Brändelöschen? Feuerwehren sehen sich in Corona-Zeiten ganz neuen Herausforderungen gegenüber. Da ist Einfallsreichtum gefragt.

  • Das neuartige Coronavirus stellt die Feuerwehren des Landkreises Fulda vor Herausforderungen.
  • Bei den Einsätzen können nur schwer Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Zudem muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.
  • Lehrgänge finden aktuell online statt, sollen auf Kreisebene aber ab August wieder möglich sein.

Fulda - Für die Feuerwehren im Landkreis Fulda sei die Coronakrise eine nie dagewesene Herausforderung, erklärt Jason Freeman, Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbands des Landkreises Fulda: Der Ausbildungs- und Übungsdienst ist eingestellt, Feuerwehrhäuser dürfen nur im Einsatzfall betreten werden.

„Notwendige Arbeiten im Feuerwehrhaus oder an den Fahrzeugen dürfen nur unter Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln von einem kleinen Kreis ausgewählter Personen durchgeführt werden“, betont Freeman und fügt an: „Das höchste Gut ist die Einsatzbereitschaft jeder Feuerwehr – und die muss unter Beachtung eines Bündels von Maßnahmen unbedingt erhalten bleiben.“

Dies wurde erneut am vergangenen Wochenende bei einem Großbrand in Hattenhof deutlich. Nachdem am Samstag dort bei einem Großfeuer mitten im Ort eine Scheune in einem Dreiseitenhof komplett abgebrannt ist und dabei ein hoher Sachschaden entstanden ist, teilte die Polizei am Montagmittag mit, dass sie eine vorsätzliche Inbrandsetzung nicht ausschließt

Bei der Freiwilligen Feuerwehr Rothemann beispielsweise sind die Besatzungen für die Fahrzeuge begrenzt. „Weitere Einsatzkräfte bleiben vorerst in Bereitschaft im Feuerwehrhaus und werden gegebenenfalls nachgeholt“, sagt Markus Göbel, Mitglied im Fachbereich Medienarbeit.

„Im Alarmfall stehen selbstgenähte Schutzmasken sowie durch die Gemeinde beschaffte medizinische Schutzmasken für den Einsatz an einem Patienten zur Verfügung. Die Einsatzbereitschaft ist jederzeit in vollem Umfang sichergestellt.“ Um die Wartung, Reparatur und Prüfung von Geräten und Fahrzeugen kümmern sich maximal zwei Personen gemeinsam, berichtet Göbel.

Mit Mund-Nasen-Schutz zum Einsatz

Auch in Hünfeld stellt die Pandemie die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen, wie aus einer Mitteilung hervorgeht: „Alle Einsatzkräfte tragen vom Beginn bis zum Ende des Einsatzes die zur Verfügung gestellten Mund-Nasen-Schutz-Masken“, erklärt Hünfelds Stadtbrandinspektor Thorsten Rübsam. Bereits bei der Ankunft am Feuerwehrhaus sei die Maske zu tragen, genauso wie bei der Fahrt zum Einsatzort. Der Grund: „In den Fahrzeugen können wir keine anderthalb Meter Abstand halten“, sagt Rübsam.

Eine Überlegung sei es gewesen, die Anzahl der Einsatzkräfte in den Fahrzeugen zu beschränken. „Aber das hat sich als nicht praktikabel erwiesen“, betont der Stadtbrandinspektor. Ähnlich sieht es bei der Einteilung von Gruppen für die Einsätze aus – in Tag- und Nachtdienste etwa. „Da es bei uns nur freiwillige Feuerwehren gibt, funktioniert das nicht“, erklärt er.

Wegen Corona bleibt das Beisammensein auf der Strecke

Beim Einsatz selbst wird, so weit es möglich ist, Abstand zwischen den Einsatzkräften gehalten. „Bislang gab es noch keinen Corona-Fall in der Hünfelder Feuerwehr“, sagt Rübsam. Aktuell frage die Leitstelle bereits beim Notruf ab, ob es an der Einsatzstelle Corona-Infizierte geben könnte. „Dann gibt es weitere Schutzausrüstung für die Feuerwehrkameraden“, sagt der Stadtbrandinspektor. Dazu zählen spezielle Masken, Schutzbrillen, Einweghandschuhe und Schürzen.

Das kameradschaftliche Beisammensein nach dem Einsatz muss derzeit ausfallen. Stattdessen steht die Reinigung von angefassten Gegenständen wie Lenkrad, Schaltknüppel, Türgriffen, Oberflächen, Funkgeräten und Beleuchtungen auf dem Programm. Auch die benutzten Räume im Feuerwehrhaus wie die Umkleide müssen gereinigt werden. „Wir müssen darauf achten, dass keine Infektionskette in der Feuerwehr dazu führen kann, dass es zum Ausfall einer kompletten Einsatzabteilung kommt“, betont Rübsam.

Kehren die Kreislehrgänge im August zurück?

Bei allen Einschränkungen kann immerhin die Ausbildung auf Standortebene wieder beginnen, wie Kreisfeuerwehrverband-Geschäftsführer Freeman sagt – mit maximal einer Staffel, also sechs Personen. Das gehe aus einer Empfehlung des Landkreises hervor. Natürlich sei auch dabei die Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen notwendig, wie zum Beispiel Abstandsregelungen und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

„Mit dieser Empfehlung wurde bewusst ein schrittweiser Einstieg in die Wiederaufnahme der Ausbildung unserer Feuerwehren gewählt, sodass sichergestellt ist, dass keine Infektionskette dazu führen kann, die Einsatzbereitschaft einer Feuerwehr zu gefährden“, sagt er. Die Weiterführung der Ausbildung auf Kreisebene (Kreislehrgänge) sei ab dem 14. August 2020 grundsätzlich wieder möglich. Nach aktuellem Sachstand könne man aber keine Auskunft geben, in welchem Rahmen und unter welchen Vorgaben diese stattfinden.

Ausbildung der Feuerwehr: Keine Übungsabende bis nach den Sommerferien

„Als Alternative zum herkömmlichen Übungs- und Ausbildungsdienst führen zahlreiche Freiwillige Feuerwehren eigenständig digitale Ausbildungseinheiten durch“, erklärt Freeman. Zwar könne man dabei nicht alles abbilden, jedoch eignen sie sich gut für theoretische Themen und Unterweisungen.

Die Rothemanner Kameraden organisieren Schulungen per Videokonferenz über ein OnlinePortal.

Digitale Medien für Aus-, Fort- und Weiterbildungen sowie für „Online-Treffen“ zu nutzen, regt auch Hünfelds Stadtbrandinspektor an. Denn: Bis nach den Sommerferien finden vorerst keine Übungsabende und Treffen der Feuerwehr statt, die nicht aufschiebbar sind. Darauf hatten sich im Mai die Leiter der Feuerwehren aus dem Bezirk IV verständigt, zu denen Hünfeld, Burghaun, Eiterfeld, Nüsttal und Rasdorf zählen.

Online-Portale auch für theoretische Schulungen immer wichtiger

Die Rothemanner Kameraden bieten an den Terminen der regelmäßigen Ausbildungsveranstaltungen theoretische Schulungen über ein Onlineportal an: „Jeder kann sich von zu Hause über das Smartphone oder den Laptop anmelden und der moderierten Präsentation folgen. Am Ende erfolgt dann immer noch ein gemeinsamer Austausch von wichtigen Informationen und die Wehrführung beantwortet allgemeine Fragen“, teilt Markus Göbel mit.

Darüber hinaus hatten sich die Rothemanner im Mai noch etwas Besonderes einfallen lassen, um sich fit zu halten: einen gemeinsamen Lauf. „Nach dem Motto ,Alleine Laufen für ein gemeinsames Ziel‘ waren einige Einsatzkräfte regelmäßig joggen“, sagt Göbel. Um die Motivation zu steigern, sei ein Ziel von 1000 Kilometern im Monat Mai angesetzt worden. Jeder konnte seine Aktivität für sich über eine App aufzeichnen und der Gesamtanzahl der gelaufenen Kilometer hinzufügen.

Lauf-Challenge hält die Gemeinschaft zusammen

Mit Erfolg: „Nach 31 Tagen können wir auf 1108 gelaufene Kilometer zurückblicken“, berichtet Rothemanns Wehrführer Raphael Baumann. Die Aktion zeige, dass auch ohne reguläre Treffen, wie zum Ausbildungsdienst, die Kameradschaft in der Feuerwehr wichtig ist. Diese Gemeinschaft übertrage sich auch in Einsatzsituationen.

Für den Juni steht keine weitere Challenge mehr an, wie Baumann sagt. Man wolle sich jetzt wieder mehr auf einen den Umständen entsprechenden Ausbildungsdienst konzentrieren: „Um die Einsatzbereitschaft jederzeit sicherzustellen, wurde ein dafür angepasster Dienstplan mit mehreren Ausbildungsgruppen erstellt.“

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