Sie sind ein Team: Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten auf dem Frauenberg zusammen.
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Sie sind ein Team: Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten auf dem Frauenberg zusammen.

„Hier fühle ich mich wohl“

Eine Chance für Menschen mit Behinderung: Frauenberg ist seit Kooperation mit antonius inklusiv geworden

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Jungen Menschen mit Behinderungen die Chance geben, in einem Beruf Fuß zu fassen – das hat sich Claudia Stadlmair zum Ziel gesetzt. Sie ist Inklusionsbeauftragte am Frauenberg.

Fulda - Jane Münker (29) saß viele Jahre lang zwischen den Stühlen. „Nach der Ausbildung zur Helferin in der Hauswirtschaft kam auf Bewerbungen Absage auf Absage“, berichtet sie. Dabei war sie bereit, sich richtig reinzuknien, auch an den Wochenenden. Schließlich fand sie Arbeit, unter anderem in einem Hotel. Doch sobald die Förderung auslief, die Betriebe bekommen, wenn sie einen Menschen mit Behinderung einstellen, oder sobald die Entfristung ihres Arbeitsvertrags in Sicht kam, wurde Münker freigestellt. Die Überstunden, die sie anhäufte und ihre Arbeitskraft und ihren Eifer nahm man solange aber gern an. „Ich möchte nicht nur 100 Prozent bringen, sondern 300 Prozent“, betont die junge Frau.

Ihr Problem: „Für eine reguläre Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt waren ihre Leistungen zu schwach, doch für die Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu stark“, berichtet Claudia Stadlmair. Inzwischen arbeitet Jane Münker auf dem Frauenberg in Fulda im Housekeeping – richtet also Zimmer und Tagungsräume her –, hilft aber auch überall dort, wo sie gebraucht wird. „Sie ist absolut zuverlässig“, lobt Stadlmair.

Der Frauenberg ist seit der Kooperation mit antonius inklusiv geworden

An einen Menschen wie Jane Münker denkt Stadlmair bestimmt auch, wenn sie sagt: „Wo andere sagen, es geht nicht, sagen wir: jetzt erst recht.“ Auf dem Frauenberg wolle antonius Chancengeber sein – und tut das zum Beispiel in Gestalt von Claudia Stadlmair.

Die Inklusionsbeauftragte ist dafür verantwortlich, dass die Arbeit von Menschen mit und ohne Behinderung reibungslos abläuft. „Wir übersetzen zum Beispiel Rezepte im Klostercafé in einfache Sprache und finden für Menschen mit Behinderung eine Arbeit, die zu ihnen passt.“ Ein Beispiel: Ein Mensch mit einer Autismus-Spektrum-Störung passt vielleicht nicht so gut in den Service, wo er mit Menschen umgehen muss. Doch an der Kasse oder bei Abrechnungen sind seine analytischen Fähigkeiten Gold wert.

„Jeder Mensch kann etwas. Dieses Talent suchen wir und setzen die Person genau in diesem Bereich ein“, betont Stadlmair. „Wir haben kein festgefahrenes Raster, sondern füllen es mit den Talenten einer jeweiligen Person.“ So könne auch ein junger Mensch, der sonst im Garten arbeitet, aber mal Lust auf Gemüse schnippeln hat, auch in der Küche helfen. Apropos: „Alles, was der Klostergarten hergibt, wird bei uns verarbeitet.“ Niveau der Küche ist Stadlmair wichtig, denn: „Wir möchten hier ja auch zeigen, dass wir richtig was können. Wir möchten ja nicht nur Brote schmieren.“

Samira Müller startet als Erste in Hessen eine Ausbildung zur Fachpraktikerin in der Gastronomie

Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten nicht nur im Café zusammen, auch im Hotel- und Tagungsbetrieb sowie im Klostergarten. „Wenn jemand zu mir sagt: ,Bei euch sieht man ja gar keine Menschen mit Behinderungen‘ ist das für mich ein Kompliment. Das heißt nämlich, dass wir unseren Job gut machen, weil alles läuft. Außerdem sieht man ja nicht jedem Menschen seine Behinderung an“, sagt Stadlmair.

Genau darum geht es: Menschen mit Behinderungen eine Chance zu geben, sie aber auch zu fördern. So wie bei Samira Müller. Die 20-Jährige ist die Erste in ganz Hessen, die sich auf dem Frauenberg zur Fachpraktikerin in der Gastronomie ausbilden lässt – eine vereinfachte Ausbildung, die es in vielen anderen Berufen schon gibt. Für das Berufsbild hat sich antonius eingesetzt, inzwischen wurde es von der Industrie- und Handelskammer (IHK) anerkannt. Azubis haben nach der Ausbildung die Möglichkeit, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Im September startete für Samira Müller die Ausbildung. „Nach der Schule in Hilders habe ich die Startbahn bei antonius besucht“, berichtet die 20-Jährige. Sie hat zahlreiche Praktika absolviert – unter anderem in einer Kita und in der Altenpflege, aber eines war für sie schnell klar: „Ich wollte mit Menschen arbeiten.“ Jetzt ist sie im Klostercafé im Service tätig und sagt: „Ich verstehe mich gut mit den anderen. Hier fühle ich mich wohl.“

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