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„Frauen fahren besser als Männer“ - Margitta Protzmann ist seit 26 Jahren Busfahrerin

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Von: Suria Reiche

„Ich fahre Menschen umher – keine Gegenstände“, sagt Busfahrerin Margitta Protzmann.
„Ich fahre Menschen umher – keine Gegenstände“, sagt Busfahrerin Margitta Protzmann. © Suria Reiche

Margitta Protzmann ist Busfahrerin mit Leib und Seele. Ihr Traumberuf war das aber nicht. Als junge Mutter ist sie als Quereinsteigerin in der Männerdomäne gelandet. Ein Porträt zum Internationalen Frauentag.

Fulda - Während ihres Dienstes ist Margitta Protzmann Herrin über die Fahrgäste auf 65 Steh- und 34 Sitzplätzen sowie einem Rollstuhlplatz. In einem der 90 Stadtbusse der RhönEnergie Fulda das Kommando zu übernehmen, ist kein Problem für die resolute 55-Jährige – auch, wenn Busfahrerin keinesfalls ihr Traumberuf war. Doch ihre Zeit als Mutter eines Kleinkindes hat sie in die Männerdomäne hineingebracht.

Eigentlich paradox, doch als Quereinsteigerin und Mutter waren vor allem die Arbeitszeiten perfekt für Protzmann. In einer Zeitungsanzeige hat die 55-Jährige vor nunmehr 26 Jahren gelesen, dass während der Landesgartenschau Fahrer von sogenannten Transit-Bussen gesucht wurden. Protzmann bewarb sich und konnte kaum glauben, dass sie den Job bekam. (Lesen Sie hier: Immer mehr Frauen in Ämtern: Landkreis Fulda legt Bericht zur Förderung vor)

Fulda: „Frauen fahren besser“ - Busfahrerin über das Arbeiten unter Männern

Begonnen hat Protzmann mit einer halben Stelle – am Rest des Tages versorgte sie ihren Sohn, der heute 34 Jahre alt ist. Nach einigen Jahren ist Protzmann auf die größeren Busse der RhönEnergie umgestiegen. „Was kann ich schon verlieren?“, habe sie sich damals gefragt, als sie beim Arbeitsamt anfragte, ob die Finanzierung eines Führerscheins für Stadtbusse mitgetragen würde. „Aber das Amt wollte nicht gleich etwas dazugeben. Sie haben vermutet, dass ich als Frau den Job sowieso nicht schaffe und nicht durchhalte.“

Aber da haben die Beamten nicht mit Protzmann gerechnet. Sie schrieb einen Brief an den zuständigen Chef, machte deutlich, dass sie den großen Führerschein unbedingt machen wollte. Das war 2004. Und siehe da: „Es wurde schlussendlich ein Teil der Kosten übernommen.“ Seitdem fährt Protzmann die Fahrgäste im grünen Mercedes-Bus durchs Stadtgebiet. „Am Anfang habe ich den einen oder anderen Spiegel mitgenommen“, gibt sie zu. Seit zehn Jahren fährt sie ihre Touren aber unfallfrei, sagt sie dann stolz.

Und was muss frau für ein Typ sein, um sich gegen quengelnde Fahrgäste oder laute Schulkinder während der Touren durchsetzen zu können? Protzmann lacht und zeigt auf sich selbst: „Man muss vor allem forsch sein und darf sich nichts gefallen lassen“, sagt sie dann. Mögliche Spitzen, die sie sich anhören muss, schüttelt sie einfach ab.

Ärger gebe es immer wieder mal. Mit Männern, aber auch mit Frauen, die ihre Kinderwägen auf die Sitzplätze stellen. Oder mit lauten Schulkindern. Jedenfalls früher. Denn seit es Smartphones gibt, seien diese hinten im Bus oft erschreckend ruhig.

Als weibliche Busfahrerin ist Protzmann in der heutigen Zeit eine Ausnahme. „Meist sind es höchstens vier oder fünf Frauen, die angestellt sind“, sagt sie. Die Nachttouren übernimmt sie aber nicht. „Das ist mir zu heikel.“ (Lesen Sie hier: Frauenanteil bei der Stadt Hünfeld liegt bei 41,90 Prozent)

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Stattdessen fährt sie die frühen Touren. Um 3 Uhr in der Nacht klingelt ihr Wecker. Um halb 5 kommt sie dann am Betriebshof in der Daimler-Benz-Straße an und von hier fährt sie mit dem Bus, den sie für den Tag hat, mit hr1 auf den Ohren zum Stadtschloss, um ihre Route zu beginnen.

„Ich fahre lieber Bus“, sagt sie auf die Frage, ob sie nach der Arbeit überhaupt noch das Lenkrad ihres Autos sehen kann. Zuhause lasse sie sich auch gern mal fahren. „Im Bus wird man schneller gesehen, andere machen einem eher Platz und man hat einen besseren Überblick.“ Und außerdem würden Frauen besser fahren als Männer, hat Protzmann schon oft gehört: „Ich fahre Menschen umher und keine Gegenstände!“ Deswegen bediene sie die Lenkung weniger ruppig als manch einer der männlichen Kollegen.

Eine letzte Frage bleibt noch: Was machen Busfahrerinnen, wenn sie auf die Toilette müssen? Protzmann lacht und gibt zu, dass das tatsächlich eines der größeren Probleme in der Branche sei. „Es gibt inzwischen wirklich zu wenige öffentliche Toiletten.“ Bei kürzeren Touren durch die Stadt, die Protzmann sowieso am liebsten fährt, sei das nicht so schlimm, man könne am Stadtschloss gehen. Aber: „Wir Busfahrer trinken deswegen viel zu wenig.“

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