Die Gemeinde Petersberg war ebenfalls stark von Hochwasser betroffen.
+
Die Gemeinde Petersberg war in der Vergangenheit ebenfalls stark von Hochwasser betroffen.

Unternehmen aus Berlin analysiert

Hochwasserproblematik im Kreis Fulda: Vier Gemeinden geben Studie in Auftrag

Wie können sich Kommunen im Kreis Fulda besser gegen Hochwasser wappnen? Dieser Frage gehen die Gemeinden Hofbieber, Dipperz, Künzell und Petersberg nach. Die vier Kommunen haben dazu eine umfassende Studie in Auftrag gegeben.

Kreis Fulda - In den vergangenen Jahren ist es in Hofbieber, Dipperz, Künzell und Petersberg (Kreis Fulda) immer wieder zu Hochwasserständen gekommen. Wie die Gemeinde Petersberg nun in einer Pressemitteilung erklärt, habe jede Gemeinde daraufhin auf ihrem Gebiet erste Maßnahmen umgesetzt; zum Beispiel Durchlässe gereinigt und verbreitert, Erdwälle abgetragen, Flutschotten eingebaut oder Gewässer renaturiert. Zudem ließ jede Kommune ein eigenes Konzept durch ein Fachbüro erarbeiten.

„Da Hochwasser jedoch kein Halt vor Gemarkungsgrenzen macht, wurde im vergangenen Jahr die Arbeitsgemeinschaft (AG) Hochwasserschutz gegründet“, teilt die Gemeinde Petersberg mit. In der AG wurden die einzelnen Konzepte zu einem gemeinsamen Entwurf zusammengeführt, der sich vor allem auf Regenrückhaltebecken stützt.

Fulda: Probleme mit Hochwasser - Gemeinden geben große Studie in Auftrag

Das Regierungspräsidium Kassel habe der AG daraufhin weitere Hinweise gegeben, wie das Konzept zu verbessern ist, zum Beispiel durch eine Konfliktanalyse und ein Aufzeigen des Schadenspotenzials. Dabei sollten neben den angedachten Rückhaltebecken auch mögliche Alternativen geprüft werden, etwa Veränderungen an Brückenbauwerken, Flutmulden, Strömungsverbesserungen an Abschlagswehren und weiteres.

„Für diese neue Analyse war eine weitere, europaweite Ausschreibung nötig, die von dem Gutachter Dr. Sebastian Tews aus Künzell begleitet wurde. Da die Komplexität aller einzuarbeitender Daten sehr hoch ist, war auch die Ausschreibung entsprechend komplex“, heißt es in der Mitteilung. In dem Verfahren setzte sich schließlich das Berliner Büro Fugro durch. Das RP Kassel sei in das Vorhaben eingebunden und habe bereits signalisiert, dass die Gemeinden Fördermittel für mögliche Maßnahmen erhalten können.

Studie von Berliner Unternehmen - Fugro soll Überschwemmungsgebiete untersuchen

Fugro wird in den kommenden Monaten die Überschwemmungsgebiete untersuchen, eine Starkregengefährdung einbeziehen, das Schadenspotenzial analysieren und Maßnahmen vorschlagen. Außerdem werden die bereits vorhandenen Konzepte in die neue Studie einfließen. Geplant ist, dass bis Anfang 2022 die Studie vorliegt. Die Fugro-Mitarbeiter werden in den kommenden Tagen mit Vermessungsarbeiten starten.

Die Bürgermeister der vier Gemeinden sehen in der Studie große Chancen für die beteiligten Kommunen. So sagte Petersbergs Bürgermeister Carsten Froß: „Wir werden erstmals eine umfassende Untersuchung für Haune, Wanne, Bieber und deren Nebengewässern haben. Davon werden die Gemeinden jahrzehntelang profitieren.“ Zugleich mahnt er: „Hochwasser, also wenn die Bäche und Flüsse über die Ufer treten, kennen wir in der Region seit Jahrhunderten. Aber Starkregenereignisse, wie zuletzt Anfang Juni, sind relativ neue Phänomene.“ Sie seien oft unberechenbar, sodass Konzepte und übergreifende Projekte nur bedingt weiterhelfen.

Startschuss für die neue Studie der AG Hochwasserschutz (von links): Bürgermeister Carsten Froß, Gutachter Dr. Sebastian Tews sowie die Fugro-Mitarbeiter Marcus Pistorius und Theresa Strohbach.

Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf befand: „Ein mehr oder weniger an Wasser können wir nicht verhindern – aber wir müssen die Schäden minimieren und dem Wasser seinen benötigten Raum geben.“ In den vergangenen Jahrzehnten seien in tiefer liegenden Gebieten oder ehemaligen Abflusslagen zur Innenverdichtung nochmals Gebäude errichtet worden, ohne sich so richtig Gedanken über große Regenereignisse zu machen. „Solche Starkregen traten in den 80er- und 90er-Jahren in unserer Region eher sehr selten auf. Durch den Klimawandel treten neue Wetterphänomene hervor, und mittlerweile ist das Thema allgegenwärtig“, macht Zentgraf deutlich.

Arbeit des Planungsbüros startet - Bürgermeister sind zuversichtlich

Hofbiebers Bürgermeister Markus Röder ist überzeugt davon, dass aufgrund der einfließenden Daten in die Studie „ein nachhaltiger Hochwasserschutz und Mehrwert für die Bürgerschaft in unseren Gemeinden geschaffen werden wird“. Ihm sei zwar bewusst, dass es in diesem Themengebiet einen sehr hohen Komplexitätsgrad gibt, doch diesen den Bürgerinnen und Bürgern während eines akuten Starkregenereignisses zu vermitteln, hält er für sehr schwierig. „Wir müssen kontinuierlich am Ball bleiben, denn die Klimaveränderungen wirken global und lassen sich zeitlich nicht aufschieben“, so der Bürgermeister.

Der Dipperzer Bürgermeister Klaus-Dieter Vogler ist „froh, dass jetzt mit dem beauftragten Planungsbüro die eigentliche Arbeit beginnt, wirksame Schutzmaßnahmen vor Hochwasser und zunehmende Starkregenereignissen erarbeitet werden, die auch gemeindeübergreifend wirken. Bis zu tatsächlichen Umsetzungen von Maßnahmen ist es jedoch noch ein langer Weg. Ziel ist eine möglichst hohe Reduzierung der Schadenspotenziale.“ Vogler erinnert zudem daran: „Neben den gemeindlichen Baumaßnahmen ist auch ein Objektschutz der Grundstückseigentümer notwendig.“ (akh)

Das könnte Sie auch interessieren