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Friedrichstraße als Kulturmeile - Bald öfter für Autos gesperrt?

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Von: Sabrina Mehler

Bei Kulturveranstaltungen könnte die Friedrichstraße künftig häufiger gesperrt werden.
Bei Kulturveranstaltungen könnte die Friedrichstraße künftig häufiger gesperrt werden. © Sandro Prasch

Hüttenzauber, Walking-Acts, Puppentheater oder Live-Musik: Die Friedrichstraße wird zwar auch weiterhin nicht in eine Fußgängerzone verwandelt, allerdings sollen temporäre Sperrungen anlässlich von Kulturveranstaltungen künftig häufiger möglich sein.

Fulda - In einen mehr als zwei Jahrzehnte währenden Streit innerhalb der Stadtpolitik kommt Bewegung. Magistrat und CDU-Fraktion sind gewillt, die Friedrichstraße in Fulda zumindest hin und wieder und zeitlich befristet für besondere Events für den Verkehr komplett zu sperren. Das Umdenken ist offenbar eine Folge des Hüttenzaubers, der während des Weihnachtsmarktes im vergangenen Jahr in dem Bereich stattfand und für den die Straße dicht gemacht worden war – was bei Bürgern wie Gästen überaus positiv aufgenommen wurde.

Die CDU-Fraktion hatte die Nutzung der Friedrichstraße für weitere Veranstaltungen nun in einer Anfrage zur Stadtverordnetenversammlung zum Thema gemacht. Wie der Antwort von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) zu entnehmen war, ist der Magistrat für eine Veränderung durchaus aufgeschlossen, nachdem Stadt und City-Marketing zum Jahreswechsel eine Umfrage unter Anliegern und Betrieben durchgeführt hatten.

Fulda: Friedrichstraße als Kulturmeile? Magistrat offen für Sperrungen

Demnach hätten Veranstaltungen in der Friedrichstraße „eine ausreichend hohe Rückendeckung erhalten“, erklärte der Oberbürgermeister und ergänzte: „Kurzzeitige Sperrungen zu Veranstaltungen sind eine Möglichkeit, um die Vorteile einer autofreien Straße weiter zu erproben.“ Das Pilotprojekt während des Weihnachtsmarktes sei jedenfalls gelungen, weitere Sperrungen sollen gegebenenfalls mit dem Fuldaer Einzelhandel, der Gastronomie und dem Gewerbe abgestimmt werden.

Wingenfeld zählte eine ganze Reihe an Events in der direkten Umgebung auf, bei der die Friedrichstraße einbezogen werden könnte: von den Konzerten auf Uniplatz und Domplatz über „Kultur.findet.Stadt“ im Museumshof bis hin zu den Genusswochen und dem Weinfest. Beispielsweise könnte „eine Art Straßenkunst“ ohne große Bühnenaufbauten bereichernd und gut durchführbar sein. (Lesen Sie hier: Jubiläen, Feste, Konzerte: Hier soll 2022 in Fulda gefeiert werden - trotz Corona)

Aber auch unabhängig von den Großveranstaltungen kann sich der Oberbürgermeister darüber hinaus Platzkonzerte, Walking-Acts, Puppentheater und Livemusik vorstellen, um die Aufenthaltsqualität und das Einkaufserlebnis in der Innenstadt zu steigern. Denkbar sei auch eine Lichtshow an der Fassade der Stadtpfarrkirche. Die Friedrichstraße könnte somit zu einer „Kulturstraße“ werden.

Umfrage

Die Stadt hatte gemeinsam mit dem City Marketing zum Jahreswechsel eine Umfrage durchgeführt. Dabei wurden zum einen die Mitglieder des Vereins insgesamt befragt. Zum anderen wurden in einer zweiten Stichprobe die von der Sperrung betroffenen Anlieger in der Friedrichstraße, Unterm Heilig Kreuz, Mittelstraße und Robert-Kircher-Straße um Stellungnahme gebeten.

Die nicht betroffenen Betriebe sehen demnach eine Sperrung der Friedrichstraße zu Veranstaltungen eindeutig positiv. In der Friedrichstraße und der Altstadt ergibt sich ein kritischeres Bild: 50 Prozent sind für eine Wiederholung der Sperrung zum Weihnachtsmarkt in diesem Jahr. Eine Sperrung auch zu weiteren Veranstaltungen in der Sommersaison können sich knapp 47 Prozent der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorstellen.

Klar, dass Wingenfelds Ausführungen bei der Fraktion Bündnis90/Die Grünen Gefallen fanden: „Man sieht: Grün wirkt. Das Bohren der dicken Bretter hat sich gelohnt“, sagte Ernst Sporer mit Blick darauf, dass sich seine Fraktion schon seit Jahrzehnten für eine Fußgängerzone in der Friedrichstraße einsetze.

Video: Fuldaer Weihnachtsmarkt eröffnet - Standbetreiber freuen sich über Besucher

Hans-Dieter Alt (CDU) warf den Grünen jedoch vor, das Thema ideologisch zu betrachten, da die Fraktion stets eine generelle Sperrung der Straße gefordert habe. Dabei müssten die Interessen von anliegenden Unternehmen und Anwohnern berücksichtigt werden.

Die anschließende Debatte über die Nutzung der Straße, aber auch darüber, welche Fraktion sich die Idee für gelegentliche Veranstaltungen nun auf die Fahnen schreiben darf, war ausführlich und kurzweilig. Zustimmung für die Pläne gab es auch von SPD, FDP und CWE; letztere drängten auf einen „gesunden Mix aus Autos und Fahrrädern in der Innenstadt“ und auf eine Umsetzung von Sperrungen „mit Augenmaß“.

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