Das Glasfaser-Netz in Fulda wird bald ausgebaut. (Symbolfoto)
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Das Glasfaser-Netz in Fulda wird bald ausgebaut. (Symbolfoto)

Schneller surfen

Landrat Woide will Glasfaser in jedem Haus im Kreis Fulda - Was das kostet und wie lange es dauert

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Jeder Haushalt im Landkreis Fulda soll in einigen Jahren einen Glasfaseranschluss erhalten und damit mit einer Geschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde im Internet surfen können. Dieses Ziel ruft Landrat Bernd Woide (CDU) aus.

Kreis Fulda - „Glasfaser für jeden Haushalt – das ist ein ganz dickes Brett. Das werden wir nicht binnen fünf Jahren erreichen. Vielleicht brauchen wir 10 bis 15 Jahre. Aber wir müssen die Diskussion, was unser Landkreis braucht, jetzt beginnen“, sagt Bernd Woide unserer Zeitung.

Mit großem Aufwand hat der Landkreis Fulda in den vergangenen Jahren auch kleine Dörfer und entlegene Weiler an das schnelle Internet angeschlossen. Dazu wurde Glasfaser an die Kabelverzweiger, also die grauen Kästen am Straßenrand, verlegt. Von den Kästen bis zu den Häusern werden die bestehenden Kupferkabel genutzt. 96 Prozent aller Haushalte im Landkreis Fulda können jetzt mit 100 Megabit pro Sekunde oder mehr surfen. Bis zu 250 Megabit können über die Kupferkabel übertragen werden. „Wenn ich mehr will, brauche ich Glasfaser bis ins Haus. Alle Experten gehen davon aus, dass der Bedarf stark wachsen wird“, sagt der Landrat.

Fulda: Glasfaser in jedem Haus in Fulda - So hoch wären die Kosten

In Bereichen, in denen sich der Ausbau für die Anbieter lohnt, beginnt das Gigabit-Zeitalter schon jetzt. In Teilen der Fuldaer Innenstadt verlegt die Telekom Glasfaser bis ins Haus. 7000 Haushalte sollen bis zum ersten Quartal 2022 angeschlossen werden. Weil sich dieser Ausbau für die Telekom lohnt, nennt sich dieser Ausbau „marktgetrieben“.

Glasfaser in jedem Haus gibt es schon in der Gemeinde Eichenzell, die einen eigenen Weg ging. Hier hat ein Eigenbetrieb der Gemeinde rund elf Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) investiert.

Außerhalb der großen Städte lohnt sich der Ausbau für die Anbieter nicht – es sei denn, sie erhalten Zuschüsse. Deshalb hat der Landkreis Fulda die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet selbst in die Hand genommen – und zwar schon früh.

Woide: Die Versorgung mit schnellem Internet ist eine öffentliche Aufgabe

Im Jahr 2011 beauftragte der Kreis den Energieversorger ÜWAG (heute RhönEnergie) mit dem Ausbau. Das Netz ging später an die Deutsche Telekom über, die dann den Landkreis fast flächendeckend mit Internet mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde versorgte. Das ist abgeschlossen. Klagen über lahmes Internet sind selten geworden – obwohl das Netz in der Pandemie von Firmen, Arbeitnehmern und Schulkindern stark genutzt wurde.

Wenn es nach Landrat Woide geht, soll der Kreis nun die nächste Ausbaustufe anpacken – Glasfaser in jedes Haus. „Es geht im Kern darum, ob und wie wir den ländlichen Raum stärken wollen. Unternehmen, die keinen Gigabit-Anschluss haben, werden bald ins Hintertreffen geraten. Auch derjenige, der im Home-Office arbeitet, wird in einigen Jahren einen Gigabit-Anschluss brauchen“, so Woide.

Bisher hohe Zuschüsse

Für die Versorgung der Fläche mit schnellem Internet hat der Landkreis in der Vergangenheit hohe Zuschüsse erhalten.

Für den flächendeckenden Ausbau ab 2016 sowie die Versorgung der Schulen mit Glasfaseranschlüssen gab der Kreis 19 Millionen Euro aus. 5,1 Millionen kamen aus der Kreiskasse, 13,9 Millionen Euro (73 Prozent) gab es als Zuwendung von Bund und Land.

Derzeit läuft ein weiteres Förderprogramm: Für drei Millionen Euro werden 120 weit entfernte Gehöfte angeschlossen. Das soll, so der Landkreis, 2022 abgeschlossen sein. Von den drei Millionen Euro trägt der Kreis 300 000 Euro, 2,7 Millionen (90 Prozent) kommen als Zuschuss von Bund und Land.

Die Versorgung mit schnellem Internet sei eine öffentliche Aufgabe – wie die Stromversorgung, erklärt der Landrat. „Hier geht es um Strukturpolitik. Der Staat hat eine besondere Verantwortung für den ländlichen Raum. Wenn wir die Bevölkerung hier halten wollen, dann müssen wir etwas für dieses Ziel tun.“

Auch der Bund und das Land hätten das Ziel einer Gigabit-Versorgung ausgerufen. „Wir im Landkreis haben die Aufgabe des Internetausbaus bisher ordentlich gemacht. Aber wir dürfen nicht stehen bleiben. Unser Ziel ist der Glasfaseranschluss für jeden Haushalt, auch wenn das bei uns viel schwieriger ist als in Ballungsgebieten. Die Diskussion müssen wir jetzt führen, damit wir wissen, was wir wollen, wenn es ab Januar 2023 wieder Fördermittel vom Bund gibt.“

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Damit jedes Haus Glasfaser erhalten kann, muss in jeder Straße ein Graben gezogen werden. Das ist teuer. „Verlässliche Kostenschätzungen gibt es noch nicht. 300 bis 400 Millionen Euro Gesamtkosten halte ich für realistisch“, sagt Woide. „Das ist ein Riesenunterfangen. Was es am Ende tatsächlich kostet, wissen wir nicht. Aber es wird viel sein. Wir werden es nicht ohne Zuschüsse aus Berlin und Wiesbaden schaffen. Bisher waren die Ausgaben des Landkreises für den Ausbau überschaubar. In Zukunft wird der Kreis für diese Aufgabe mehr aufbringen müssen.“

Woide schlägt vor, dass sich der Kreistag in absehbarer Zeit grundsätzlich mit der Frage beschäftigt. Auch mit den Städten und Gemeinden will Woide sprechen. „Die Diskussion ist notwendig. Die Aufgabe zu schultern, bedeutet eine Belastung des Kreishaushalts – aber es ist eine Investition, die uns insgesamt voranbringt.“

Die Frage, ob Privathaushalte für einen Glasfaseranschluss zahlen müssen, ist dabei noch nicht geklärt. In der Vergangenheit war der Anschluss kostenlos.

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