Walporzheim im Ahrtal wurde von der Flutkatastrophe schwer getroffen. Wilhelm Hartmann aus Fulda hilft deshalb wo er nur kann. Wegen seiner Hilfe wurde sogar ein Weg nach ihm benannt.
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Walporzheim im Ahrtal wurde von der Flutkatastrophe schwer getroffen. Wilhelm Hartmann aus Fulda hilft deshalb wo er nur kann. Wegen seiner Hilfe wurde sogar ein Weg nach ihm benannt.

Hilfe seit zwei Monaten

Wilhelm Hartmann aus Fulda unterstützt Flutopfer im Ahrtal: „Wir helfen so lange, wie es nötig ist“

  • Leon Weiser
    VonLeon Weiser
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Wilhelm Hartmann aus Fulda unterstützt seit nunmehr acht Wochen die Flutopfer im rheinland-pfälzischen Walporzheim (Landkreis Ahrweiler). Mit vielen Helfern hat er unter anderem einen – wie er es nennt – „Hafen“ für die Menschen gebaut.

Fulda/Walporzheim - „Ich habe dieses Helfersyndrom und kann einfach nicht wegschauen“, erklärt der 48-jährige Hartmann. Der Einsatz im Ahrtal sei nicht der erste dieser Art gewesen, führt er aus. Hartmann hat in den Jahren 2002 und 2013 Flutopfern in Sachsen geholfen. Nun folgte mit Walporzheim die nächste Station. Dass es ihn und seine Helfer dorthin verschlagen hat, sei Zufall gewesen. „Die Feuerwehr hat uns nach Walporzheim geschickt“, erklärt Hartmann, der im Juli in die Flutregion gereist war, um zu helfen.

„Die Menschen waren teilweise apathisch. Sie standen in Schlammwüsten, die früher ihre Gärten waren. Sie waren äußerlich unverletzt, aber innerlich zerstört“, beschreibt der Inhaber der Gärtnerei Hartmann in Fulda. Inzwischen habe sich dies geändert. Weil er seit acht Wochen ins Katastrophengebiet reist, kennt er die Betroffenen und andersrum. Das Gefühl, wenn er wieder hilft, beschreibt er als eine „Gefühlswaschmaschine im Schleudergang. Man erlebt alle möglichen Gefühle – positive und negative.“

Fulda: Wilhelm Hartmann unterstützt seit acht Wochen Flutopfer im Ahrtal

Viele Flutopfer haben durch das Hochwasser ihre Wohnung verloren, weswegen Hartmann mit seinen Helfern Unterkünfte baut. Inzwischen ist die Zahl der Helfer vierstellig. Das aktuelle Projekt ist ein Containerdorf, welches er als „Hafen“ bezeichnet. „Es ist eine tolle Symbolik. Man legt an, tankt Energie und legt danach wieder ab“, erläutert Hartmann.

Im „Hafen“ finden 200 Personen Platz. Dazu wurden gebrauchte Container verwendet, die von 18 Lkws nach Rheinland-Pfalz gefahren und mithilfe eines Krans aufgestellt wurden. In der Unterkunft sind Duschen, Toiletten, Kinderzimmer und eine mit Gas betriebene Zentralheizung installiert. (Lesen Sie hier: Familie aus dem Ahrtal verliert bei Flut alles - und findet Hilfe in Queck)

Ein errichtetes Containerdorf bietet bis zu 200 Flutopfern Platz.

Allerdings sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, weswegen sich Hartmann immer wieder auf den Weg ins Ahrtal macht. Da bleibt wenig Zeit für Anderes: „Ich habe noch 300 ungelesene Nachrichten und eine Rückrufquote von 50 Prozent“, sagt Hartmann. Auch wenn er die Nachrichten nicht beantwortet hat, ist er über den Zuspruch erleichtert. „Es beflügelt mich und zeigt mir, dass ich das Richtige mache.“ Seine 35.000 Abonnenten auf Facebook geben ihm fast durchweg positive Rückmeldungen.

Video: Aufräumen im Ahrtal – Freiwillige packen an

Er plant, weiterhin zu helfen. „Wir versuchen, unsere Projekte weiter zu optimieren“, sagt er: „Darum werden wir so lange in Walporzheim bleiben, wie es nötig ist.“

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