Fulda: Der kreuzende Radweg führt in der Kurve über die L3139, hier Richtung Kreuzung zum Westring, wo die Straße für den Radfahrer kaum einsehbar ist.
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Der kreuzende Radweg führt in der Kurve über die L3139, hier Richtung Kreuzung zum Westring, wo die Straße für den Radfahrer kaum einsehbar ist.

Nahe Haimbach

Radweg kreuzt Straße in Kurve: Verkehrswacht fordert Tempo 70 - „Es geht hier um Menschenleben“

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Auf der L3139 darf zwischen Mittelrode und Haimbach, aus Mittelrode kommend, kurz vor der Kreuzung zum Westring Tempo 100 gefahren werden – obwohl dort in der Kurve ein Radweg kreuzt. Die Stadt schätzt die Stelle als sicher ein, ADFC und Verkehrswacht widersprechen.

Fulda - Ein Leser hatte unsere Redaktion auf eine gefährliche Querungsstelle für den Fahrradverkehr zwischen Mittelrode und Haimbach aufmerksam gemacht: Dort endet der Schotterweg abrupt an der L3139.

Aus beiden Richtungen dürfen die Autos mit 100 Kilometern pro Stunde angerauscht kommen. Sichtbar sind sie erst kurz bevor sie sich auf Höhe des Radweges befinden, weil die Straße an der Stelle eine Kurve macht. Etwa 50 Meter weiter die Straße runter, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, führt der Weg weiter. Der Leser empfindet die Stelle als gefährlich, gerade für Kinder auf dem Rad.

Fulda: Gefährliche Stelle für Radfahrer an der L3139? Das sagen Experten

Obwohl diese Querungsstelle aus Fahrrad- und Fußgänger-Perspektive sehr gefährlich wirkt, sei sie der Stadt Fulda nicht als Unfallpunkt bekannt, erklärt Johannes Heller von der Magistratspressestelle. „Außerorts gibt es nur wenige Querungsstellen des Radverkehrs, weil hier kaum Verknüpfungen zwischen radverkehrsrelevanten Quellen und Zielen bestehen und ein Queren von Außerortsstraßen nötig machen. Meist verlaufen die Radwege parallel zu den Landes-, Kreis- oder Bundesstraßen.“ (Lesen Sie auch: Bund unterstützt Ausbau des Radnetzes im Kreis Fulda)

Zu der Stelle an der L3139 sagt der Stadtsprecher außerdem: „Bei der Planung und Umsetzung der städtischen Radwegweisung ist seinerzeit bei einem Ortstermin von Verkehrsplanung, Verkehrsbehörde und Polizei die Querungsstelle begutachtet worden, vor allem unter dem Aspekt Verkehrssicherheit.“ Damals habe man die Stelle als ungefährlich bewertet.

Dennoch habe die Verkehrsbehörde im Anschluss an die Begutachtung der Stelle angeordnet, Schilder mit Warnhinweisen vor kreuzendem „Fahrradverkehr“ aufzustellen. „Sollte sich die Querungsstelle als Gefahrenpunkt erweisen, kann die Verkehrsbehörde zusätzlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung anordnen“, sagt Heller.

Weil es sich bei der L3139 um eine Landesstraße handelt, ist das Land Hessen als Straßenbaulastträger zuständig für den baulichen Zustand, die Fuldaer Verkehrsbehörde hingegen für die verkehrsregelnde Beschilderung. Für den Radweg an der L3139 bedeutet das aus Sicht der Stadt: Solange sich dort keine Unfälle häufen, besteht keine Gefahr.

Anders sieht das die Fuldaer Verkehrswacht, vertreten durch Gerhard Brink, und der ADFC Fulda, für den Wolf-Ulrich Schlösser als Vorsitzender spricht. Beide sagen, dass es sich bei der Stelle um eine „potenziell hochgefährliche Stelle“ handelt, weil die Sicht durch die Kurve in beide Richtungen sehr begrenzt ist.

Der kreuzende Radweg führt in der Kurve über die L3139, hier mit Blick Richtung Mittelrode, wo die Straße für den Radfahrer kaum einsehbar ist.

Brink und Schlösser sehen in der Beschilderung an der Stelle ein Tricksen beziehungsweise „Pfuschen“ der Stadt: Diese habe den Weg als Gehweg ausgeschildert und für den Fahrradverkehr freigegeben, um den Weg zum Radwegenetz zählen zu können, das zum vom Stadtparlament beschlossenen Konzept vom Januar 2021 gehört, um gleichzeitig zu vermeiden, die Stelle vollständig ausbauen zu müssen.

Für diesen Fall müssten die Standards für Querungsstellen an Landstraßen eingehalten werden, „die den Wechsel auf den außerorts einseitigen Radweg sichern“, erklärt Schlösser vom hiesigen ADFC, der erst vor kurzem einen „Parking Day“ in der Fuldaer Innenstadt veranstaltet hatte. Dies aber würde bedeuten, dass die Stadt einen breiten Radweg ausbauen müsste. Nach Angaben von Brink bräuchte er eine Breite von drei Metern. Zudem müsste eine rote Bodenmarkierung die Querungsstelle für den Verkehr auf der L3139 anzeigen. „Kurzfristig brauchen wir hier sofort eine Geschwindigkeit von 70 für die Autos – schließlich geht es hier um Menschenleben.“

Brink rechnet vor, dass die Sicht in beide Richtungen zu gering ist, um einen Radfahrer an der Querungsstelle bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern rechtzeitig zu sehen, zu reagieren und dann anzuhalten. „Hier fahren alle, ohne damit zu rechnen, dass jemand quert oder in der Fahrbahnmitte fährt“, erklärt Brink.

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Bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung läuft er die Linie nach, die kurz zuvor ein Radfahrer genommen hat, um aus Richtung Mittelrode wieder auf den Schotterweg zu wechseln: Der ist, um links auf den Gehweg abbiegen zu können, nämlich in der Mitte der Fahrbahn gefahren. „Die Autos halten dann meist nicht an, und wenn man den Gegenverkehr durchlassen muss, fahren sie hinter einem vorbei.“

Zu beiden Seiten führen neben dem ungeschützten Radfahrer dann Autos, was Brink für gefährlich hält. „Besser ist es, auf der Seite zu bleiben, von der man gekommen ist, und das Fahrrad zum Überqueren der Straße zu schieben“, empfiehlt er. Auch Schlösser spricht sich gegen das Linksabbiegen in der Kurve aus: „Radfahrenden, die aus Mittelrode kommend entlang der Landstaße fahren, raten wir unbedingt ab, auf diesen Gehweg zu wechseln, besser, sie bleiben auf der Straße.“

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