Die Galeria-Kaufhof-Filiale in Fuldas Innenstadt schließt.
+
Die Galeria-Kaufhof-Filiale in Fuldas Innenstadt schließt.

Kerber macht zu

Galeria Karstadt Kaufhof schließt sechs Filialen weniger - Aus für Fulda bleibt

Die Galeria-Kaufhof-Filiale in Fulda wird bis spätestens Ende Oktober geschlossen. Karstadt hingegen bleibt geöffnet. Die Stadt äußert Bedauern.

Update vom 4. Juli, 14.13 Uhr: Am Samstag hat es vor Galeria Kaufhof-Filiale in Fulda erneut eine Demonstration gegeben.

Update vom 3. Juli, 12.55 Uhr: Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) will nach Zugeständnissen der Vermieter sechs Filialen weniger schließen als ursprünglich geplant. Das wurde am Freitag bekannt. Für die Karstadt-Warenhäuser in Dortmund, Nürnberg Lorenzkirche, Goslar und Potsdam und die Kaufhof-Filialen in Chemnitz sowie Leverkusen gebe es jetzt wieder eine Zukunftsperspektive, teilte der Vorsitzende der Geschäftsführung Miguel Müllenbach am Freitag in einem Mitarbeiterbrief mit. Rund 750 Mitarbeiter behalten dadurch ihren Arbeitsplatz. Die Filiale in Fulda hingegen gebe es keine Perspektive. Sie werde, wie geplant, Ende Oktober schließen.

In schwierigen Verhandlungen sei es gelungen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass die Filialen fortgeführt werden könnten, betonte der Manager, der selbst das Verhandlungsteam führte. Für die übrigen 56 Warenhäuser auf der Schließungsliste, darunter auch das in Fulda, gebe es angesichts hoher Mieten und soziodemographischer Standortnachteile allerdings weiterhin „keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive“. (dpa)

Lesen Sie auch: Foaset-Urgestein Günther Elm hat ein Gedicht zum Aus von Kaufhof geschrieben.

Galeria Kaufhof schließt in Fulda - Tränen unter den Angestellten

Erstmeldung vom 19. Juni, 13.06 Uhr: Fulda - Von der Schließung der Galeria-Kaufhof-Filiale in Fulda (9800 Quadratmeter Verkaufsfläche) sind 64 Mitarbeiter betroffen. Bei der Karstadt-Filiale (9000 Quadratmeter), die laut Verdi geöffnet bleibt, arbeiten 80 Mitarbeiter - viele in Teilzeit.

Industrie- und Handelskammer Fulda bedauert Verlust von Arbeitsplätzen

IHK Fulda-Hauptgeschäftsführer Michael Konow äußerte sich auf Nachfrage unserer Zeitung wie folgt zu der Schließung: „Wir bedauern die heute angekündigte Schließung der Galeria-Kaufhof-Filiale und den damit verbundenen Verlust von Arbeitsplätzen sehr. Gleichzeitig begrüßen wir, dass wenigstens Karstadt erhalten bleibt.“

Konow führt weiter aus: „Die Fuldaer Kaufhäuser waren und sind gerade auch wegen ihrer zentralen Lage Magneten der Innenstadt und sorgen für die für den gesamten Innenstadthandel und die Gastronomie notwendige Frequenz und Belebung rund um den Universitätsplatz.“

IHK fordert Konzept für die Innenstadt in Fulda

„Deshalb ist es nun wichtiger denn je mit allen relevanten Stakeholdern ein Konzept zu entwickeln, um die Innenstadt auch in Zukunft attraktiv zu gestalten“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda.

Tränen und Unverständnis in der Betriebsversammlung

In der Betriebsversammlung bei Galeria heute Nachmittag sind viele Tränen geflossen. Von dem Aus sind 64 Beschäftigte betroffen. Das berichtet Betriebsratsvorsitzender Michael Kretsch. „Die Mitarbeiter sind alle fix und fertig. Die Schließung ist eine ganz grausame Sache.“

Die Mitarbeiter könnten nicht verstehen, dass die Konzernleitung in Essen nicht einmal versucht, mit dem Vermieter über eine Senkung der Miete zu sprechen. „Wir wissen, dass der Vermieter – die Familie Kerber – bereit ist, die Miete zu senken. Dass die Zentrale nicht einmal das Gespräch sucht – dafür haben wir kein Verständnis“, sagt Kretsch.

Filiale soll spätestens Ende Oktober schließen

Die Filiale in der Rabanusstraße soll spätestens Ende Oktober schließen. Die betroffenen Mitarbeiter könnten nach der Schließung noch weitere sechs Monate von einer Transfergesellschaft beschäftigt werden.

Stadt Fulda zeigt großes Bedauern über Schließung

„Mit großem Bedauern hat die Stadt Fulda die Nachricht aufgenommen, dass der Standort der Galeria Kaufhof in der Rabanus-straße geschlossen werden soll“, schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung. Seit mehr als 60 Jahren habe das Kaufhaus am jetzigen Standort das Bild der Fuldaer Innenstadt geprägt und sei beliebter Einkaufsort für Bürger und Touristen gewesen – zunächst als Kaufhaus „Kerber“, dann seit 2004 als Galeria Kaufhof.

Oberbürgermeister: Tiefer Einschnitt für die Stadt Fulda

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, der an der Demonstration der Mitarbeiter gegen die Schließung beider Filialen am 6. Juni teilgenommen hatte, betont: „Die angekündigte Schließung bedeutet einen tiefen Einschnitt für die Stadt Fulda und natürlich auch einen schweren Schlag für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich stark mit dem Haus identifiziert haben. Wir sind dennoch zuversichtlich, dass es gelingen wird, neue Perspektiven für diesen erstklassigen Standort zu entwickeln, um die Einkaufsstadt Fulda weiterhin attraktiv zu halten.“

Erleichtert zeige sich der Oberbürgermeister, dass mit dem Karstadt-Warenhaus am Universitätsplatz zumindest ein Standort als Frequenzbringer und attraktiver Einkaufsort mitten in Fulda erhalten bleibt.

Erste Signale gab es bereits vor einigen Monaten: Nachdem es im Dezember 2019 hieß, der Kaufhauskonzern Karstadt Kaufhof werde beide Häuser am Fuldaer Uniplatz weiterführen – mindestens bis Ende 2024 –, wurde im April 2020 bekannt, dass Karstadt und Galeria Kaufhof mit ihrem Eigentümer ins Schutzschirmverfahren flüchten.

Die Standortgarantie für Galeria Kaufhof und Karstadt in Fulda wackelte. Rund 100 Mitarbeiter von Karstadt und Kaufhof hatten am 6. Juni auf dem Uniplatz in Fulda demonstriert. (lea, lio)

Die Karstadt-Filiale am Uniplatz in Fulda bleibt bestehen.

Lesen Sie hier: Galeria Kaufhofs Ende in Fulda: Mietreduzierung konnte Warenhaus nicht retten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema