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FZ-Fotograf Charlie Rolff wird heute 70 Jahre alt - Angela Merkel und Steffi Graf vor der Linse

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Von: Sascha Behnsen

Unser Fotograf Rolf-Günter Herchen alias Charlie Rolff hat sich zum Siebzigsten von Sportredakteur Sascha Behnsen porträtieren lassen müssen.
Unser Fotograf Rolf-Günter Herchen alias Charlie Rolff hat sich zum Siebzigsten von Sportredakteur Sascha Behnsen porträtieren lassen müssen. © Arnulf Müller

Wenn jemand Rolf-Günter heißt, dann kann er froh sein, wenn die Welt so gnädig ist, ihn anders zu rufen: Für die meisten ist er der Onkel, für die anderen der Charlie. Heute wird der Fotograf Rolf-Günter Herchen, den unsere Leser als Charlie Rolff kennen, 70 Jahre alt.

Fulda - Das Geburtstagskind einfach so auf die Blaue Couch einzuladen, das hätte wahrscheinlich nicht funktioniert. Auch wenn der Mann seit Jahrzehnten Öffentlichkeit herstellt: In dieser Art von Rampenlicht steht er nicht gerne, schon gar nicht zum Geburtstag. Den feiert er nicht, da macht er sich alle Jahre wieder aus dem Staub. Bitte keine Umstände, lasst mich in Ruhe mit dem Quatsch!

Die Redaktion in Fulda muss eine List anwenden. Sie erteilt dem Herren einen Arbeitsauftrag, lädt zum Fototermin im Redaktionsgebäude vor. Er erscheint wie immer viel zu früh, schaut nach dem Rechten, wie ist das Licht, wie sind die Umstände, passt alles mit der Ausrüstung.

Nun ist die Sportredaktion versammelt. Der Fotograf schaut in die Runde. Keiner da zum Fotografieren. Stattdessen im Kreise der sattsam bekannten Pappnasen: ein anderer Fotograf.

Fulda: FZ-Fotograf Charlie Rolff wird 70 Jahre alt - Porträt zum Geburtstag

Das, so viel können wir Ihnen versichern, liebe Leser, ist gewissermaßen der größte anzunehmende Unfall, ein unentschuldbarer Fauxpas, der zuverlässig wie kaum etwas anderes Verdruss heraufbeschwört: Wenn die Redaktion, dusselig und schusselig wie sie ist, zwei Fotografen zu ein und derselben Veranstaltung beordert hat. Willstenduhier? Isdochmeintermin!

„Onkel, heute bist Du der Termin“, flötet Sportchefin Geli Kleemann. Jetzt wird es spannend. Schlagartig hat sich die Energie im Raum verändert. Alles ist möglich. Die versammelte Mannschaft registriert leichte Fluchttendenzen des Ehrengastes. Niemanden würde es überraschen, stürmte der Onkel schimpfend aus der Tür. Ein paar Verwünschungen später ist klar: Er bleibt.

Fulda: FZ-Fotograf wird 70 Jahre alt.
Onkels erste Kamera war die Kodak seiner Schwester. © Charlie Rolff

Ob es Altersmilde ist, ob er sich vielleicht doch ein wenig geschmeichelt fühlt oder ob wir ihn einfach nur überrumpelt haben und der Mann unter Schock steht: Wir wissen es nicht, er weiß es wahrscheinlich selbst nicht. In jedem Fall setzt rasch eine Art Stockholm-Syndrom ein, die Lage entspannt sich, der Gekidnappte freundet sich mit der Situation an und tut bereitwillig, worum wir ihn bitten: aus dem bewegten Leben des Fotografen, Soldaten, Dichters, Sängers, Philosophen, Weltreisenden, Schlagzeugers, Kneipiers, Lebenskünstlers, Menschenfreundes, Autoverkäufers, Angeklagten und somit allemal größten Sohns Hofgeismars zu berichten.

Von Anekdoten, die nicht veröffentlicht werden dürfen

Beinahe zwei Stunden lang biegen wir uns vor Lachen, der große Grantler läuft zu großer Form auf. Eine Räuberpistole jagt die nächste, eine jede eröffnet, unterbrochen oder beschlossen mit der scharfen Anweisung: Das ist nichts für die Zeitung! Schreib das bloß nicht! Das aber jetzt nur unter uns!

Was freilich schade ist. Denn so erfährt die Welt nichts von Unfällen mit Senf und Sülze, nichts vom Tschad, Kairo und dem Libanon, schon gar nichts erfährt sie von den Vorzügen des Nachtlebens in Buenos Aires, von Sturzgeburt und Taschengeldentzug, sanitären Unappetitlichkeiten in der Ägäis oder – „Ich kann fliegen!“ – Unfällen im Badezimmer von Queen Mum, nichts wird sie erfahren von Schuhcreme auf dem Autositz oder Russen-Mafia-Paranoia.

Nun könnte man Rolf-Günter Herchen kaum weniger gerecht werden, reduzierte man ihn auf Unterhaltungstalent und Narretei. Spätestens wenn es ans Fotografieren geht, hat der Spaß ein Loch. Später wird er dem Fotografen des Blaue-Couch-Bildes, seinem Freund Arnulf Müller, mit dem er jenen European Newspaper Award gewann, mit dem unsere Zeitung die Ehre hatte sich zu schmücken, dem wird er sagen, wie er dieses Bild zu schießen hat. Von unten, so was macht man von unten! Dass der doppelkinnige Autor dieser Zeilen lieber von oben fotografiert werden möchte, Mumpitz.

Charlie Rolff stellt sich nicht aus Jux und Dollerei in die eiskalte Fulda für das bestmögliche Kanu-Foto, friert sich nicht im Schnee liegend für das optimale Langlauf-Bild den Hintern ab oder lässt sich aus lauter Daffke für einen Fußball-Schnappschuss bei Bullenhitze von der Sonne die letzten Fussel von der Matte brennen. Der Mann ist mehrfach preisgekrönt, für ihn ist das Fotografieren, wenn auch Broterwerb, kein Job, es ist Leidenschaft.

Und da ist es auch egal, ob er in Las Vegas George Foreman fotografiert, ob er Steffi Graf oder Angela Merkel vor der Linse hat oder in der Rhön eine Horde Rumpelfußballer. Jedes Motiv hat den gleichen Stellenwert, es geht nicht ums Honorar, es geht darum, das bestmögliche Ergebnis herzustellen. Dem Zufall überlässt er nichts: Mit abenteuerlichen Methoden, etwa dem Einsatz von Wärmflaschen oder Heizkissen, wird die Technik optimiert, mit maximaler Kontrolle menschlichem Versagen vorgebeugt.

Was der Entmündigung des Redakteurs durch den Fotografen gleichkommt, dient dem Schutz des Werks: Charlie Rolff verlangt die millimetergenaue Vorgabe aus dem Fotolayout und er wird sie millimetergenau einhalten. Wer, vielleicht als ahnungsloser Volontär oder fröhlicher Jung-Redakteur, einmal so leichtfertig gewesen ist, Format und damit Bild zu verändern, wer womöglich des Sportlers Gliedmaßen, dessen wehendes Haar, die umherfliegenden Erdklumpen oder Schweißtropfen beschnitten und so das Foto, ja, entstellt hat, der wird das vermutlich kein zweites Mal tun.

Charlie Rolff alias Onkel ist die größte Konstante der FZ-Redaktion

Rolf-Günter Herchen alias Charlie Rolff alias Onkel ist seit seinen Anfängen 1971 die größte Konstante unserer Redaktion und er ist ihr größtes Glück. Heute wird er 70 Jahre alt. Wohin er sich verdrückt hat, wissen wir nicht. Vielleicht hört er ja, wie wir schmettern: Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst...

P.S. Ein paar Basics noch in aller Kürze: Warum man ihn Onkel ruft, weiß er nicht, damit hätten seine Kumpels angefangen und nicht mehr aufgehört. Den Charlie hat ihm, ohne ihn zu fragen, die Redaktion verpasst. Verständlicherweise hielt man in einem seriösen Verlag die bis dahin verwendeten Fotohinweise Onkel Rolff und später O. Rolff irgendwann für doch ein wenig salopp. Onkelchens Fotokoffer heißt Luise. Und wer fragt, ob er auch einen Film eingelegt hat, sieht besser zu, dass er Land gewinnt.

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