Ein ICE auf der Strecke der Kinzigtalbahn
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Die Bahn will bauen. Für viele Anwohner soll es leiser werden.

Planungen für Fuldaer Südkreis

Bahnausbau: Mehr Züge, aber weniger Lärm - dank Flüsterbremsen

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Viel Zeit für Nachfragen hat sich Projektleiter Dirk Schütz von der Deutschen Bahn nach seinem Bürgerinformationstermin zur Neubaustrecke Hanau–Fulda genommen. Wegen der Coronakrise fand der Termin online statt.

  • Bahn informiert per Live-Videoübertragung
  • Flüsterbremsen sollen vor Lärm schützen
  • Viele Nachfragen der Internetnutzer

44 Kilometer Neubaustrecke, 70 Prozent davon in Tunneln, 250 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit – so lauten nur einige der Zahlen, die Dirk Schütz, Projektleiter der Neubaustrecke von der Deutschen Bahn am Dienstagabend mit im Gepäck hatte.

Schütz sprach per Live-Videoübertragung, zugeschaltet waren dem Bahner fast 200 Nutzerinnen und Nutzer, welche dem Vortrag folgten und währenddessen Fragen in einem Chatfenster formulieren konnten.

Bevor diese jedoch gesammelt beantwortet wurden, erläuterte Schütz Grundzüge und Vorteile des Verfahrens. So würden zwar insgesamt mehr Züge die Region durchqueren, durch die Neubaustrecke aber gleichzeitig tagsüber mehr als 100 von ihnen über die neue Strecke geleitet.

Fernverkehr, aber auch Güterzüge

So soll vor allem der Fernverkehr über die Neubaustrecke rollen, aber auch Güterzüge, die bis dahin mit Flüsterbremsen ausgestattet sein sollen. „Das alles führt dazu, dass von den 39 000 Menschen, die aktuell zwischen Gelnhausen und Fulda von Lärm belästigt werden, zukünftig nur noch 14 000 betroffen sein werden. Das ist eine ganz enorme Zahl“, stellte Schütz fest und veranschaulichte die Zahlen anhand einer Grafik.

Anhand dieser ging der Projektleiter aber auch auf die Schwachpunkte des Verfahrens ein – so fanden sich im Bereich Kalbach mehrere rote Zonen, die für eine zukünftig stärkere Lärmbelästigung standen. „Die Situation in Kalbach ist in der Tat sehr knifflig. Wir haben dort allerdings noch keine vollwertigen Lärmmessungen durchgeführt. Wir müssen in diesem Bereich noch deutlicher und genauer hinschauen, um zu schauen, welche technischen Maßnahmen möglich sind, um die Gebiete aus dem roten Bereich herauszuholen.“

Lärmbelästigung soll sinken

Grundsätzlich, betonte der Bahner, sinke die Lärmbelastung trotz des zunehmenden Zugverkehrs für viele Anwohner deutlich – dies belegten auch sogenannte Schallsimulationen des Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut.

Nach dem Ende des Vortrags ging Schütz auf die Nachfragen der Internetnutzer ein. Und das waren einige: Mehr als eine Stunde nahm sich der Projektleiter Zeit, um alle Fragen zu beantworten, Anregungen aufzugreifen und sich auch Kritik zu stellen. So fragte ein Nutzer, wie der Lärmschutz an Brücken gewährleistet werden könne; ein anderer wollte wissen, ob Züge für den Fall einer Betriebsstörung zwischen der alten und der neuen Strecke wechseln könnten. „Die beiden Strecken werden drei Verknüpfungspunkte haben: In Gelnhausen, Kalbach und Schlüchtern, an denen die Züge umgeleitet werden können“, antwortete Schütz.

Viele Detailfragen schlossen sich an, die der Bahner nicht immer en Detail beantworten konnte. „Ich bitte um Verständnis dafür, dass vieles noch nicht genau feststeht“, betonte der Projektleiter. „Wir sind erst am Anfang und noch lange nicht am Ende der Planung.“

Aktuell läuft das Raumordnungsverfahren

Aktuell laufe das Raumordnungsverfahren, bei dem etwa die Baulogistik, die Gestaltung der Brückenbauwerke sowie die genaue Höhe der Lärmschutzwände an der Neubaustrecke eine Rolle spielten. Danach erfolge zunächst die technische Planung, gefolgt von einem Planfeststellungsverfahren. „Alleine dieses Verfahren wird mindestens zwei Jahre dauern“, gab Schütz zu bedenken. „Erst danach erfolgt schließlich die Realisierung des Baus.“

Lesen Sie hier: Die Bahn informiert über die Planungen für den Main-Kinzig-Kreis.

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