125 Jahre Fuldaer Geschichtsverein
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Gerhard Möller (links), Heiko Wingenfeld (rechts) und Gastredner Siegfried Weichlein (Dritter von rechts) freuen sich mit den neuen Trägern der Cuno-Raabe-Plakette (weiter von links) Thomas Schmitt, Thomas Heiler, Thomas Martin und Gregor Stasch.

Cuno-Raabe-Plakette

Fuldaer Geschichtsverein wird 125 - Hohe Auszeichnung für vier verdiente Mitglieder

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Sein 125-jähriges Bestehen hat der Fuldaer Geschichtsverein am Donnerstag im Fürstensaal im Stadtschloss gefeiert. Vier Vorstandsmitglieder haben ihn über Jahre begleitet und sind mit der Cuno-Raabe-Plakette ausgezeichnet worden.

Fulda - „Die Fuldaer Stadtgeschichte und das Stadtlexikon wären ohne Sie nicht denkbar gewesen.“ Dieser Satz fiel sinngemäß bei allen vier Auszeichnungen. Der Vorsitzende des Fuldaer Geschichtsvereins, Gerhard Möller, würdigte damit jedoch nur ein Verdienst unter vielen von Dr. Thomas Schmitt, Dr. Thomas Heiler, Dr. Gregor Stasch und Thomas Martin.

Gemeinsam ist den vier neuen Trägern der Cuno-Raabe-Plakette, die einst als Auszeichnung zum 100-jährigen Bestehen des Geschichtsvereins gestiftet worden war, zudem die lange Tätigkeit im Vorstand des Vereins.

Fulda: Geschichtsverein feiert 125-jähriges Bestehen

Dr. Thomas Schmitt, Herausgeber unserer Zeitung, habe das Profil des Vereins über Jahre wesentlich mitgeprägt. „Ihr Verlag steht seit über einem Jahrhundert in enger Verbindung zum Geschichtsverein“, sagte Möller und spielte so auf die Veröffentlichungen in der Fuldaer Zeitung und in Parzellers Buchverlag an.

Den Leiter des Kulturamtes der Stadt Fulda, Thomas Heiler, lobte Möller indes als bedeutenden Autor – auch des Einzelwerks der „Kleinen Fuldaer Stadtgeschichte“ – sowie als Organisator von Vorträgen und Veranstaltungen. Die Verknüpfung zwischen Vorstands- und Geschäftsführertätigkeit sei durchaus segensreich. (Lesen Sie hier: Stadtarchivar Thomas Heiler beleuchtet in neuem Buch die Geschichte Fuldas - Vielfalt abseits barocker Pracht)

Seit 2004 gehört Dr. Gregor Stasch dem Vorstand des Vereins an. Der einstige Leiter des Vonderau Museums und Autor (kunst-)historischer Kataloge habe sich besonders um die Kunst- und Architekturgeschichte Fuldas sowie als Experte für die Historie des Porzellans in der Region verdient gemacht.

Großes Engagement, hohe Kompetenz und wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit attestierte Möller schließlich Thomas Martin, der sich schon früh mit der Regionalgeschichte befasst habe. Verdient gemacht habe er sich aber vor allem als Redakteur der Fuldaer Geschichtsblätter und weiterer Publikationen.

Cuno-Raabe-Plakette an vier Personen verliehen

Zuvor hatte Professor Dr. Weichlein Siegfried Weichlein – gebürtiger Thalauer und Historiker an der Universität Fribourg (Schweiz) – einen Festvortrag unter dem Titel „Geschichtsverein – Erinnerung – Wissenschaft – Wo hat Regionalgeschichte Ihre Heimat?“ gehalten. Mitunter mit einem Augenzwinkern legte er die Historie von Geschichts- und Heimatvereine seit Beginn des 19. Jahrhunderts dar. Immer wieder hätten diese ihre Blicke auf die Räume und soziale Gefüge neu ausrichten müssten. „Erinnerung sucht sich wie Wasser eigene Wege – auch unvermutete und welche gegen Widerstände“, fasste er seine Ausführungen zusammen.

Hätten die Blickwinkel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch stark unter dem Einfluss der zerfallenden Kleinstaaten und der Suche nach Loyalitäten und Identitäten in neuen Gebilden gestanden, so seien mit der Reichsgründung zunehmend neue Raumbilder geschaffen worden. In Fulda habe die Betrachtung regionaler Geschichte stark den Kulturkampf in den Blick genommen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätten dann weniger die bürgerlichen Geschichtsvereine, sondern viel mehr die Heimatvereine einen großen Zulauf verzeichnet. Das sei vor allem der Fall gewesen, weil sie die lokalen Besonderheiten und den Volkscharakter in den Blick genommen hätten.

Oberbürgermeister würdigt Geschichtsverein

Einen weiteren Wandel machte Weichlein im Fulda der Nachkriegszeit aus. Mit der Lage im Zonenrandgebiet, in Westdeutschland und geografisch dennoch mitten in Europa, sei eine neue Erzählung benötigt worden. Somit sei Bonifatius als eine europäische Identifikationsfigur in den Blick genommen worden. Beachtung finde seit den 1970er Jahren die Heimatgeschichte zudem in den „Geschichtswerkstätten“ im Denkmalschutz und auch in Museen, so der Historiker.

Eine besondere Würdigung erfuhr der Geschichtsverein während des Festaktes, der von Svea Gutmann, Leo Lichtermann und Erik Oldenburg musikalisch mitgestaltet wurde durch OB Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). Wie Möller rückte er das bürgerliche Engagement von den Vereinsgründern bis zu den heutigen Mitgliedern in den Blick.

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