Bischöfe im Fuldaer Dom 2019
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Jedes Jahr im Herbst treffen sich die deutschen Bischöfe in Fulda.

Debatte um Rolle der Frau

In Fulda wird es rot und lila: Bischöfe tagen im Stadtschloss - und haben viel zu besprechen

Diese Woche wird es in Fulda wieder rot und lila. Deutschlands Kardinäle und Bischöfe halten ihre traditionelle Herbsttagung ab. Sie findet coronabedingt verkürzt statt. Ein Thema: die Rolle der Frau in der katholischen Kirche.

Fulda/Köln - In Sichtweite des Kölner Doms prangt seit einiger Zeit ein Aufkleber mit dem schönen Spruch „Marie darf nicht die Messe feiern, doch Kevin darf - dank seinen Eiern.“ Hier findet man das vielleicht größte Dilemma der katholischen Kirche in einem Satz komprimiert: Die Frauen sind per se von den wichtigsten Ämtern ausgeschlossen. Aber sie wollen sich das nicht mehr bieten lassen.

Wenn am Dienstag 69 Bischöfe in Fulda zu ihrer Herbstvollversammlung zusammenkommen, dann ist das allein schon für viele eine Provokation. Denn es handelt sich eben nur um Kevins - eine Marie ist nicht vorgesehen. Warum das so ist, hat der konservative Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki letzte Woche nochmal erklärt. Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: Jesus hatte zwölf Apostel, „und unter ihnen waren keine Frauen“. Noch Fragen? „Ich verstehe das Ziel dieser Diskussion nicht.“

Bischofskonferenz in Fulda: Debatte um Rolle der Frau in der Kirche geht weiter

Doch auch wenn es der Kardinal nicht versteht, die Debatte geht weiter. Kürzlich lobte die Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Mechthild Heil, sogar ausdrücklich ein kirchenkritisches Video von Carolin Kebekus. Darin wandte sich die Kölner Komikerin gegen die Diskriminierung der Frauen im „Männerverein Kirche“: „Sie dürfen gerne dem Priester die Klamotten rauslegen und beim Pfarrfest einen Kuchen backen, aber ein wichtiges Amt und eine Stimme bekommen sie nicht.“

Das Treffen in Fulda

Die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz findet vom 22. bis 24. September in Fulda statt. An ihr nehmen 69 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz unter Leitung des Vorsitzenden, Bischof Georg Bätzing, teil.

Coronabedingt tagen die Bischöfe einen Tag kürzer sowie in einem ausreichend großen Saal, der im Stadtschloss Fulda zur Verfügung gestellt wird. Am Nachmittag des Eröffnungstages der Vollversammlung wird der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, teilnehmen.

Im Mittelpunkt der Beratungen stehen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das kirchliche Leben und der weitere Fortgang des Synodalen Weges insbesondere nach den gerade stattgefundenen Regionenkonferenzen. Die Vollversammlung wird sich außerdem mit der Kirchenstatistik 2019 und der Instruktion der Kongregation für den Klerus über die Pfarrgemeinde befassen.

Beim Themenfeld „Aufklärung und Aufarbeitung“ wird es um weitere Konsequenzen aus der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ gehen. Ein weiteres Thema ist ein Text zu Trauerfeiern und Gottesdiensten nach Kataststrophen.

Als ihr die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) daraufhin die Verletzung religiöser Gefühle vorwarf, wies Heil das als „abgegriffen“ und „völlig falsch“ zurück. „Ich kann nur sagen: Was ist eigentlich mit den Gefühlen unzähliger Frauen, die von der Kirche über Jahrhunderte verletzt wurden, ohne dass sie sich darum geschert hätte?“

Bewegung Maria 2.0: Wenig Hoffnung in synodalen Weg

Ähnliche Äußerungen waren am 4. September auch bei den Regionalkonferenzen des Synodalen Wegs zu hören. Der Synodale Weg ist der seit Anfang des Jahres laufende Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland. Er hat durchaus so etwas wie eine Aufbruchsstimmung zuwege gebracht. Noch nie verfügten die deutschen Katholiken über ein vergleichbares Forum, in dem über alle brisanten Themen öffentlich und gleichberechtigt diskutiert wurde. Allerdings soll am Ende dann auch etwas dabei herauskommen.

Die Bischöfe auf Twitter

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat mit dem Twittern angefangen. Knapp vier Tage vor ihrer Herbst-Vollversammlung setzte sie am vergangenen Freitagmorgen die erste Nachricht auf dem Kurznachrichtendienst ab. Über den Kanal will der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland Stellungnahmen zu aktuellen Themen abgeben. Außerdem soll künftig auch live von Veranstaltungen getwittert werden, heißt es in einer Mitteilung der DBK in Bonn.

Bereits seit Februar ist die Bischofskonferenz auch auf Facebook vertreten, seit Juni veröffentlicht sie auch Videos auf YouTube. Dort soll auch live von DBK-Veranstaltungen gestreamt werden. 

„Und da habe ich eher wenig Hoffnung“, sagt Andrea Voß-Frick von der Bewegung Maria 2.0, die gleiche Rechte für Frauen fordert. Am Schluss werde Rom das letzte Wort haben, und „spätestens seit dem Schreiben der Kleruskongregation von Juli diesen Jahres besteht hier wenig Anlass zu Optimismus“.

Im Video: Liberaler Georg Bätzing ist neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz

Besagtes Schreiben ist auch Thema in Fulda. Der Hintergrund: In fast allen Bistümern laufen derzeit große Umstrukturierungen - Gemeinden werden zu größeren Einheiten zusammengefasst, weil es immer weniger Gläubige und vor allem fast keine Priester mehr gibt. Doch hat der Vatikan nun gesagt: Geht so nicht - die Priester müssen weiter das Sagen haben.

Der Bannstrahl führte zu der Situation, dass deutsche Bischöfe offen ihren Ungehorsam bekundeten. So erklärte der Münsteraner Bischof Felix Genn: „Ich ändere nichts!“ Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sieht auch „keinen Änderungsbedarf“, für seinen Bamberger Kollegen Ludwig Schick ist das Papier „nicht annehmbar“, für Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck „faktisch gar nicht zu realisieren“. Mittlerweile hat der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing dem Vatikan Gespräche über die Instruktion vorgeschlagen.

Bischöfe zwischen Basis und Vatikan

Die deutschen Bischöfe sind in einer Sandwich-Position. Unten stehen die Gläubigen, die immer vehementer auf Mitgestaltung pochen, und oben thront der Vatikan, der die Bischöfe misstrauisch beäugt und am liebsten alles so lassen will wie es immer schon war. Erfahrungsgemäß wird dies bei der Herbstversammlung darauf hinauslaufen, dass die Bischöfe nach ihren umfangreichen Beratungen einige eher vage Stellungnahmen abgeben werden. Dabei drängt die Zeit: Allein im vergangenen Jahr sind in Deutschland mehr als 270 000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. So viele wie noch nie. (Von Christoph Driessen, dpa)

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