Für sie war das Warenhaus in Fulda ihr Leben (von links): Kurt Bauer, Andrea Bug und Michael Kretsch.
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Für sie war das Warenhaus in Fulda ihr Leben (von links): Kurt Bauer, Andrea Bug und Michael Kretsch.

Galeria Kaufhof schließt

Abverkauf unter Tränen: Das Kaufhaus Kerber in Fulda war für viele Mitarbeiter ihr Leben

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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500 Mitarbeiter hatte Kerber zu besten Zeiten. Die 64 Beschäftigten, die jetzt noch da sind, werden mit den Tränen kämpfen, wenn sie ihren Arbeitsplatz für immer verlassen. Das Kaufhaus in Fulda – es war ihr Leben.

Fulda - „Das Unternehmen hat mir nach einem nicht so guten Hauptschulabschluss eine Chance gegeben – und es war in den ersten Jahrzehnten immer für mich und für die anderen Mitarbeiter da“, lobt Kurt Bauer (59) aus Schmalnau. Im August 1977 begann er eine Ausbildung zum Verkäufer – und blieb danach, abgesehen von der Bundeswehrzeit, im Kaufhaus in Fulda. Er hat viele Jahre Elektro-Geräte verkauft, jetzt gehört er dem Kassenteam an.

Der Zusammenhalt der Mitarbeiter sei besonders groß gewesen, berichtet Kurt Bauer. „Wir haben auch privat viel unternommen.“ Die Mitarbeiter wollten sich zu einer Abschiedsfeier treffen. „Im Ausverkauf sind wir alle noch einmal mit Herzblut dabei. Wir wollen uns ordentlich verabschieden. Viele Kunden, die wir seit Jahrzehnten kennen, verabschieden sich persönlich, es gab auch kleine Geschenke. Unser Haus war eine Institution, ein Wahrzeichen für Fulda. Es ist deprimierend zu sehen, wie sich das Kaufhaus jetzt leert.“ (Lesen Sie hier: „Kerbersch Koarl“ ist unvergessen: Günther Elm schreibt Gedicht)

Fulda: Galeria-Kaufhof-Mitarbeiter trauern wegen Warenhaus-Schließung

„Ich habe es nie bereut, bei Kerber angefangen zu haben – bis heute nicht“, sagt Andrea Bug (63) aus Petersberg, Verkäuferin im Bereich Schreibwaren, Bücher, Damenschuhe, Koffer und Handtaschen. „Aber ich hätte mein Berufsleben auch gern hier beendet.“ Mit bald 49 Jahren im Betrieb ist sie die dienstälteste Mitarbeiterin im Fuldaer Kaufhaus. „Als im Juni bekanntgegeben wurde, dass unser Haus schließt, kamen mir die Tränen. Und wenn wir für immer schließen, werde ich wieder mit den Tränen kämpfen.“

Nach einem Schulpraktikum fing Andrea Bug im August 1972 bei Kerber in Fulda an. Allein in ihrem Jahrgang gab es 30 Lehrlinge – und natürlich wurden alle Azubis übernommen, wie in den Jahren danach auch. Firmengründer Karl Eduard Kerber kam regelmäßig vorbei, um sich nach seinem Kaufhaus und seinen Mitarbeitern zu erkundigen. Auch sein Sohn Karl Willi Kerber suchte das Gespräch mit den Mitarbeitern.

Galeria Kaufhof in Fulda schließt diese Woche für immer seine Pforten

Als Betriebsratsvorsitzender stand Michael Kretsch (48) aus Fulda in den vergangenen Monaten im Mittelpunkt von Demonstrationen für den Erhalt des Standorts und vieler Gespräche, in denen es um das Schicksal von Mitarbeitern ging. Fast alle Beschäftigten nutzen das Angebot, für sechs Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich von dort aus zu bewerben.

Die Galeria-Kaufhof-Filiale in Fuldas Innenstadt schließt.

Michael Kretsch ist seit 31 Jahren im Unternehmen. Er begann im Außendienst und hängte Jalousien und Gardinen in Häusern auf. „In dem Bereich waren wir richtig stark.“ Zuletzt verkaufte er Herren-Bekleidung. Viele Jahrzehnte seien die Mitarbeiter stolz auf ihr Haus gewesen: „Kerber hatte einen Namen. Er stand für hohe Qualität, faire Preise und gute und persönliche Beratung.“

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