Die Hochschule Fulda übernimmt neben den Hochschulen in Frankfurt und Gießen ab dem Jahr 2023 die komplette Hebammenausbildung in Hessen.
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Die Hochschule Fulda übernimmt neben den Hochschulen in Frankfurt und Gießen ab dem Jahr 2023 die komplette Hebammenausbildung in Hessen.

140 Plätze in Hessen

Fulda mit Hebammen-Studium bundesweites Vorbild - Ministerin Angela Dorn: „Hochschule leistet Pionierarbeit“

  • Alina Komorek
    vonAlina Komorek
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Die Hochschule Fulda übernimmt neben den Hochschulen in Frankfurt und Gießen ab dem Jahr 2023 die komplette Hebammen-Ausbildung in Hessen. Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) stellte das duale Studium gestern bei einer digitalen Pressekonferenz vor.

Fulda - In Fulda, Frankfurt und Gießen wird es künftig insgesamt mindestens 140 Studienplätze pro Jahr für Hebammen geben. Damit wird in Hessen, wie vom Bundesgesetzgeber vorgesehen, die Hebammen-Ausbildung ab 2023 vollständig in Form eines Dualen Studiums angeboten. Die Kapazität übertrifft dank finanzieller Unterstützung der Landesregierung – für einen Zeitraum von sechs Jahren sind 22 Millionen Euro eingeplant – die der bisherigen Ausbildungswege. Dort standen in Hessen bisher insgesamt rund 120 Plätze zur Verfügung.

Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) betonte: „Die Hochschule Fulda leistet mit dem dualen Bachelorstudiengang Hebammenkunde bereits seit 2012 Pionierarbeit.“ Die Hochschule werde künftig mit der Philipps-Universität Marburg und dem dortigen Universitätsklinikum zusammenarbeiten. Fulda nimmt laut Dorn bundesweit eine Vorbildfunktion für die akademisierte Ausbildung der Hebammen ein.

Fulda: Studium zur Hebamme - „Hochschule leistet Pionierarbeit“

„Nun wird das Fuldaer Modell durch die gesetzlichen Regelungen gestärkt“, erklärte Professorin Katharina Rost, die den Studiengang Hebammenkunde an der Fuldaer Hochschule leitet. Einen großen Vorteil sieht sie darin, dass die Studierenden durch die gesetzlichen Regelungen auch eine Vergütung erhalten und dadurch während des Studiums entlastet würden. Rost hofft, dass durch die Akademisierung die berufliche Anerkennung der Hebammenarbeit gesteigert wird. (Lesen Sie hier: Baby-Rekord im Corona-Jahr: 3083 Kinder erblicken im Kreis Fulda das Licht der Welt)

Außerdem erklärt sie, dass durch die bundesweite Verlagerung der Ausbildung zum dualen Studium weniger Eingriffe bei Geburten vorgenommen werden müssten – und wenn doch, dass es sich dabei um ein sinnvolles Eingreifen handele. „In Fulda haben wir einen der Pilotstudiengänge“, verdeutlichte Rost. Dieser zeichne sich durch die Verbindung von Praxis und Theorie aus. „Wir haben zum Beispiel den Laborunterricht an der Hochschule, was einen Unterschied zur Hebammen-Ausbildung an Schulen darstellt“, sagte die Professorin.

Dabei betonte sie den hohen praktischen Anteil, der durch die Ausbildung an den Partnerkliniken entstehe. „Eine rein akademische Ausbildung im Sinne von Frontalunterricht wäre nicht zielführend“, erklärte sie. Der wissenschaftliche Anteil, wie der Unterricht in den Laboren und an Babypuppen, werde ergänzt durch die Erfahrungen, die die Studierenden an Kliniken und bei freiberuflichen Hebammen sammeln könnten.

Video: Hebamme schildert sechs Fakten über die Schwangerschaft

Der Präsident der Hochschule Fulda, Professor Karim Khakzar, erklärte, dass durch die neuen Regelungen der Einstieg in die akademische Laufbahn erleichtert werde: „Noch gibt es nicht viele Hebammen, die promoviert haben oder in der Forschung tätig sind“, sagte er. Er wünsche sich, dass die Hochschule künftig in diesem Bereich als bundesweit führend wahrgenommen werde.

Neben Lob gab es auch Kritik. Die Länder seien in der Finanzierung auf sich gestellt. „Mehr partnerschaftliches Verhalten zwischen Bund und Ländern wäre wünschenswert gewesen“, sagte Ministerin Angela Dorn. Sie betonte die gesellschaftliche Bedeutung des Berufes: Eine Hebamme sei eine Vertrauensperson, die Schwangere mit viel Wissen und hohem Einsatz begleitet und „die man ein Leben lang mindestens im Herzen behält.“

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