Noch können die Holzwerke Menz in Reulbach liefern. Doch in einigen Wochen könnte es auch bei ihnen knapp werden.
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Noch können die Holzwerke Menz in Reulbach liefern. Doch in einigen Wochen könnte es auch bei ihnen knapp werden.

Lieferzeit bis zu acht Monate

Holzpreis schießt auch in der Region Fulda durch die Decke - Hausbau wird sehr viel teurer

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Holz wird zur Mangelware. Sägewerke erhöhen ihre Preise binnen eines Jahres auf knapp das Dreifache. Dachlatten etwa wurden in einem Vierteljahr dreimal so teuer. Viele Holzprodukte gibt es gar nicht mehr. Der Markt steht Kopf.

Kreis Fulda - „Eine solche Entwicklung habe ich noch nicht erlebt. Manche unserer langjährigen Lieferanten nehmen gar keine Aufträge mehr an“, berichtet Michael Menz (48), Inhaber der Holzwerke Menz in Reulbach. Die Firma stellt aus dem Schnittholz der Sägewerke Konstruktionsholz für Dachstühle, Decken, Wände und Fertighäuser her.

„Ich bin seit fast 30 Jahren im Job. Eine solche Situation, in der Baustoffe in einer solchen Breite Mangelware sind, das gab es noch nie“, klagt Jan Strupp (48), Inhaber von Holz Strupp in Fulda. Strupp beliefert vor allem Handwerker. „Auf Produkte, die mir vor einem Jahr vom Hersteller binnen einer Woche geliefert wurden, muss ich jetzt zum Teil sieben bis acht Monate warten.“

Fulda: Holzpreis explodiert - Mit sehr teuren Folgen für Hausbau

Es gebe fast keinen Lieferanten, der sofort liefern könne. „Es ist für unsere Mitarbeiter ein gewaltiger Aufwand, Material zu besorgen. Planen ist fast unmöglich. Die Preise ändern sich zum Teil fast wöchentlich“, erklärt Strupp. „Bei vielen Materialien bekommen wir zwar Ware angeliefert – aber weniger als bestellt.“ Auch wa.de berichtet über den Anstieg der Holzpreise*.

Die Holzwerke Menz können bislang noch liefern – aber nur, weil sie den Sägewerken für das gelieferte Schnittholz jeden geforderten Preis bezahlen, wie Michael Menz erläutert. „Vor einem Jahr konnte man mit den Sägewerken noch über Preise verhandeln. Jetzt ist man froh, wenn man überhaupt beliefert wird. Die Lage wird jeden Monat schwieriger. Ich erwarte, dass wir schon bald nicht mehr die Mengen bekommen, die wir brauchen.“ Die Suche nach neuen Lieferanten sei aussichtslos. Und die Mengen, die Michael Menz an seine Kunden liefert, werden durch bisher nicht gekannte Hindernisse begrenzt: „Klebstoff und Folien, mit denen Holz zusammengeklebt oder verpackt wird, sind kaum zu kriegen.“

Weltmarkt

Hauptursache für die Preisexplosion beim Holz ist der Weltmarkt. Denn vor allem die USA kaufen jetzt viel mehr in Europa ein.

In den 2000er Jahren schlossen viele US-Sägewerke. Die Corona-Pandemie reduzierte die Kapazitäten weiter. Doch dann entwickelte sich ein Bauboom in den USA. Kanada konnte den Bedarf nicht decken, da dort der Borkenkäfer wütet. Deshalb kaufen US-Firmen in Europa ein. Schwedische Sägewerke etwa, die bisher nach Deutschland lieferten, exportieren jetzt in die USA.

Auch in Deutschland wird mehr gebaut. Zudem haben viele Handwerker versucht, ihre Lager mit Holz zu füllen – der bekannte „Toilettenpapier-Effekt“. Zur Knappheit kommt es auch, weil manche Hilfsmaterialien fehlen. Bei Baumaterial aus Stahl und Kunststoff gibt es ebenso Engpässe – zum Teil, weil Firmen es nicht schaffen, Kapazitäten wieder hochzufahren.

Zu Menz‘ Kunden gehört Holzbau Gutmann im Nachbarort Brand. Das Familienunternehmen stellt komplette Häuser her. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir von Menz zuverlässig beliefert werden, und wir Vorräte angelegt haben“, erklärt Inhaber Rüdiger Gutmann (46). Allerdings verzögere und verteure die Preisentwicklung den Bau eines Hauses um mindestens 15.000 Euro.

„OSB-Platten oder Holzfaserdämmplatten gibt es gar nicht mehr – egal, zu welchem Preis“

Bei bearbeiteten Materialien ist die Lage noch schwieriger. „OSB-Platten oder Holzfaserdämmplatten gibt es gar nicht mehr – egal, zu welchem Preis“, berichtet Emil Engel (64), Inhaber des Sägewerks Karl Engel in Haimbach. „Ich säge noch, aber andere kleine Betrieb stehen komplett. Das liegt auch daran, dass die Politik Großsägewerke in der Vergangenheit unterstützt hat.“

Der Fertighaus-Hersteller Rensch-Haus in Uttrichshausen ist von der Entwicklung zusätzlich betroffen. „Wir geben beim Kaufvertrag für zwölf Monate eine Preisgarantie. Unsere Einkaufspreise steigen also nicht unerheblich, aber wir können die Steigerung nicht an die Kunden weitergeben. Das bedeutet pro Haus eine Einbuße von 10.000 bis 15.000 Euro“, berichtet Inhaber Martin Rensch (59). Wer jetzt ein Haus bestelle, der zahle fünf bis acht Prozent mehr als vor vier Monaten. „Die Preise steigen weiter. Manche Lieferanten nennen nur noch Tagespreise.“

Pellets

Eines der wenigen Holzprodukte, bei dem die Verbraucherpreise noch stabil sind, sind Pellets. mit denen viele Heizungen betrieben werden.

„Bis vor zwei Wochen waren die Preise stabil bis leicht sinkend – wie immer im Frühjahr, wenn die Heizperiode endet“, berichtet Bernd Breitung (53), Energiehändler bei der Raiffeisen in Eichenzell. „Allerdings bewegen sich die Preise jetzt doch langsam nach oben. Wir erwarten einen deutlichen Preisanstieg im Sommer.“ Breitung rät Kunden mit Pellets-Heizung, jetzt die Lager zu füllen.

Immerhin: Rensch wird noch beliefert. „Wir haben unsere Lager gefüllt, und wir bekommen das Material noch – wenn auch manchmal nur mit größten Mühen. Wie lange das bleibt? Das weiß niemand“, sagt Martin Rensch. „Es ist eine schwierige Zeit, wie ich sie noch nie erlebt habe. Wir müssen sehen, wie wir sie durchstehen.“

Video: Holz in Bayern wird teurer - Woran liegts?

Gewinner der Entwicklung sind nicht nur die Sägewerke, sondern auch die Waldbesitzer. Der Preis, den Holzhändler und Sägewerker für ein Kubikmeter Fichtenholz zahlen, lag Anfang 2019 bei 70 Euro pro Kubikmeter, Ende 2019 bei 50 Euro. 2020 sank er auf 40 Euro. Jetzt geht der Trend in Richtung 90 Euro, sagt Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessen-Forst.

Der Forst kann die Holzmengen jetzt aber nicht einfach erhöhen. „Die Forstämter dürfen nur so viel ernten, wie nachwächst. Wir müssen die Entwicklung der Schäden durch Sturm, Dürre, Borkenkäfer und andere Komplex- und Folgekrankheiten abwarten. Davon hängt ab, ob und wie viel Holz geerntet werden kann“, sagt Sundermann.

Steigen die Preise weiter? Die Nachrichtenagentur Bloomberg erwartet, dass die Rekordjagd bei den Holzpreisen im Lauf des Jahres endet, und die Preise dann sogar wieder deutlich sinken. Dass es tatsächlich so kommt, darauf mag aber niemand wetten. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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