Ein Messerstecher sticht mit Messer, Polizei, Blaulicht
+
Ein 18-Jähriger muss sich in Fulda wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten.

18-Jähriger vor Gericht

Opfer verliert nach Dolch-Attacke fast zwei Liter Blut - Streit auf sozialen Medien eskaliert

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
    schließen

Wegen versuchten Totschlags steht ein 18-Jähriger vor dem Landgericht Fulda. Er soll auf einen anderen 18-Jährigen eingestochen haben. Womöglich muss sich der Jugendliche aus Bermutshain allerdings für versuchten Mord verantworten.

Fulda - „Die Nebenklage hat einen entsprechenden Hinweis an die Kammer gegeben, dass eine Verurteilung wegen versuchten Mordes aufgrund von Heimtücke erfolgen solle. Wir werden das prüfen“, erklärte der Vorsitzende Richter Joachim Becker zu Beginn der Verhandlung.

Laut Staatsanwältin Dr. Christine Seban soll sich der Vorfall am 28. April dieses Jahres so ereignet haben: Ein zum Tatzeitpunkt 17-jähriger Zeuge habe zusammen mit seiner damals 15-jährigen Freundin und dem 18-jährigen Geschädigten gegen Abend die Wohnung der damals 22-jährigen Freundin des Angeklagten in Fulda aufgesucht. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich auch der Angeklagte dort auf. Die drei wollten einen seit einer Woche schwelenden Streit schlichten, der bislang nur über die sozialen Medien geführt wurde. Die Freundin öffnete die Tür nach anfänglichem Zögern und schrie das Trio bereits im Flur an, „sie sollen sich verpissen“, woraufhin die Zeugen entgegneten, dass man nur reden wolle.

Opfer verliert nach mutmaßlicher Attacke mit Dolch fast zwei Liter Blut

Nun kam auch der Angeklagte aus der Wohnung seiner Freundin, zog einen Dolch mit 17 Zentimeter langer, beidseitig geschliffener Klinge, bewegte sich eilig auf das Trio zu und führte einen gezielten Stich in Bauchhöhe aus, welcher dem 17-Jährigen galt. „Dabei nahm der Angeklagte den Tod des Zeugen zumindest billigend in Kauf“, merkte die Staatsanwaltschaft an.

Der Stich verfehlte sein Ziel, der Geschädigte schrie „Digger, beruhig’ dich!“ und versuchte, dem Angeklagten das Messer zu entwenden. Dies gelang ihm jedoch nicht, woraufhin der Angeklagte den Geschädigten packte und gezielt in den Oberkörper sowie in die Leistengegend stach. Erst als der Geschädigte zusammenbrach, ließ der Angeklagte von ihm ab und floh, wurde jedoch bereits am selben Abend von der Polizei festgenommen.

Der Geschädigte wollte laut Anklage einen Streit schlichten

Die Verletzungen des Geschädigten, welche die Staatsanwaltschaft skizzierte, waren schwer. Er erlitt unter anderem eine sechs bis acht Zentimeter lange, klaffende Wunde im Brustkorb. Der Stich sei mit einer solchen Wucht ausgeführt worden, dass dabei eine Rippe angebrochen und eine Arterie verletzt wurde. Hierdurch habe der Geschädigte fast zwei Liter Blut verloren. Der zweite Stich, 13 Zentimeter tief, verletzte ebenfalls eine Arterie im Genitalbereich, was zu weiterem massiven Blutverlust geführt habe. Weil die Verletzungen lebensgefährlich waren, musste er noch in der Nacht notoperiert werden. Es folgte ein mehr als zwei Wochen andauernder Krankenhausaufenthalt.

Als der Vorsitzende Richter Becker den Angeklagten fragte, ob er Angaben zur Sache machen wolle, ergriff Verteidiger Hans J. Hauschild das Wort. Das psychiatrische Gutachten liege noch nicht schriftlich vor, die Verteidigung habe daher auch keine Kenntnis über den Sachstand. „Ich kann so nicht verteidigen“, stellte Hauschild fest und beantragte, die Verhandlung vorerst auszusetzen, bis das Gutachten schriftlich vorliegt.

Verhandlung wird am Montag fortgeführt

Dem schlossen sich auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage an. Nebenklagevertreter Ralf Kuhn sagte: „Wir möchten ein Urteil, das nicht angreifbar ist.“ Es sei zu erwarten, dass die Verteidigung eine entsprechende Rüge vorbringe. Auch spiele das Gutachten für die Zeugenvernehmung vermutlich eine Rolle.

Nach kurzer Beratung gab die Kammer dem Antrag statt. Bei dem Gutachten habe es einen Kommunikationsfehler gegeben. Die Bedenken, so Richter Becker, „lassen sich nicht von der Hand weisen“.

Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt. Dann, so die Ankündigung der Verteidigung, werde sich auch der Angeklagte zur Tat äußern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema