Archivfotos geben Einblick in den 150.000 Bände umfassenden Bestand der Frauenberg-Bibliothek. Hier zu sehen ist Bibliothekar Pater Guntram Stangier.
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Archivfotos geben Einblick in den 150.000 Bände umfassenden Bestand der Frauenberg-Bibliothek. Hier zu sehen ist Bibliothekar Pater Guntram Stangier.

Stellungnahmen aus Fulda

„Armutszeugnis“, „Provinzposse“, „Trauerspiel“: Politiker zum Verkauf der Franziskaner-Bibliothek

Der Artikel unserer Zeitung über den Verkauf der Franziskaner-Bibliothek vom Fuldaer Frauenberg hat eine Reihe von Stellungnahmen ausgelöst – auch im politischen Raum.

Fulda - „Als die Räume 2016 antonius zugesprochen wurden, hat denn da niemand gefragt, was mit der Bibliothek geschieht? Und für was wurden die Räume so dringend benötigt, dass nicht Zeit war, eine Fuldaer Lösung abzuwarten?“, fragen die Stadtverbandsvorsitzende der FDP, Sibylle Herbert, und ihr Stellvertreter, Dr. Sebastian Koch, in einer Stellungnahme zum Verkauf der Franziskaner-Bibliothek in Fulda.

Vor allem den Geschichtsinteressierten in der Stadt drängten sich viele Fragen auf, die jetzt umgehend beantwortet werden müssten. So wisse man sehr gerne, warum der Vorschlag von Dr. Sorbello Staub, die Einrichtung am Frauenberg zu belassen und für das Netzwerk antonius eine andere Raumlösung zu finden, nicht zum Tragen gekommen sei. „Was wurde unternommen, um Franziskaner, Stadt, Fakultät, Landesbibliothek und antonius für eine Lösung zur Rettung an einen Tisch zu holen?“, fragt die FDP. Angesichts der Tatsache, dass der Vorsitzende der antonius-Stiftung parallel auch Vorsitzender des Geschichtsvereins Fulda sei, stelle sich die Frage, warum es keinen Aufruf an dessen Mitglieder gegeben habe.

Fulda: „Armutszeugnis“ - Politiker zum Verkauf der Franziskaner-Bibliothek

Jedem, dem die traditionsreiche Geschichte Fuldas am Herzen liege, müsse es daher schmerzen, dass eine gesamte Bibliothek nach Jahrhunderten den Frauenberg verlassen habe. Es sei, so die FDP, „ein Armutszeugnis für eine Stadt, die ein ganzes Jahr 1275 Jahre Stadtjubiläum feiert, gleichzeitig aber solch einen Schatz so geringschätzt.“

Von einer „Provinzposse“ schreibt Martin Jahn, Chef der CWE-Fraktion in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung, in einer Pressemitteilung. Die CWE formuliert als Ziel, den vollständigen Bestand der Franziskaner-Bibliothek zu erfassen, sofern dies nicht bereits geschehen sei, und dann zu versuchen, dieses Kulturgut für alle Fuldaer Bürger zu sichern.

CWE-Magistratsmitglied Rainer Kohlstruck fragt nach der Rolle der Stadt. Diese sei noch unklar. Die CWE kündigt an, sie werde den Verkauf in der Stadtverordnetenversammlung thematisieren und dann einen Antrag zur Schadensbegrenzung formulieren.

Von einem „Trauerspiel mit dem nachträglichen Versuch der Selbstreinwaschung der Beteiligten“ spricht Martin Hohmann, der Bundestagsabgeordnete der AfD, angesichts des Verlust der Franziskaner-Bibliothek für Fulda, in einer Pressemitteilung. Die 150.000 Bände „bereicherten“ nun ein Antiquariat, um von dort nach den Marktgesetzen in alle Welt zerstreut zu werden, beklagt Hohmann. „Letztendlich kann man den Verlust der Franziskaner-Bibliothek auch als Symbol betrachten: Die geistigen Schätze der Gelehrsamkeit von Jahrhunderten werden am Ende nur noch als Last empfunden. Als Last, von der man sich kostengünstig trennt“, schreibt der Abgeordnete. (zi)

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