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Gaspreis bremst Pläne für Therme: Neubau in Bad Salzschlirf verzögert sich

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Von: Marcus Lotz

Entwurf Toskanaworld für Therme in Bad Salzschlirf
Der Entwurf des Investors Toskanaworld wurde bereits im November 2019 vorgestellt. © Grafik: Toskanaworld

Bei dem geplanten Neubau der Therme in Bad Salzschlirf kommt es zu weiteren Verzögerungen. Das berichtete Bürgermeister Matthias Kübel (CDU) in einer Bürgerversammlung am Mittwochabend. Grund ist der gestiegene Gaspreis.

Bad Salzschlirf - Seit 2017 ist die Therme in Bad Salzschlirf (Kreis Fulda) geschlossen. Im November 2019 hatte die Firma Toskanaworld den Entwurf eines Neubaus vorgestellt. Kostenschätzung damals: 24 Millionen Euro. Seitdem wurde wenig Konkretes über die weitere Planung bekannt.

Fulda (Kreis): Gaspreis bremst Pläne für Therme - Neubau verzögert sich

Bürgermeister Matthias Kübel hatte stets darauf verwiesen, dass das Thema sehr kompliziert sei: Einerseits gebe es keine spezielle Förderung für eine Therme, sodass bei einem solchen Millionenprojekt eine sehr gründliche und intensive Kostenplanung nötig sei. Andererseits hatte der Rathauschef immer wieder von Gesprächen mit dem Hessischen Finanzministerium berichtet, bei denen zwar eine positive Grundstimmung geherrscht habe, über die genauen Details könne er allerdings nicht viel sagen, solange „nichts spruchreif“ sei.

Spruchreif war am Mittwochabend weiterhin nichts. Der Grund: die gestiegenen Gaspreise. Kübel erläuterte die Hintergründe: „Ich höre oft: Kübel, wo ist denn das Problem? Du hast doch einen Investor, der hat die veranschlagten 24,5 Millionen Euro.“ Dies sei nicht richtig, wie der Rathauschef betonte: Der Betreiber würde die Therme nicht mit eigenen Mitteln bauen. Der Neubau würde einerseits durch Pachterlöse finanziert, andererseits durch Fördermittel.

Ich muss Ihnen ganz offen sagen: Ich bin froh, dass wir noch keine Therme haben.

Matthias Kübel, Bürgermeister

Außerdem bleibt ein Eigenanteil für die Kommune übrig. Daher hat die Gemeindevertretung gesagt: Das Projekt funktioniert nur, wenn die Hälfte der Baukosten durch Fördermittel gedeckt wird. Das macht die Verwirklichung des Projekts so schwierig. Einzige Alternative sei die Erhöhung von Steuern. Dem erteilte der Bürgermeister eine Absage. „Wir haben bereits kreisweit die höchsten Steuern.“

Kübel sprach von einem „sehr intensiven Überzeugungsprozess“, in dem er sich mit Geldgebern befinde, denn: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Therme unseren Ort nach vorn bringen wird. Es gibt viele Hotels und Übernachtungsbetriebe, die profitieren würden. Und es würde zu einer Belebung des Ortes führen.“ (Lesen Sie hier: Therme-Neubau in Bad Salzschlirf? Bürgermeister Kübel: „Wir sind auf einem guten Weg“)

Vor Beginn des Ukraine-Krieges sei die Lage aussichtsreich gewesen, berichtete der Rathauschef: „Zum Jahresauftakt gab es relativ viel Licht am Ende des Tunnels. Wir waren sehr, sehr weit bei der Besprechung der Verträge gekommen.“ Mit Ausbruch des Krieges habe sich das geändert, weil das Konzept, das 2019 vorgestellt worden war, „voll auf das Thema Gas setzt“. Dies habe dazu geführt, dass das Energiekonzept jetzt von Grund auf überarbeitet werden müsse. „Aufgrund der Preissteigerungen reden wir ohnehin nicht mehr von 24,5 Millionen Euro.“

Video: Energienot macht erfinderisch: ungarische Thermen kämpfen mit der Krise

Jetzt stehe zudem die Gefahr im Raum, dass die Gaspreise die Pacht auffressen könnten. „Deshalb müssen wir nachjustieren. An diesem Punkt befinden wir uns jetzt, und deshalb vermelde ich heute noch keinen Vollzug.“ Vor diesem Hintergrund sei die Tatsache, dass noch keine Entscheidung in Sachen Therme getroffen worden sei, sogar ein Glücksfall, sagte Kübel: „Ich muss Ihnen ganz offen sagen: Ich bin froh, dass wir noch keine Therme haben und wir im Herbst noch keine Verträge geschlossen haben. Dann hätten wir den Energieträger Gas und eine hohe Baupreisentwicklung.“

Aus den Reihen der rund 60 Bürgerinnen und Bürger gab es auch kritische Stimmen. „Gibt es überhaupt einen Bedarf? Wurde das mal ermittelt?“, wollte ein Mann wissen. „Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die den volkswirtschaftlichen Nutzen herausarbeitet. Da steht eine nennenswerte Summe von etwa vier Millionen Euro im Raum“, so Kübel. Auch gebe es einen starken Zusammenhang zwischen dem Schließen der Therme und der Frequenz in den Geschäften und einem Rückgang von etwa einem Viertel bei den Übernachtungszahlen. „Das ist eine Menge.“

Ein weiterer Bürger kritisierte, dass die Bevölkerung nie gefragt sei, ob sie die Therme überhaupt wolle. „Weil ich noch nicht weiß, an welchem Punkt wir uns befinden und was genau auf uns zukommt“, rechtfertigte sich Kübel. Doch es gab auch positive Wortmeldungen. Ein Bürger fand: „Salzschlirf ohne eine Therme ist ein toter Ort.“

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