Hochschulpräsident Karim Khakzar und Vorstandsmitglied des Fördervereins Hochschule Fulda, Ilona Jehn, würden sich über mehr Stipendien freuen.
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Hochschulpräsident Karim Khakzar und Vorstandsmitglied des Fördervereins Hochschule Fulda, Ilona Jehn, würden sich über mehr Stipendien freuen.

300 Euro pro Monat

Mittel gegen den Fachkräftemangel? Warum der Förderverein der Hochschule Fulda mehr Stipendien vergeben möchte

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Wenn es um Fördervereine geht, fällt der erste Gedanke meist aufs Geld. Freilich spielt das auch beim Förderverein der Hochschule Fulda eine Rolle. Dieser ist für die Stipendien zuständig.

Fulda - Als der Förderverein der Hochschule Fulda 2012 gegründet wurde, da gab es an der größten Bildungseinrichtung Osthessens bereits einige solcher Vereine. „Die waren aber allesamt fachbezogen – für die Wirtschaftswissenschaften, die Informatik oder die Elektrotechnik“, sagen Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar und Ilona Jehn aus dem Vorstand des Fördervereins und an der Hochschule zudem zuständig für das Duale Studium und das Deutschlandstipendium. Ein fachbereichsübergreifender Förderverein habe jedoch gefehlt, sagt Khakzar und zeigt sich heute – neun Jahre später – erfreut über die Gründung.

Den Anlass gab damals die Einführung des Deutschlandstipendiums, das so in einer privat-öffentlichen Partnerschaft finanziert werden sollte. „Im Gegensatz zu den USA haben Stipendien in Deutschland keine große Tradition. Es gibt zwar einige leistungsbezogene Stipendien wie das der Studienstiftung des Deutschen Volkes, aber solche Dimension wie in Amerika hat das hierzulande nicht“, sagt Khakzar.

Fulda: Mit Stipendium an der Hochschule - Förderverein finanziert Deutschlandstipendium

Ziel des Deutschlandstipendiums sei es, dass die Empfänger ein Jahr lang je 300 Euro pro Monat erhalten – finanziert zur Hälfte über einen privaten Mittelgeber und zur Hälfte durch den Bund. „Die Kriterien sind die Leistung im Studium, der Schulabschluss kombiniert mit sozialem Engagement. So haben wir beispielsweise Stipendiaten, die als Fußballtrainer aktiv sind, sich politisch, hochschulpolitisch oder sozial engagieren. Eine Studentin ist für ein Projekt zu Lastenfahrrädern in Wuppertal sogar ausgezeichnet worden“, berichtet Jehn und fügt an: „Wir sind oft überrascht, wie vielfältig die Studierenden engagiert sind, wenn wir die Bewerbungen um das Stipendium sichten.“ (Lesen Sie auch: Zur Promotion nach Geisa? Point-Alpha-Stiftung und Hochschule gründen „Forschungsinstitut Point Alpha“)

Immerhin rund 300 Studenten bewerben sich jährlich darum. 25 Deutschlandstipendien wurden 2020 über den aktuell 66 Mitglieder zählenden Verein vergeben, die nächste Auswahlrunde läuft nun zum Wintersemester. „Die Vergabe ist immer an das Studienjahr angepasst“, erläutert der Hochschulpräsident, der – das macht er im Gespräch deutlich – gerne noch mehr Stipendien vergeben sähe. Dazu allerdings bedürfe es weiterer Partnerschaften und auch zusätzlicher Mitglieder im Förderverein. Dies können Privatpersonen genauso werden wie juristische Personen – als etwa Unternehmen, Vereine und sonstige Institutionen.

Förderverein der Hochschule Fulda - Vorstand wünscht sich mehr Stipendien

Für diese sehen Khakzar und Jehn ebenfalls Möglichkeiten, von einer Stipendienvergabe oder einer Mitgliedschaft im Förderverein zu profitieren. „Das Bundesgesetz erlaubt es zwar nicht, dass Finanzgeber einzelne Stipendiaten auswählen. Wohl aber können sie bestimmen, in welchen Fachbereich ihr Geld fließen soll und dann Kontakt zu den Studenten aufnehmen“, sagt der Hochschulpräsident. Im Idealfall ergebe sich daraus ein Praktikum in einem Betrieb und eventuell die Möglichkeit, dass die Abschlussarbeit dort betreut wird. In der Folge sei auch ein Berufseinstieg denkbar. Das Stipendium könne eine gute Rekrutierungsmaßnahme sein – gerade für die Fachkräfte, die zum „Flaschenhals“ würden, für die Region aber unglaublich wichtig seien. Davon sind Khakzar und Jehn überzeugt. (Lesen Sie hier: Studenten aus Fulda wollen Tunnelbau-Wettbewerb von Elon Musk gewinnen)

Über die Stipendien

Das Deutschlandstipendium funktioniert nach dem Prinzip der öffentlichen-privaten Partnerschaft. Demnach organisieren die Hochschulen die Auswahl und Förderung der Stipendiaten. Dazu werben sie Förderungen ein. In Fulda ist der Förderverein der Hochschule dafür eine wesentliche Säule. Die privaten Förderer sagen die erste Hälfte der Finanzierung zu: 150 Euro pro Monat für die Dauer von einem Jahr, also 1800 Euro. Förderer können Unternehmen, Vereine Stiftungen, Einzelpersonen oder Alumni sein. Die zweite Hälte der Stipendienförderung wird vom Bund übernommen.

Gefördert werden sowohl Studienanfänger als auch höhere Semester, die bereits gute Leistungen erbracht haben oder erwarten lassen. Berücksichtigt werden zudem gesellschaftliches Engagement und auch besondere persönliche Umstände der Studierenden. Neben den 300 Euro wird ihnen sowie den Förderern ein „ideelles Rahmenprogramm“ geboten.

Kontakt:

Ilona Jehn, Telefon: (06 61) 96 40 19 02; E-Mail: ilona.jehn@verw.hs-fulda.de

Sabrina Dörr, Telefon: (06 61) 96 40 19 09, E-Mail: sabrina.doerr@verw.hs-fulda.de

Die Voraussetzungen seien gut, betonen die beiden. Die Hochschule mit ihren inzwischen fast 10.000 Studierenden sei fest in der Region verwurzelt, pflege gute Kontakte in die Wirtschaft und werde zunehmend attraktiver – nicht zuletzt durch ihre Lage mitten in Deutschland. „Unser Einzugsgebiet als große Hochschule für angewandte Wissenschaft wächst stetig“, konstatiert der Präsident und leitet daraus einen klaren Auftrag ab: „Wir stehen in der besonderen Verantwortung, was den Transfer von Wissenschaft und Wirtschaft angeht. Und als größte regionale Bildungsinstitution sehen wir uns als wichtigen Knotenpunkt im Netzwerk.“

Video: Elon Musk: Fuldaer Studenten treten bei Tunnelbau-Wettbewerb an

Dieser Gedanke zur Verbindung der Region, ihrer Akteure und der Hochschule – spiele auch im Förderverein eine bedeutende Rolle. „Wenn wir noch mehr Stipendien vergeben könnten, würde für Osthessen auch noch ein deutlicherer Effekt spürbar – beispielsweise indem Studierende der Region nach dem Abschluss treu bleiben und hier eine Beschäftigung finden“, sind sich Khakzar und Jehn sicher und führen das Regionale Innovationszentrum Gesundheit und Lebensqualität Fulda (RIGL) als ein Beispiel an.

Mit diesem soll der regionale Transfer von Ideen, Wissen und Technologien in den Bereichen Gesundheitsförderung, Ernährung, Lebensqualität und sozialer Nachhaltigkeit ausgebaut werden. Und dieses Projekt wird auch vom Förderverein unterstützt, dessen Aufgabe es jedoch nicht ist, Gelder für die Forschung einzuwerben.

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