Blick in einen Raum der Fuldaer Franziskaner-Bibliothek. Unser Fotograf Rolf Herchen veröffentlichte die Aufnahme im Jahr 2001 in seiner Bilderserie „Ansichten“.
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Blick in einen Raum der Fuldaer Franziskaner-Bibliothek. Unser Fotograf Rolf Herchen veröffentlichte die Aufnahme im Jahr 2001 in seiner Bilderserie „Ansichten“.

Wertvolles Kulturgut

Bibliotheksverkauf: Franziskaner Orden weist Kritik zurück - „Nur 14 Prozent der Bestände waren historische“

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Der Franziskanerorden reagiert mit einer Pressemitteilung auf die Diskussionen, die unser Bericht über den Verkauf der Ordensbibliothek am Frauenberg ausgelöst hat. Der in den Debatten erweckte Eindruck, hier sei wertvolles, mit der Region Fulda verbundenes Kulturgut verschleudert worden, sei falsch.

Fulda/München - In dem von Provinzialminister Pater Cornelius Bohl, dem obersten Franziskaner Deutschlands, unterzeichneten Text heißt es, dies sei eine „verzerrte Darstellung“, der der Orden „sehr deutlich widersprechen muss“.

Die Franziskanerprovinz wendet sich auch gegen die Einschätzung, dass die Bibliothek mit ihren rund 150.000 Bänden „ein in sich geschlossenes Kulturobjekt von herausragender Bedeutung“ sei. Diese Behauptung sei zwar mehrfach wiederholt worden, sei aber dennoch „nicht richtig und zeugt von Unkenntnis der Sachlage“, heißt es in dem Text. „Nur etwa 14 Prozent der gesamten Bibliothek waren historische Bestände“, heißt es da. Der weitaus größte Teil der Bibliothek umfasse theologisch-philosophische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, die in vielen anderen Bibliotheken ebenfalls zu finden oder bereits digitalisiert sei. Zur Bibliothek habe auch eine größere Belletristik-Abteilung „einschließlich einigen Metern von Taschenbuch-Krimis“ gehört.

„Nur 14 Prozent der Bestände waren historische“: Franziskaner Orden weist Kritik zurück

Wertvolle Handschriften und frühe Drucke habe man bereits 2016 als Dauerleihgabe an die Bibliothek des Priesterseminars gegeben. „Die tatsächlich für die Stadt und Region Fulda bedeutsamen Bestände sowie die für unsere franziskanische Geschichte und Spiritualität bedeutenden Werke sind in unserem Besitz geblieben“, schreibt der Orden und fügt hinzu: „Hier muss nichts gerettet werden!“

Die Auflösung der Bibliothek auf dem Frauenberg stehe im Kontext großer Umbrüche in der Ordensgemeinschaft. Man habe innerhalb eines Jahres sieben Niederlassungen aufgelöst. Daher sehe sich der Orden weder personell, finanziell noch von den räumlichen Möglichkeiten in der Lage, alle Bibliotheksstandorte zu erhalten. Bereits 2010, bei der Zusammenlegung der bis dahin vier selbstständigen Ordensprovinzen, habe man entschieden, die Fuldaer Einrichtung nicht aktiv weiterzuführen, sondern auf Dauer nur die wirklich wertvollen Bestände zu sichern. Das habe man, unterstützt vom Bistum Fulda, auch getan.

Theologische Fakultät hat begonnen „wichtige Bestände aufzuspüren, und mit eigenen Mitteln zu sichern“

Auch die Theologische Fakultät Fulda meldet sich mit einer Pressenotiz zu Wort. Ihr Leiter, Professor Dr. Bernd Dennemarck, betont, man begrüße die Initiative der Stadt und von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) in dieser Sache. Auch Bischof Dr. Michael Gerber habe vor einigen Tagen „die Erforschung und Sicherung wertvoller Kulturgüter als trägerschaftsübergreifende Gemeinschaftsaufgabe“ definiert.

Die Theologische Fakultät habe unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Verkaufs der Franziskanerbibliothek begonnen, „wichtige Bestände des Franziskanerklosters Frauenberg aus dem frühen 17. Jahrhundert zur franziskanischen und jesuitischen sowie zur Fuldaer Geschichte aufzuspüren und mit eigenen Mitteln zu sichern.“ Diese gingen, so die Pressemitteilung, auf Schenkungen bedeutender Persönlichkeiten des fuldischen Geisteslebens zurück und könnten dem Gründungsbestand der Bibliothek zugerechnet werden.

Michael Gerber: „Sicherung wertvoller Kulturgüter als trägerschaftsübergreifende Gemeinschaftsaufgabe“

Dennemarck betont, die Fakultät beziehungsweise ihre Bibliothek habe frühzeitig auch Förderanträge bei der Jubiläumsstiftung der Sparkasse Fulda sowie bei der Stiftung Fuldischer Kulturbesitz gestellt, um unter den verkauften Büchern gegebenenfalls noch vorhandene wertvolle Werke rechtzeitig vor der Zerstreuung zu bewahren. Diese Initiative sei auf positives Interesse gestoßen. Auch der Förderkreis der Theologischen Fakultät Fulda wolle weitere Gelder für die nachhaltige Sicherung des Kulturerbes zur Verfügung stellen.

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