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Bistum Fulda: Alt-Oberbürgermeister Gerhard Möller leitet Aufarbeitungskommission

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Der frühere Oberbürgermeister Gerhard Möller wird die Aufarbeitungskommission leiten, die sich im Bistum Fulda mit Missbrauchsfällen befasst.
Der frühere Oberbürgermeister Gerhard Möller wird die Aufarbeitungskommission leiten, die sich im Bistum Fulda mit Missbrauchsfällen befasst. © Archiv Fuldaer Zeitung; Silas Stein/dpa

Im Bistum Fulda sollen die Fälle von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche im Zeitraum von 1946 bis heute aufgearbeitet werden. In der dazu gegründeten Kommission wurde nun ein Vorstand gewählt, dem als Sprecher auch der frühere Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller angehört.

Fulda - Die unabhängige Kommission im Bistum Fulda geht weitere Schritte zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und dem Umgang von Verantwortungsträgern mit den Fällen aus der Vergangenheit. Wie das Bistum in einer Pressemitteilung erklärt, habe die Kommission ihre Arbeitsweisen und Schwerpunkte festgelegt und einen Vorstand gewählt. Ihre Arbeit hatte die Aufarbeitungskommission im Januar aufgenommen.

Sprecher der Kommission und des dreiköpfigen Vorstandsteams ist der langjährige Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller. Zudem sind Edith Jordan und Philip Zmyj-Köbel im Vorstand. Möller war, bevor er das Amt des Oberbürgermeisters übernahm, Erster Kreisbeigeordneter in Fulda. Der Jurist gehört zu den Mitgliedern, die auf Vorschlag der Landesregierung in der Kommission vertreten sind.

Edith Jordan ist Diplom-Sozialpädagogin und Jugendamtsleiterin des Landkreises Fulda. Philip Zmyj-Köbel ist Direktor des Amtsgerichtes Schwalmstadt. „Er bringt unter anderem Erfahrungen als Vorsitzender Richter einer Großen Strafkammer sowie als Oberstaatsanwalt mit. Im Diözesanvermögensverwaltungsrat und Kirchensteuerrat ist er ehrenamtlich in der Kirche aktiv“, schreibt das Bistum zu seiner Person.

Fulda: Sexualisierte Gewalt im Bistum - Alt-Oberbürgermeister leitet Kommission

Arbeitsschwerpunkte der neuen Kommission sollen vor allem Gespräche mit Betroffenen und das Sichten von Akten sein. Die Perspektive der Betroffenen sollen Sebastian Dickhut und Stephan Auth in die Aufarbeitung einbringen. Laut des Bistums hätten sie sich bereit erklärt, für den gemeinsamen Betroffenenbeirat der Bistümer Fulda, Limburg und Mainz in der Aufarbeitungskommission mitzuwirken.

Weitere Mitglieder der Aufarbeitungskommission sind der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Schwerpunkt Forensische Psychiatrie, Dr. Martin Flesch aus Veitshöchheim; die Sozialarbeiterin, Gestalttherapeutin, Juristin und ehemalige Frauenbeauftragte der Stadt Fulda, Hildegard Hast, und Bernhard Riehl aus Fritzlar.

Der Richter a. D. ist wie Möller auf Vorschlag der Landesregierung in die Kommission berufen wurde. Als einzig hauptberuflich beim Bistum Fulda Beschäftigter gehört darüber hinaus der Historiker Christof Ohnesorge in seiner Funktion als Mitarbeiter des Diözesan-Archivs der Aufarbeitungskommission an.

Kriminalbeamten sollen Kommission bei Aufarbeitung unterstützen

In Zusammensetzung und Arbeitsweise orientiert sich die Kommission laut des Bistums an den „verbindlichen Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland.“ Diese wurden vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung und der Deutschen Bischofskonferenz im April 2020 verabschiedet.

Die Kommission trifft sich monatlich. Um die Schwerpunkte konzeptionell bearbeiten zu können, habe sie sich in einer der letzten Sitzungen in zwei Untergruppen aufgeteilt: Die Arbeitsgruppe „Betroffene hören“ soll Angebote unterbreiten, damit unmittelbar und mittelbar Betroffene Erlebnisse und Erfahrungen darstellen können. Die Kommission hatte in der Vergangenheit bereits mit dem Sichten der Akten begonnen. Die Arbeitsgruppe „Akteneinsicht“ soll nun im ersten Schritt ein Projektdesign entwickeln, mit dem die Akten im Bistum Fulda strukturiert und zielführend eingesehen und durchgearbeitet werden können.

„Dabei werden pensionierte, erfahrene Kriminalbeamte die Kommission mit ihren Kompetenzen in der Aktenarbeit unterstützen“, heißt es in der Bistums-Mitteilung. Und weiter: „Die Aufarbeitungskommission arbeitet unabhängig. Sie kann entscheiden, ob sie externe Dienstleister für ihre Arbeit hinzuzieht. Das könnten zum Beispiel juristische Beratungen sein oder etwa Dienstleistungen in der Aktenaufarbeitung. Untersucht wird dabei der Zeitraum von 1946 bis heute.“

Für Betroffene von sexualisierter Gewalt gibt es neben der Kommission auch zwei unabhängige Ansprechpartner im Bistum Fulda. Kontakte zu diesen Ansprechpartnern sowie weitere Informationen rund um die Themen Aufarbeitung, Prävention und Intervention hat das Bistum auf der Website „www.hinsehen-handeln-bistum-fulda.de“ zusammengestellt. (akh)

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