Im Naturschutzgebiet Seiferts wachsen Stieleichen heran. Bis sie geerntet werden können, werden mehr als 200 Jahre vergehen, erklärt Revierförster Stefan Bernhardt.
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Im Naturschutzgebiet Seiferts wachsen Stieleichen heran. Bis sie geerntet werden können, werden mehr als 200 Jahre vergehen, erklärt Revierförster Stefan Bernhardt.

Forstamt Fulda

Eichen robuster als Fichten - Förster berichten über ihre Arbeit in Zeiten des Klimawandels

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Auch wenn die Wälder im Einzugsbereich des Forstamts Fulda weniger von Stürmen und Borkenkäfern betroffen waren als andere Reviere, müssen sich die Förster Gedanken um die Aufforstung machen: Wie gelingt diese in Zeiten des Klimawandels ökologisch und ökonomisch sinnvoll?

Fulda - Was für das Laienauge wie eine Wildwuchsfläche wirkt, das ist tatsächlich gut durchdacht. Auf etwa einem Hektar im von Feuchtwiesen geprägten Naturschutzgebiet Seiferts – zwischen Oberkalbach, Heubach und Uttrichshausen – sind noch niedrige Pflänzchen zu erkennen, Blumen blühen. Ein bisschen scheint es, als wucherten Farne, Brennnesseln und ähnliches durcheinander. Im Wesentlichen aber sind es tatsächlich Stieleichen, die hier heranwachsen: 2600 noch kleine Bäumchen, gesetzt in Abständen von einem halben Meter in Reihen, die wiederum 2,5 Meter auseinander liegen. Dazwischen sind noch einmal 600 Buchen gepflanzt, hinzu kommen unter anderem Eberesche und Birke.

„Durch die Bodenbeschaffenheit hat sich die Fichte hier nicht durchgesetzt, weil sie nicht tief wurzeln kann und dann nur flache Wurzeln ausbildet. Auf dem feuchten Untergrund macht sie das anfällig für den Windwurf. Dann kommt noch der Borkenkäfer dazu“, erklärt Revierförster Stefan Bernhardt aus Heubach. Und der Leiter des Forstamts Fulda, David Nöllenheidt, ergänzt: „Die Wurzeln der Stieleiche, die auch als Eiche der Auenwälder bezeichnet wird, haben mehr Kraft und dringen tiefer in den Boden vor.“ So hoffen die beiden, dass hier einmal wieder ein lebendiges Stück Wald entsteht.

Fulda: Förster geben Einblicke in ihre Arbeit in Zeiten des Klimawandels

Insgesamt seien die Wälder im Bereich des Fuldaer Forstamts relativ gesund – vor allem im Vergleich zu den nordhessischen Regionen. Und auch im Vergleich zu dem Gebiet des Forstamts Hofbieber in der Rhön (wir berichteten, dass ein Drittel der Bäume dort geschädigt sind). Von den Windwurf- und Borkenkäferkalamitäten seien die Wälder im Fuldaer Gebiet weitgehend verschont geblieben.

Schäden durch Windwurf hat es aber gegeben: im Bereich des Gieseler Forstes, auf der Mottener Haube und im Westen, bei Großenlüder. Aber auch hier bei Weitem nicht so stark wie sie Nöllenheidts Kollegen andernorts in den hessischen Forstämtern beklagen – etwa im Vogelsberg oder von Bad Hersfeld aus aufwärts. In Giesel habe der Wald zudem schon vor Kyrill eine stabile Struktur aufgewiesen. „Mit Fichte, Kiefer und Eberesche waren wir auf dem dortigen Boden schon vor Kyrill breiter aufgestellt als hier“, so der Forstamtsleiter.

Eichen robuster als Fichten - Förster im Kreis Fulda machen sich Gedanken um Aufforstung

Durch das feuchte Frühjahr seien die Pflanzen, die in Büdingen angezogen und dann über die Hessische Baumschule in Wolfgang nach Heubach gekommen sind, gut aufgegangen. Robuste Strukturen, so sagen Bernhardt, Nöllenheidt und Referendar Caspar von Alvensleben, wolle man auf der Fläche künftig schaffen. „Wir wollen weg von der Fichte und hin zu Bäumen, von denen wir glauben, dass sie dem Klimawandel angepasster sind“, erläutert der Heubacher Revierförster. Die Eiche sehen die drei dazu ebenso als geeignet an – sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Zum einen sei die CO2-Bindung über einen langen Zeitraum sehr hoch – egal, ob während des Wachsens im Wald oder später als verbautes Holz. Die Beliebtheit als Bauholz macht sie zudem wirtschaftlich und ertragreich. Andernorts, beispielsweise auf dem nährstoffreichen Boden am Sparhof, eigneten sich Bergahorn oder Kirsche besser.

Bis aber die Bäume im Naturschutzgebiet Seiferts hiebreif sind und geerntet werden können, werden mehr als 200 Jahre vergehen. 80 bis 90 Bäume werden dann noch auf dem Hektar stehen, in Abständen von 10 bis 13 Metern, erklärt Bernhardt. Dass deren Zahl sich so dezimiert, liege einerseits daran, dass schwächere Pflänzchen durchaus entnommen würden, andererseits aber auch daran, dass sich die stärkeren ohnehin durchsetzten. „Deshalb müssen wir auch so dicht pflanzen. Das hat zudem den Vorteil, dass sich die Pflanzen mit ihren Kronen auch gegenseitig vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen“, sagt von Alvensleben. (Lesen Sie hier: Fulda pflanzt Bäume, die an Klimawandel angepasst sind: Projekt Klimabaumpfad auf der Landesgartenschau)

Video: Das können Sie für den Schutz der Wälder tun

Der besondere Schutz der Pflanzen ist ein Thema für sich und aktuell noch aufwendig. „Wir haben hier oben viele Rehe, und für die ist die Eiche ein Leckerbissen – wie Schokolade. Zwei bis drei Tiere würden reichen, um diese Fläche komplett zu verbeißen“, sagt Bernhardt. Rund 400 Meter Gatter sind deshalb auch um die Fläche gezogen – in Giesel aus eigenen Materialien, nämlich Lerchenholz, hergestellt und an zwei Tagen mit Traktoren zum Aufstellen nach Heubach gefahren. Immerhin zehn Euro kostet der laufende Meter Gatterzaun, kalkuliert Nöllenheidt. Er hofft, dass er und seine Kollegen irgendwann ohne die Zäune auskommen – wie schon jetzt bei den Weißtannen, die im Bereich Dorfborn gesetzt wurden. Der Verbiss, den die Rehe sonst anrichten würden, rechtfertige neben der intensiven Pflege jedoch auch diesen Aufwand.

Gerade hier kommt der enge Zusammenhang zwischen Hege und gezielter Bejagung von Waldgebieten zum tragen. „Tatsächlich merkt das Wild, wo vermehrt gejagt wird, und hält sich dann von solchen Gebieten fern“, erklären Bernhardt, Nöllenheidt und von Alvensleben. Ziel sei es, dass auch in Heubach eine gezielte Bejagung den Gatterschutz einmal überflüssig mache.

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