Im Mai soll die Kirche St. Elisabeth wieder weltliches Bauwerk werden. Von einer „schmerzlichen Entscheidung“ spricht Pfarrer Monsignore Elmar Gurk.
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Im Mai soll die Kirche St. Elisabeth wieder weltliches Bauwerk werden. Von einer „schmerzlichen Entscheidung“ spricht Pfarrer Monsignore Elmar Gurk.

Gallasiniring

Aula statt Altar: Kirche St. Elisabeth in Fulda wird im Mai entweiht - und soll neu genutzt werden

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Die Kirche St. Elisabeth am Gallasiniring in Fulda wird wegen gesunkener Mitgliederzahlen im Mai profaniert. Das bedeutet: Aus dem sakralen Ort wird ein weltliches Gebäude. Pläne für die weitere Nutzung gibt es bereits: Die Stadt hat das gesamte Kirchenareal erworben und will hier die Cuno-Raabe-Schule neu bauen – unter Einbeziehung der Kirche.

Fulda - Man könnte es fast als revolutionär bezeichnen, was die Stadt am Gallasiniring in Fulda plant. Für die Kirchenmitglieder von St. Elisabeth ist es aber erst einmal ein schmerzlicher Prozess, sagt Monsignore Pfarrer Elmar Gurk. Der Verstand sage, dass die Entwicklung folgerichtig ist. „Aber das Herz – das blutet“, ergänzt Franz Heimann vom Verwaltungsrat.

Als Monsignore Gurk im Jahr 1992 Pfarrer im Fuldaer Ostend wurde, lag die Zahl der Mitglieder bei 3300, heute sind es im Bereich von St. Elisabeth – ohne die Filialkirchen St. Sturmius und St. Maria – nur noch etwa 1400. Für die wenigen Gläubigen, die die Gottesdienste besuchen, lohne es sich fast nicht, die Heizung aufzudrehen: Die Kosten sind zu hoch. Gleiches gilt für die Unterhaltung: „Wir haben immer alles in Schuss gehalten, soweit es möglich war“, sagt Heimann.

Fulda: Umgestaltung im Gallasiniring - Wird Kirche St. Elisabeth zur Schule?

Doch demnächst müsste die Elektrik samt Schaltkasten erneuert werden – das seien Investitionen von 25.000 Euro und für die Kirchengemeinde fast kaum mehr zu stemmen. „Es war schon seit Längerem zu erkennen, dass wir in den Minusbereich geraten und das Gebäude auf Dauer nicht halten können“, sagt Heimann. Einhellig habe der Verwaltungsrat diese Meinung vertreten. Vor fast vier Jahren wurden die Kirchenmitglieder auf das Unausweichliche vorbereitet. Jetzt ist es bald so weit: Am 19. Mai wird die Kirche profaniert. Das Gotteshaus wird dann zu einem normalen, weltlichen Gebäude.

Gottesdienste werden künftig rund 300 Meter weiter, in der 150 Sitzplätze umfassenden Konviktskapelle des Caritas-Wohnheims für behinderte Menschen in der Ratgarstraße gefeiert. Das passt auch deshalb, weil Gemeindepfarrer Gurk gleichzeitig Vorsitzender des Caritas-Aufsichtsrats ist. Wegen der Nachnutzung von St. Elisabeth haben Gurk und Heimann zahlreiche Gespräche mit der Stadt geführt. Beide sind überzeugt, dass die Verantwortlichen eine nachhaltige Lösung finden werden: „Es muss eine gemeinwohlorientierte Nutzung geben, die den Bürgern und Bürgerinnen dient und durch die der Gallasiniring eine Aufwertung erfährt“, sagt Heimann. Wichtig ist beiden: „Die Kirche muss als Gebäude erhalten bleiben.“

Die Profanierung

Kirchen sind gemäß dem Codex des Kanonischen Rechts heilige Orte, die durch Weihe oder Segnung für den Gottesdienst bestimmt sind. Das Gegenteil der Kirchenweihe ist die Profanierung: Eine Kirche wird wieder zu einem alltäglichen Gebäude. Anlässlich der Profanierung von St. Elisabeth am 19. Mai wird ein Gottesdienst gefeiert. Dabei werden der Tabernakel geräumt, sakrale Gegenstände wie Reliquien entfernt und das Dekret verlesen, mit dem über die Entweihung des Ortes verfügt wird.

Bundesweit haben die katholische und evangelische Kirche in den vergangenen 30 Jahren mehr als 1000 Kirchengebäude aufgegeben. Im Landkreis Fulda gab es das bisher viermal: 1990 wurde die St.-Vinzenz-Kirche in Maberzell entweiht, die heute ein Fotostudio beherbergt. 1984 fand in der Alten Kirche Sargenzell der letzte Gottesdienst statt, seit 1989 wird das Gebäude als Ausstellungsraum, insbesondere für den Früchteteppich, genutzt. Im Oktober 2018 wurde die St.-Barbara-Kirche in Neuhof profaniert, die nun von einem gemeinnützigen Verein genutzt wird. Ende 2019 profanierte Bischof Dr. Michael Gerber die Gott-Vater-Kirche im ehemaligen Provinzhaus der Schönstätter Marienschwestern in Dietershausen. Neuer Eigentümer ist die Christliche Gemeinde Rhön.

Weitere Entweihungen sind derzeit nicht geplant, sagt Matthias Reger, Sprecher beim Bistum Fulda, auf Anfrage. Das muss aber künftig nicht so bleiben, wie er bestätigt. Denn im Zuge des Pastoralen Prozesses „Bistum 2030“ sollen aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Bedingungen Pfarreien enger kooperieren und auch zusammengelegt werden.

Dem dürfte nichts entgegenstehen, auch wenn sich die Planungen der Stadt noch ganz am Anfang befinden. Die Gebäude auf dem Areal samt Kirche, Pfarrhaus, Pfarrzentrum und Kindergarten St. Elisabeth werden im Sommer dieses Jahres an die Stadt Fulda übertragen, teilt der städtische Pressesprecher Johannes Heller mit. Er bestätigt: Das Gebäude soll aufgrund seiner baulichen Qualität und der geschichtlichen Bedeutung erhalten und umgenutzt werden.

Fulda: Die Kirche St. Elisabeth am Gallasiniring wird erhalten und zur Schule „umfunktioniert“

Hier kommt die nahe gelegene Cuno-Raabe-Schule ins Spiel. Denn die Grundschule, seit 1951 in der ehemaligen Konstantinkaserne untergebracht, ist dringend sanierungsbedürftig und soll zum anderen ohnehin erweitert werden. Das ist am Standort aber nicht ohne weiteres möglich. Daher hat sich die Stadt entschieden, neu zu bauen – und zwar ein Stück weiter westlich auf dem Kirchenareal. Im Zuge eines wettbewerblichen Vergabeverfahrens soll nach den besten Lösungen gesucht werden. „Dabei wird auch die Umnutzung der Kirche als Teil der neuen Schule und als offener Baustein für das Quartier eine zentrale Rolle spielen“, sagt Heller. Möglicherweise könnte hier die Aula unterkommen.

Hinzu kommt, dass die Stadt künftig Träger des katholischen Kindergartens St. Elisabeth wird, der sich direkt neben der Kirche befindet und den zurzeit etwa 120 Kinder in drei U3-Gruppen, einer Kinderkrippe und einer Hortgruppe besuchen. Auch hier waren die Kosten der ausschlaggebende Grund für eine Änderung der Trägerschaft: „Ein Teil des Fehlbetrags muss die Kirche tragen“, erinnert Monsignore Gurk. 2017 seien das etwa 120.000 Euro gewesen – ein finanzieller Kraftakt.

Hintergrund

1950 wurde innerhalb der Stadtpfarrei ein eigener Seelsorgebezirk für das Gebiet östlich der Bahnlinie Fulda-Bebra geschaffen und dabei im früheren Kasernenviertel am Gallasiniring in einer ehemaligen Exerzierhalle St. Elisabeth als Notkirche eingerichtet. 1952 wurde der Bezirk zur Pfarrkuratie und 1958 zur Pfarrei erhoben. Die ab 1961 nach den Plänen der Frankfurter Architekten Alois Giefer und Hermann Mäckler errichtete Pfarrkirche mit dem 32 Meter hohen Glockenturm wurde im Jahr 1963 zu Ehren der Heiligen Elisabeth von Thüringen konsekriert. Die Gemeinde St. Elisabeth fusionierte 2014 mit den Pfarreien St. Sturmius mit der Sturmiuskirche im Wallweg und St. Maria mit der Rosenkranzkirche in der Edelzeller Siedlung.

Die Umgestaltung des Areals der Kirche ist aber nur ein Punkt in den umfangreichen Plänen der Stadt am Gallasiniring. Mithilfe des Städtebau-Förderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ soll das gesamte Quartier Ostend/Ziehers-Süd langfristig aufgewertet werden. Beispielsweise wird das ehemalige VHS-Verwaltungsgebäude am Gallasiniring 30, das die Stadt Fulda vom Landkreis gekauft hatte, zurzeit zu einem Familienzentrum umgebaut. Zudem soll in dem Bereich weiterer Wohnraum geschaffen werden – ebenso wie Räume zur „kliniknahen Nutzung“, sagt Magistratspressesprecher Heller. Das nur einen Katzensprung entfernte Klinikum sucht stets Räume zur Erweiterung. Auch hierfür könnte sich das Kirchengelände anbieten.

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