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Adrian Hehl (von links), Frank Volmer und Daniel Schreiner sind von der Geschichte des Hauses in der Friedrichstraße fasziniert.
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Adrian Hehl (von links), Frank Volmer und Daniel Schreiner sind von der Geschichte des Hauses in der Friedrichstraße fasziniert.

Viele Geheimnisse

Stadt will Haus in der Friedrichstraße 26 sanieren: Eines der ältesten Steinhäuser in Fulda

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Nachdem die bauhistorischen und restauratorischen Untersuchungen im Gebäude in der Friedrichstraße 26 abgeschlossen sind, will die Stadt das Haus, das als eines der ältesten Steinhäuser Fuldas gilt, sanieren – und damit ein Stück Stadtgeschichte wiederherstellen.

Fulda - Was ist das für wohl für ein Gebäude in Fulda gewesen, in dem heute die Balken morsch sind und die Decken einzustürzen drohen? Wo die Löcher in den Wänden so groß sind, dass man gut nach draußen auf die Straße und nach drüben ins Nachbarhaus blicken kann? In dem uralte Rankenmalerei, faszinierende architektonische Besonderheiten und Rußspuren von längst vergangenen Zeiten erzählen?

So ganz hat das Haus in der Friedrichstraße 26 noch immer nicht seine Geheimnisse preisgegeben, obwohl Bauhistoriker und Denkmalschützer in den vergangenen Jahren umfangreiche Untersuchungen durchgeführt und sogar mittels Thermografietechnik die Bausubstanz durchleuchtet haben. (Lesen Sie hier: „Wie bei Oma“, aber auf Sterne-Niveau - Patrick Spies öffnet Gourmet-Restaurant in der Friedrichstraße)

Fulda: Haus in Friedrichstraße 26 wird saniert - Eines der ältesten Steinhäuser

Die Stadt Fulda hatte das Haus, das im 14. Jahrhundert erbaut wurde, mitsamt dem Kurfürst und den Häusern Nonnengasse 19 und 21 vor drei Jahren erworben. Seitdem haben die Fachleute viel Spannendes freigelegt: So fanden sich zum Beispiel alte Relikte wie die Aufhängung für eine Wurststange und eine Gürtelschnalle mit Wappen, die aus der Napoleon-Zeit stammen könnte. Und außen an der Fassade wurde ein gotischer Spitzbogen mit einem Stern oder einer stilisierten Sonne freigelegt. Und die Experten erkannten, dass das Gebäude einst einen hübschen Treppengiebel gehabt haben muss.

„Es ist wie ein Puzzle“, sagt Frank Volmer, Leiter des Gebäudemanagements der Stadt. Denn viele Baustile und Epochen, in denen das Haus verändert wurde, sind noch zu erkennen: Verzierungen und Fensterfragmente aus der Renaissance, Putzreste aus der Gotik und mächtige Balken aus dem 18. Jahrhundert. Welche Funktion das Haus aber in früheren Jahrhunderten hatte und wer hier lebte, arbeitete und residierte, das ist immer noch offen.

Nummer 26

Die Stadt Fulda hatte das Gebäude gemeinsam mit der benachbarten Kurfürst-Immobilie sowie den Gebäuden in der Nonnengasse 19 und 21 im Jahr 2018 von Milliardär Lutz Helmig gekauft. Dieser hatte die Gebäude 2009 erworben, um insbesondere den Kurfürst für die Verwaltung seiner Holding-Firma Aton und Horus zu nutzen. Die Fassade der Nummer 26 in der Friedrichstraße wollte Helmig erhalten, aber den Rest des Gebäudes abreißen und durch einen Neubau ersetzen.

Alternativ war eine aufwendige Rekonstruktion im alten Stil geplant. Doch das Denkmalamt machte für das historisch wertvolle Gebäude erhebliche Auflagen, und Helmig beschloss, die Häuser einschließlich Kurfürst und Nonnengasse zu verkaufen. Die Stadt musste dafür lediglich neun Millionen Euro zahlen – ein Schnäppchen. Helmig hatte einst 22 Millionen Euro für Kauf und Restaurierungsarbeiten hingeblättert.

Diese Frage ist deshalb so spannend, weil das heute zwischen Kurfürst und Asia-Restaurant eingezwängte Haus an einer besonderen Stelle der Stadt steht, an einem „neuralgischen Punkt“, wie Stadtbaurat Daniel Schreiner erklärt. Exakt hier waren früher der höfische Bereich Fuldas mit Fürstabt sowie Adel und der bürgerliche Bereich mit Händlern und Handwerkern strikt getrennt. Die Preisfrage lautet: Wohin gehörte die Nummer 26? War das Haus Teil der höfischen Struktur? Oder hat hier der Vogt seine Rechtsgeschäfte erledigt oder war es gar Rathaus der Bürgerstadt?

Auf letzteres deutet manches hin, doch Adrian Hehl von der Unteren Denkmalschutzbehörde hat Zweifel: Ist es wirklich denkbar, dass der Fürstabt ein für das weltliche Fulda derart wichtiges Verwaltungsgebäude in unmittelbarer Nähe zu seinem Hof duldete? Nur eines scheint sicher: Das Haus muss ein öffentliches Gebäude gewesen sein, da es über einen recht großen Saal verfügt.

Wie wird das Haus in der Friedrichstraße 26 in Fulda wiederhergestellt?

Weitere Fragen machen den Verantwortlichen zu schaffen. Zum Beispiel: Wie soll das Haus, an dem so unterschiedliche Epochen abzulesen sind, wiederhergestellt werden? Sollen sich die Bauleute am gotischen Baustil oder an der barocken Überformung orientieren? Stadtbaurat Schreiner hält das Gebäude auch wegen seiner Renaissance-Elemente aus der Zeit des 16. Jahrhunderts für eine außergewöhnliche Besonderheit: „Fulda ist so gründlich barockisiert worden, dass die Renaissance in der Stadt kaum mehr zu sehen ist. Dieses Gebäude ist deshalb eine wahre Rarität.“

Die Stadt will die Sanierungsarbeiten nun ausschreiben; wann diese beginnen, ist offen. Vor 2022 wird es wohl nichts: „Bei einem solchen Projekt ist es wichtig, besonders sorgfältig zu arbeiten“, betont Volmer. Deshalb geht es zwar langsam, aber stetig voran. Klar ist: „Wir werden hier künftig eine Kombination von Alt und Neu sehen“, so Schreiner.

Für die spätere Nutzung wünscht er sich einen „hohen Öffentlichkeitsfaktor“. Möglich, dass in die oberen Stockwerke Teile der Verwaltung einziehen und sich im Erdgeschoss Bürger über die architektonischen Relikte der Fuldaer Geschichte informieren können. Auch die Tourist-Info könnte auf Haus Nummer 26 ausgedehnt werden, etwa indem hier regionale Lebensmittel und Souvenirs erworben werden können. Die wechselvolle Geschichte des Gebäudes ist jedenfalls noch nicht zu Ende.

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