Eine Collage mit Pater Cornelius und dem Frauenberg in Fulda.
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Pater Cornelius Bohl spricht sich dafür aus, das Priesteramt in Zukunft für Frauen zu öffnen. Der Frauenberg hat für den Orden weiter eine große Bedeutung. Die Zukunft ist aber ungewiss.

Cornelius Bohl im Gespräch

Deutschlands Chef-Franziskaner fordert: „Priesteramt für Frauen öffnen“

  • VonMarius Scherf
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Vor 800 Jahren siedelten sich 25 Franziskaner erstmals dauerhaft in Deutschland an. Sie wollten unter den Menschen wirken und stehen heute vor einem großem Umbruch – auch in Fulda, wo der Orden seit 1237 ansässig ist. Der oberste Franziskaner in Deutschland, Pater Cornelius Bohl, spricht sich für Reformen in der Kirche aus.

Fulda - „Ich kann mir gut vorstellen und wäre dafür, das Priesteramt in Zukunft auch für Frauen zu öffnen“, sagt Pater Cornelius Bohl im Interview mit der Fuldaer Zeitung. Bohl, gebürtig aus Fulda, erklärt mit Blick auf den heiligen Franziskus: „Kirche muss sich immer reformieren.“

Seit 800 Jahren gibt es Franziskaner in Deutschland. In Fulda ist der Orden seit 1237 ansässig. „Der Frauenberg hat an sich eine große geschichtliche Bedeutung“, betont Pater Cornelius Bohl.

Fulda: Deutschlands Chef-Franziskaner will das Priesteramt für Frauen öffnen

Pater Cornelius, Provinzen werden zusammengelegt, die Franziskaner sehen sich mit einem Mitgliederschwund konfrontiert. Wie wichtig ist der Frauenberg für die Franziskaner in Deutschland?
Der Frauenberg hat an sich eine große geschichtliche Bedeutung. Wir Franziskaner sind in Provinzen organisiert. Früher war der Frauenberg der Sitz der Thüringischen Provinz. Von hier sind Brüder in die Mission gegangen, etwa nach Japan. Vor elf Jahren haben sich die vier Franziskanerprovinzen in Deutschland vereinigt. In der großen deutschen Provinz mit 28 Häusern hat der Frauenberg ein wenig an Bedeutung verloren, doch ist er ein markanter, spiritueller Ort, der mitten in Deutschland liegt. Er eignet sich auch ideal für Treffen der Brüder.
Ein Blick in die Zukunft: Wird es in 15 Jahren noch Brüder auf dem Frauenberg geben?
Das weiß ich nicht. Wir sind weiter dabei, Häuser aufzulösen. Unsere Nachwuchssituation ist sehr bescheiden. Wenn es geht, möchten wir sehr gerne auf dem Frauenberg bleiben. Wir haben jetzt in Deutschland noch 28 Standorte. Auf Dauer gesehen wird es vielleicht noch zehn Häuser in Deutschland geben. Wir leben in einer Zeit des Klöster-Sterbens. Das betrifft fast alle Ordensgemeinschaften. Kooperation, wie sie mit antonius auf dem Frauenberg stattfindet, ist momentan ein wichtiges Thema für die Klöster. Das wird in Zukunft noch wichtiger werden.
Stichwort Kirchenkrise: Wie bewerten die Franziskaner den Synodalen Weg in Deutschland?
Franziskus hat als junger Mann in einer verfallenen Kirche vom Kreuz her den Ruf gehört hat: ,Stell mein Haus wieder her.‘ Das ist ein starkes Bild. Es zeigt: Kirche muss sich immer reformieren. Die Frage nach einer lebendigen Kirche ist urfranziskanisch. Genau wie die Themen des Synodalen Weges, etwa der Umgang mit der Macht oder die Rolle der Frau in der Kirche. Natürlich hat jeder Bruder seine eigene Meinung dazu, aber von der Grundidee entspricht uns der Weg sicher sehr. Wir haben keine fertigen Antworten auf die Probleme, können aber dort, wo wir leben, Impulse geben. Wir sind noch recht zahlreich in Deutschland vertreten, jedoch dürfen wir uns auch nicht überschätzen. Ich glaube es ist wichtig, dass die franziskanische Idee erhalten bleibt.
Wie kann die Rolle der Frauen in Zukunft aussehen? Sollten Frauen das Priesteramt ausüben dürfen?
Ich kann mir gut vorstellen und wäre dafür, das Priesteramt in Zukunft auch für Frauen zu öffnen. Ich glaube nicht, dass das so bald passiert, doch muss darüber weiter nachgedacht werden. Frauen müssen stärker vorkommen und gleichberechtigt beteiligt werden. In unserer franziskanischen Familie gibt es auch die Franziskanerinnen. Sie arbeiten vielerorts mit den Brüdern zusammen.

Zur Person

Pater Cornelius Bohl (59) ist Provinzialminister der Franziskaner in Deutschland. Der gebürtige Fuldaer absolvierte sein Noviziat – das einjährige Probejahr im Orden – auf dem Frauenberg.  

800 Jahre Franziskaner in Deutschland: 1237 kamen die ersten Brüder nach Fulda

Vor 800 Jahren, 1221, haben die ersten Franziskaner deutschen Boden betreten. Der Orden breitete sich in Deutschland rasch aus. Bis Ende des 13. Jahrhunderts waren bereits 200 Konvente belegt. 1237 kamen die ersten Brüder nach Fulda. Das erste Kloster errichteten sie 1246 mitten in der Stadt und blieben dort für 300 Jahre. Um 1550 wurden die Franziskaner vertrieben, 1623 kamen wieder Brüder nach Fulda und zogen auf den Frauenberg.

Die Geschichte des Ordens ist wechselhaft, die Zukunft auch angesichts des Mitgliederschwundes 800 Jahre nach Gründung ungewiss. Seit 2017 gibt es eine Kooperation mit antonius. (Lesen Sie hier: #FragEinenMönch: Pater Nikodemus veröffentlicht Buch - „Kirche hat sich lächerlich gemacht“)

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Wie es langfristig mit dem Frauenberg weitergeht, wissen auch die Brüder dort nicht, sagt Bruder Gerhard Busche, Guardian am Frauenberg.

Ein ausführliches Gespräch mit Bruder Gerhard und eine Langfassung des Interviews mit Pater Cornelius Bohl lesen Sie in der Samstagausgabe der Fuldaer Zeitung und im E-Paper.

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