Auch wenn sie sich hier auf engem Raum drängeln, haben die Schweine des Biohofs Scheibelhut relativ viel Platz.
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Auch wenn sie sich hier auf engem Raum drängeln, haben die Schweine des Biohofs Scheibelhut relativ viel Platz.

20 Schweine pro Woche zum Schlachten

Schweinemäster Frank Scheibelhut setzt in Hainzell auf Bio - Hohe Kosten und fixe Preise

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Die Schweinepreise standen in den vergangenen Monaten stark unter Druck. Mäster wurden zum Teil ihre Tiere nicht los. Frank Scheibelhut focht dies nicht weiter an. Er führt seinen Mastbetrieb nach ökologischen Gesichtspunkten, hat einen festen Abnehmer und fixe Preise.

Hainzell - Frank Scheibelhut steht auf Bio. Der 47 Jahre alte Landwirt aus dem Hosenfelder Ortsteil Hainzell bewirtschaftet einen Betrieb, der 1988 mit als erster im Landkreis Fulda auf ökologischen Landbau umstellte. Damals hatte die Familie auch Mutterkühe. Und 17 Jahre lang gab es einen Hofladen, um den sich seine Frau Anja kümmerte. Geschlachtet wurde auf dem Hof, Wurst und Fleisch im Laden und auf dem Markt in Fulda verkauft.

Seit Jahren beschränkt sich Scheibelhut auf die Schweinemast und den Anbau des benötigten Futters – Gerste, Trittikale und Bohnen. Dieses könne er nicht aus einer X-beliebigen Quelle hinzukaufen. Dafür hat er regionale Bio-Landwirte an der Hand, die ihn mit 20 Prozent des benötigten Getreides versorgen.

Schweinemäster Frank Scheibelhut betreibt einen Bio-Hof in Hainzell

Als Biohof ist er an die vom Verband Gäa erlassenen Richtlinien gebunden. „Es gibt eine Jahresinspektion und unangemeldete Stichproben. Die einzelnen Felder werden anhand von Luftbildern kontrolliert. Die Prüfer wissen, wie viele Säue ich hatte und rechnen aus, wie viel Futter verbraucht worden sein sollte. Du kannst als Biobetrieb so gut wie keinen Schmu treiben“, ist der Landwirt überzeugt.

Betrieb

- 104 Hektar landwirtschaftliche Fläche

davon:

- Acker: 80 Hektar

- Grünland: 22 Hektar

- Holunder: 2 Hektar

- Schweinemast mit bis zu 400 Tiere

Wurden seine auf ein Jahr verteilt etwa 800 Schweine einst täglich zweimal gefüttert, so können die Tiere nun fressen, wann immer ihnen danach ist. „Wir haben eine Ad-libitum-Fütterung. Das Futter steht rund um die Uhr zur Verfügung. Ich muss lediglich sehen, dass die Silos voll und die Automaten gängig sind“, erläutert Frank Scheibelhut.

Bio-Landwirt Frank Scheibelhut

Stall in Hainzell wird nicht beheizt

Das alles spielt sich seit dem Jahr 2000 in einem modernen Stall in der Gemarkung Am Mürres außerhalb des Dorfes ab. „Das Klima ist innen wie außen, das Gebäude ist offen bis unter das Dach und ist nicht beheizt. Im Winter gibt es Unterschlupfhütten, das heißt, die Buchten werden abgedeckt, damit ein Kleinklima entsteht. Das haben wir bisher erst einmal gemacht als es Minus 20 Grad waren – gleich im ersten Winter“, erzählt Scheibelhut. Mehr Sorgen bereite es ihm, Leitungen und Maschinen vor dem Einfrieren zu bewahren.

Öko-Verband GÄA

Der Betrieb von Frank Scheibelhut im Hosenfelder Ortsteil Hainzell hat sich dem Verband Gäa angeschlossen. Dieser hat sich das Ziel gesetzt, den biologischen Anbau zu verbessern und zu fördern.

Neben Landwirten gehören dem Verband auch Verarbeiter und Handelsfirmen an. Er vertritt in Deutschland knapp 500 Biohöfe, die insgesamt 51.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaften. Die meisten dem Verband angeschlossenen Betriebe liegen in Ostdeutschland, wo er auch im Sommer 1989 gegründet wurde. In Südtirol sind ihm 35 Höfe angeschlossen.

Verglichen mit einem konventionellen Maststall haben seine Schweine viel Platz in Boxen, die auf beiden Seiten eines breiten Futterstegs angelegt sind – und die Möglichkeit zum Auslauf im Freien bieten. Es gibt weitere Unterschiede. „Die tägliche Zunahme der Tiere ist geringer, weil bei kühlen Temperaturen das Essen in Körperenergie umgewandelt wird. Im Sommer steigt das Gewicht schneller“, sagt der 47-Jährige.

Wöchentlich gehen um die 20 Schweine zum Schlachten

Er kauft seine Ferkel bei der Bäuerlichen Erzeugergenossenschaft Schwäbisch-Hall (BESH), deren Gründer Rudolf Bühler Teilhaber und Aufsichtsratschef des Fuldaer Schlachthofs ist. Scheibelhut: „Die übernehmen auch die Vermarktung des Fleisches. Ich bringe die Tiere mit meinem Anhänger in 17 Minuten zum Schlachthof.“ Da Schweine „wie Menschen morgens ziemlich ruhig“ seien, habe er keine Probleme, sie aus den Buchten zu bekommen: „Sie kommen ziemlich ruhig in Fulda an.“

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Auch er kann ruhig leben – zumindest, was die Preise angeht: „Ich habe keine Preisschwankungen. Neulich waren konventionelle Ferkel teurer und jetzt bei Schlachtreife sind die Preise gesunken. Dieses Risiko habe ich nicht.“ Allerdings zahlt er mit 170 Euro für ein 25 Kilo schweres Bio-Ferkel fast das Dreifache eines konventionell gezüchteten Schweines.

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Bis Scheibelhuts Ferkel, die er im Alter von acht bis zwölf Wochen kauft, mit gut zwei Zentnern das Schlachtgewicht erreicht haben, dauert es zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Monate. 400 Schweine bekommt er in seinem Stall unter, voll sei er jedoch nur selten – auch weil wöchentlich um die 20 Tiere zum Schlachten gehen.

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