Schaulustige hinter Absperrband
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Der Lagerhallen-Brand in der Christian-Wirth-Straße hat zahlreiche Schaulustige angelockt.

In Richtung Feuer „gepilgert“

Der Großbrand in Fulda zog viele Schaulustige an - Anwohnerin spricht von „Gafferei“

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
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Dunkle Rauchschwaden stiegen am Montagabend über dem Fuldaer Stadtteil Kohlhaus auf und waren weithin zu sehen. Bei dem Großbrand der Lagerhallen war die Feuerwehr schnell vor Ort. Ihr dicht auf den Fersen: zahlreiche Schaulustige. Manche sind offenbar extra zum Ort des Geschehens hingefahren.

Fulda-Kohlhaus - „Ich habe für einen Moment gedacht, ich sehe nicht richtig“, beschreibt Sabine Wischumerski den Moment, als sie am Montagabend gegen 20 Uhr aus ihrem Wohnhaus in der Straße Am Zollhaus trat. Die Straße ist durch einen Weg direkt mit der Christian-Wirth-Straße verbunden, in der etwa eine halbe Stunde zuvor der Lagerhallen-Brand ausgebrochen war.

Deutlich mehr Autos als sonst seien in der Straße geparkt gewesen. „Durch die Sirenen hatte ich mitbekommen, dass das Feuer bei uns in der Nähe ist. Aber es hat einen Moment gedauert, bis ich verstanden habe, dass all diese Leute wegen des Brandes angefahren sind“, berichtet die 38-Jährige.

Feuer in Lagerhallen in Fulda-Kohlhaus: Schaulustige sind in Richtung Brandort „gepilgert“

Gerade in der ersten halben Stunde, nachdem die ersten Einsatzkräfte angerückt waren, seien zahlreiche Menschen, teilweise mit ihren Kindern, zu Fuß oder mit dem Rad, in Richtung Brandort „gepilgert“, um sich das Feuer anzusehen.

Erschreckend, wie die Anwohnerin findet – immerhin hätte die Situation vor Ort auch eine andere sein können. „Die Leute waren wie eine Herde Schafe in Richtung Feuer unterwegs. Wenn Menschen in dem Gebäude gewesen wären und schnell Hilfe gebraucht hätten, dann hätte diese Gafferei ganz schnell die Rettungskräfte behindern können.“

Polizei: Einsatzort wurde weiträumig abgesperrt

Dies sei, wie Polizeipressesprecher Dominik Möller betont, glücklicherweise nicht der Fall gewesen, da die Polizei den Brandort nach ihrer Ankunft weiträumig abgesperrt hatte.

Vonseiten der Feuerwehr bestätigt der Fuldaer Feuerwehrchef Thomas Helmer: „Es war eine nicht unerhebliche Anzahl von Leuten da, die größtenteils versucht haben, den Abstand zum Brandort einzuhalten.“ Vor allem der Absperrung durch die Polizei sei es zu verdanken gewesen, dass es zu keinen Behinderungen der Löscharbeiten gekommen sei.

Die Anwohner der Straße Am Zollhaus hatten schließlich selbst noch versucht, die Zuschauer abzuhalten: Ein Nachbar stellte seinen VW-Bus quer, um den Zuschauerstrom zumindest ein wenig einzuschränken. „Das war wichtig. Denn die Autofahrer haben beim Rangieren mit dem Wagen beinahe noch Unfälle verursacht“, sagt Wischumerski.

Doch nicht nur in Fulda-Kohlhaus hatte es am Montagabend gebrannt, sondern auch in Petersberg-Steinau. Dort stand eine Scheune in Flammen. Nur eine Woche nach diesen beiden Bränden hat es auch in Hünfeld und Lauterbach gebrannt.

Lesen Sie hier: Die Feuerwehren in Fulda standen am Montagabend vor einer logistischen Herausforderung.

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