Mehrere mit Tierfutter beladene Lkws fuhren am Sonntag aus Osthessen in die Flutgebiete.
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Mehrere mit Tierfutter beladene Lkws fuhren am Sonntag aus Osthessen in die Flutgebiete.

Große Betroffenheit

Lebensmittel, Kleidung, Tierfutter: Osthessen schickt Hilfe in die Flutgebiete

  • Leon Schmitt
    VonLeon Schmitt
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Nach der Hochwasser-Katastrophe im Westen Deutschlands herrscht große Betroffenheit - auch in Osthessen. Vielerorts haben sich am Wochenende Vereine, Landwirte und Unternehmer zusammengetan, um den Flutopfern Hilfe zu schicken. Die Politik stellt Soforthilfe in Aussicht.

Update vom 18. Juli, 19.34 Uhr: Mit einer Anzeige auf Ebay Kleinanzeigen von Familie Thorne fing es an, und plötzlich rollten am Sonntag 39 Lkws mit Tierfutter-Spenden aus der Umgebung Fulda in die Hochwassergebiete. Christina Thorne und ihr Mann Benjamin haben die Situation der Landwirte dort erkannt und schnell gehandelt. Denn mit nassem Heu und Stroh können die Tiere in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht mehr versorgt werden.

„Wir sind nur ein kleines Licht unter den Spendern“, sagt Christina Thorne aus Gersfeld. Neben vielen landwirtschaftlichen Betrieben hätten sich auch Speditionen beteiligt, darunter die Namen Goldbach, Jahn, Faust, Siegmüller, Rehm und viele weitere. Die Landwirtin betonte, dass es gerade die kleinen Höfe und Speditionen waren, die ihre Hilfe zusicherten.

Osthessen schickt Hilfe in Flutgebiete: Vielerorts große Spenden-Aktionen

Erstmeldung vom 18. Juli, 12.54 Uhr: Fulda - Nachdem sich bereits Einsatzkräfte aus Osthessen entschieden hatten, in den Überschwemmungsregionen anzupacken, haben sich auch am Wochenende zahlreiche Menschen mit den Flutopfern in den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz solidarisiert. In vielen Gemeinden in der Region Fulda und im Vogelsberg wurden spontan Stellen eingerichtet, an denen Spenden von Bürgern und Bürgerinnen gesammelt und in Transporter verladen wurden.

Die Bürgerliste Lauterbach richtete im Ortsteil Maar eine Sammelstelle ein.

Im Lauterbacher Ortsteil Maar sammelte die Bürgerliste Lauterbach (BLL) am Samstag Sachspenden und Lebensmittel. Wie Reporter vor Ort berichteten, wurden zwei Sattelzüge, die von Unternehmen in Lauterbach und Grebenau zur Verfügung gestellt worden waren, fast bis unter die Decke mit Kartons und Säcken voller Kleidungsstücke und Lebensmittel beladen. Jörg Blankenburg, Fraktionsvorsitzender der BLL, war überwältigt, „wie die Leute sich hier für andere Menschen einsetzen.“

Auch im Landkreis Fulda organisierten zahlreiche Menschen Spenden-Aktionen für die Flutopfer. Neben Transportern voller Klamotten und Lebensmittel wurden auch Futtermittel für die Tiere gesammelt. Landwirte organisierten den Transport in die betroffenen Regionen, wo große Sammelstellen eingerichtet worden waren - etwa am Nürburgring.

Bürger brachten mit Kleidung vollgepackte Säcke nach Lauterbach.

250 Einsatzkräfte aus Hessen helfen beim Roten Kreuz in den Hochwasserregionen. Im Auftrag des Hessischen Innenministeriums liefere das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Trinkwasserversorgungsanlagen zum Nürburgring, wie das DRK mitteilte. Es würden vier 3800-Liter-Tanks und zwei 7000-Liter-Tanks sowie insgesamt 20 Ausgabestellen transportiert. Parallel dazu helfen 19 Fachkräfte bei der psychosozialen Notfallversorgung im Raum Ahrweiler. Seit Samstag sind zudem knapp 100 Einsatzkräfte auf 48 Krankentransportwagen auf dem Weg in die Katastrophenregionen.

Nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt. „Es braucht einen nationalen Kraftakt“, sagte der SPD-Politiker der Bild am Sonntag.

Am Mittwoch im Kabinett wolle er zwei Dinge auf den Tisch legen. „Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht“, sagte Scholz. „Zweitens müssen wir die Grundlage für ein Aufbauprogramm schaffen, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden. Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro.“

Video: Zahl der Hochwasser-Toten steigt auf mehr als 150

Nach Aussage von Scholz soll es schnell gehen. „Noch im Juli sollten möglichst die ersten Soforthilfen an die Betroffenen gehen“, erläuterte er. „Die Aufbauhilfe braucht etwas mehr Zeit. Aber noch in diesem Jahr soll alles stehen.“ Die akute Soforthilfe des Bundes solle über die Länder Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ausgezahlt werden. Vor Ort könne am besten entschieden werden, wer am dringendsten Unterstützung brauche.

„Wer sein Geschäft, sein Haus verloren hat, kann die Schäden nicht alleine tragen“, sagte Scholz. „Wir müssen jetzt als Land zusammenstehen und den Flut-Opfern schnell, großzügig und unbürokratisch helfen.“ (mit dpa-Material)

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