Die Kooperation zwischen antonius und den Franziskanern auf dem Frauenberg braucht Partner.
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Die Kooperation zwischen antonius und den Franziskanern auf dem Frauenberg braucht Partner.

Ein Balanceakt

Sippel reagiert auf Vorwurf an antonius: „Es geht um die Menschen“ - Kooperation am Frauenberg braucht Partner

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Vier Jahre ist es her, dass antonius und die Franziskaner eine Kooperation schlossen, um die Zukunft des Frauenbergs zu sichern. Stimmen, die sagen, am Fuldaer Hausberg habe inzwischen der Kommerz Einzug gehalten, treten beide Partner entschieden entgegen.

Fulda - Rückblick: Vor fünf Jahren traten die Franziskaner an antonius heran und baten um Unterstützung bei der Zukunftssicherung des Klosters Frauenberg in Fulda. Denn in regelmäßigen Abständen stellt der Orden angesichts von sinkenden Mitgliederzahlen und des hohen Altersdurchschnitts seiner Brüder seine Niederlassungen auf den Prüfstand.

„Die Franziskaner hätten den Erhalt dieses Ortes nicht alleine stemmen können“, betont Guardian Bruder Gerhard Busche. Er erinnert an die Sanierung Anfang der 2000er-Jahre: Damals wurden unter anderem die Zellen im Kloster zu Gästezimmern umgebaut und die Kirche saniert. „Ohne diese Maßnahmen hätte niemand eine Kooperation gewagt“, erläutert Bruder Gerhard.

Antonius wagte es. Auch, weil das Netzwerk mit den Franziskanern seit jeher eng verbunden ist – die Brüder übernehmen die Seelsorge für die antonius-Gemeinschaft –, entstand der Gedanke einer Zusammenarbeit. Mit der Unterzeichnung einer Kooperation im Juni 2016 wurde das Realität.

Sippel reagiert auf Vorwürfe an antonius: „Es geht um die Menschen“

„Von Anfang an war uns wichtig, die Balance zu halten zwischen Geistlichkeit und der Gastlichkeit“, betont antonius-Geschäftsführer Rainer Sippel. Auch deshalb ärgert er sich über Stimmen, die antonius vorwerfen, auf dem Frauenberg nur das Geschäft im Blick zu haben: „Auf dem Frauenberg geht es nicht in erster Linie um Wirtschaftlichkeit – sondern um die Menschen. Menschen, die es sonst schwer hätten, einen Job zu finden, gibt der Inklusionsbetrieb eine Chance. Auch wollen wir Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenbringen“, sagt Sippel.

Als Beispiel dafür nennt er die Gottesdienste, zu denen antonius und die Franziskaner an jedem zweiten Dienstag im Monat um 18 Uhr einladen. Er erinnert auch an den Besuch von Michael Perry, Generalminister der Franziskaner, im November 2018 in Fulda. „Perry sagte: ,Wenn die Kirche Zukunft haben will, wird sie Partner brauchen.‘“ Antonius möchte ein solcher Partner sein, betont aber auch, dies nicht allein zu können.

Seit 2017 hilft die St.-Antonius-Stiftung dabei, die Idee der Kooperation mit Leben zu füllen und Spenden für die Verwirklichung verschiedener Ziele zu sammeln – zum Beispiel dem Umbau der ehemaligen Pflegestation der Franziskaner in das heutige Café Flora, bei der Etablierung spiritueller Angebote für junge Menschen und dem Bau eines barrierefreien Zugangs zur Klosterkirche.

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Die Kooperation zwischen antonius und den Franziskanern auf dem Frauenberg braucht Partner

„Doch die Stiftung kann sich hier nicht dauerhaft engagieren und möchte mit der Zeit andere förderungswürdige Projekte von antonius unterstützen“, betont Vorsitzender Gerhard Möller. Sie hat deshalb die Gründung des Vereins Freunde des Frauenbergs“ gefördert, der das Kloster als Wahrzeichen erhalten möchte. Dem Verein geht es nicht nur um das Einwerben von Spenden, sondern von jeglicher Form von Unterstützung, wie beispielsweise ehrenamtlichem Engagement.

Um es auf den Punkt zu bringen: „antonius und die Franziskaner gemeinsam können den Frauenberg nicht nur zu zweit erhalten“, betont Rainer Sippel und ergänzt: „Wir können für das Café und für die Schneiderei, die als Inklusionsbetrieb auf den Frauenberg gezogen ist, zusagen, dass wir diese Projekte dauerhaft fortführen.“ Doch weitere Unterstützung würden sich beide Seiten wünschen. „Wir können keine Versprechungen für den Frauenberg abgeben“, betont Rainer Sippel.

Es ist ein Dilemma: Die Franziskaner müssen entscheiden, wie lange sie im Kloster bleiben – können das aber auch nur „auf Sicht“ tun. Das macht es für antonius wiederum schwer, konkrete Planungen für die Zukunft zu treffen. Bruder Gerhard bringt einen starken weiteren Partner ins Gespräch, der möglicherweise den Beteiligten Sicherheit geben könnte: „Das Bistum Fulda ist Eigentümer des Berges.“

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