Im Bandendiebstahl-Prozess in Fulda sind die Urteile verkündet worden.
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Im Bandendiebstahl-Prozess in Fulda sind die Urteile verkündet worden.

12.400 Euro Beute

Viermal Haftstrafe, einmal Bewährung: Urteile in Prozess um achtfachen Bandendiebstahl sind gesprochen

  • vonAnja Hildmann
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Vor etwa drei Wochen war das Verfahren gegen sechs Angeklagte, die des schweren Bandendiebstahls in acht Fällen beschuldigt wurden, gestartet. Dienstagvormittag wurden die letzten Urteile gesprochen.

Fulda - Es war der sechste Prozesstag im improvisierten Gerichtssaal im Polizeipräsidium Osthessen in Fulda. Die Urteile von fünf der sechs Angeklagten standen noch aus. Der Vorsitzende Richter Joachim Becker verkündete sie gleich zu Beginn des Verhandlungstages: Alle fünf Männer sind des schweren Bandendiebstahls schuldig gesprochen worden – einer in acht Fällen, einer in fünf Fällen, die übrigen drei in jeweils drei Fällen.

Hintergrund waren acht Diebstähle, die nach Überzeugung der Zweiten Großen Strafkammer im Juli, August und September 2020 in Fulda, Eichenzell, Kassel und Lohfelden von den Angeklagten arbeitsteilig und bei telefonischer Absprache durchgeführt wurden. Dabei hatten sie Bekleidung, Schuhe, Taschen, Spirituosen, Kaffee, Energy-Drinks, Bohrmaschinen und Sicherheitskameras erbeutet, teilweise weiterverkauft und teilweise für den Eigenbedarf behalten. Den Erlös hatten sie untereinander aufgeteilt.

Fulda: Landgericht verurteilt vier von fünf Angeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen

Für zwei Männer endete der Prozess mit einer Freiheitsstrafe von jeweils drei Jahren. Dabei handelt es sich um die höchsten Strafen, die am Dienstag verhängt worden sind. Sie liegen jedoch drei Monate unter der Strafe des Angeklagten, der bereits vor zwei Wochen verurteilt wurde. Sein Verfahren sei aus terminlichen Gründen vom großen Verfahren abgetrennt worden. Laut Gericht wurde zwei Männern positiv angerechnet, dass sie geständig gewesen sind, bereits mehrere Monate unter Bedingungen der Corona-Pandemie in Untersuchungshaft verbracht haben und die Beute in einem Fall sichergestellt worden ist. Strafverschärfend haben allerdings die Vorstrafen der Beschuldigten gewirkt.

Drei Beschuldigte waren zum Zeitpunkt der Taten Heranwachsende gewesen und wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt. Der Angeklagte, der nach Überzeugung des Gerichts als einziger an allen acht Taten beteiligt gewesen war, erhielt eine Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten, denn er habe eine aktive Rolle bei den Straftaten eingenommen. Der Jüngste erhielt eine Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, wobei 40 Tage als bereits verbüßt gelten. Er hatte zuletzt vor Gericht betont, sich aus persönlicher Not an den Straftaten beteiligt zu haben. „Ich hatte nichts zum Anziehen und nichts zu Essen. Was hätte ich tun sollen?“, sagte er unter Tränen.

Bandendiebstahl: Nach umfassendem Geständnis erhält ein Angeklagter Bewährungsstrafe

Nur einer der insgesamt sechs Angeklagten erhielt eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Er habe als einziger keine Vorstrafen und früh ein voll umfassendes Geständnis abgelegt. Dabei habe er laut einer Polizeibeamtin, die vergangene Woche als Zeugin ausgesagt hatte, weiterhin einen Diebstahl gestanden, der in den Ermittlungen zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt gewesen sei.

Der Angeklagte habe zwar an fünf Taten mitgewirkt, jedoch sei die Beute in zwei Fällen mit 50 und etwa 280 Euro vergleichsweise gering gewesen. Außerdem habe er einen festen Wohnsitz bei seiner Schwester in Großbritannien und eine Arbeitsstelle in Aussicht. „Seine Verhältnisse stehen gut für einen Neuanfang in Großbritannien. Diese Chance soll er bekommen“, erklärte Richter Becker. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Der Haftbefehl des Angeklagten wurde ausgesetzt. Die Haftbefehle der anderen vier Männer bleiben gültig, denn es bestehe weiterhin Fluchtgefahr.

Der Gesamtschaden der Beutezüge wurde von der Zweiten Großen Strafkammer auf rund 12.400 Euro geschätzt und liegt damit unter dem Wert von mehr als 20.000 aus der Anklageschrift.

Kein simpler Ladendiebstahl: Richter Joachim Becker sieht organisierten Bandendiebstahl

Richter Becker berief sich auch auf die Aussagen der Verteidiger von vergangener Woche, dass es sich lediglich um Ladendiebstahl gehandelt habe, und bemerkte: „Es ist zwar Diebstahl im Laden, aber nicht Ladendiebstahl, sondern organisierter Bandendiebstahl.“ Dafür sprächen die vermeintlichen Absprachen unter den Tätern und die routinierte Planung der Taten sowie die hohe Tatfrequenz.

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