Fulda: Große Stapel voller Nadelholz liegen derzeit an den Waldwegen in Osthessen, wie hier in Steinhaus. Die Waldbesitzer holen den Einschlag der vergangenen Jahre nach.
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Große Stapel voller Nadelholz liegen derzeit an den Waldwegen in Osthessen, wie hier in Steinhaus. Die Waldbesitzer holen den Einschlag der vergangenen Jahre nach.

Rückstände werden aufgearbeitet

Hohe Holzpreise: Darum profitieren Waldbesitzer im Kreis Fulda

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Gerade für Bauherren ist es ärgerlich: Die Preise für Holz sind hoch, wie schon lange nicht. Der Forst hingegen profitiert von der Entwicklung: In den Wäldern wird mehr Holz gefällt als in den Vorjahren.

Kreis Fulda - Die Bilder an den Wegesrändern der Wälder in Rhön und Vogelsberg ähneln sich: Überall sind Stämme von frisch geschlagenen Bäumen aufgestapelt – Bilder, wie sie in den vergangenen Jahren in der Häufung nicht zu sehen waren.

„Wir arbeiten jetzt Rückstände auf, die in den vergangenen zwei oder drei Jahren entstanden sind, weil die Preise so niedrig waren“, berichtet David Nöllenheidt, Leiter des Forstamts Fulda. „In den Jahren 2018 bis 2020 wurde der Markt mit Stammholz regelrecht überschwemmt. Deshalb fielen die Preise – für das Leitsortiment der Fichte zeitweise sogar um 50 Prozent“, berichtet Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessen-Forst.

Fulda: Holzpreise sind hoch: Darum profitieren Waldbesitzer in Osthessen

„Die Folge der niedrigen Preise war, dass das Durchforsten der Wälder kaum wirtschaftlich war und das Holz im Wald blieb. Das hat sich grundlegend geändert“, berichtet Nöllenheidt. „Jetzt arbeiten wir zwei bis drei Jahre Rückstand auf. Das bedeutet: Es wird mehr Holz geschlagen als in den Vorjahren.“

Die Forstarbeiter haben jetzt vor allem zwei Aufträge: Zum einen wird „Kalamitätsholz“ entnommen, Holz, das Ergebnis von Sturmschäden, Trockenheit oder Schädlingsbefall ist. Es stammt von beschädigten, umgefallenen oder wegen der Kalamität gefällten Bäumen. Zum anderen werden die Kiefer- und Fichten-Bestände planmäßig ausgedünnt, um die Wälder und vor allem die starken Bäume, sogenannte Zielbäume zu stärken. „Wenn man das zwei bis drei Jahre vernachlässigt, dann wird es schwierig“, sagt Nöllenheidt.

Jetzt lohnte sich beides wieder: Das Räumen von Kalamitätsholz und das planmäßige Ausdünnen der Bestände. „Dabei entnehmen wir nur die Mengen an Holz, die auch nachwachsen. Wenn diese Mengen schon durch Windwurf abgedeckt sind, fällt der planmäßige Einschlag entsprechend geringer aus“, berichtet der Fuldaer Forstamtsleiter. Osthessen sei durch den Windwurf aber relativ wenig getroffen gewesen. Gerade der Sturm „Friederike“ im Februar 2018 hatte hessenweit rund 1,5 Millionen Kubikmeter Holz auf den Boden geworfen, aber die Rhön vergleichsweise verschont. (Lesen Sie auch hier: Holzpreis schießt durch die Decke - Hausbau wird sehr viel teurer)

Video: Preise für Baustoffe weiter hoch

In anderen Teilen in Hessen, die stärker betroffen waren, wurden die Einschlagmengen schon früher hochgefahren: „Seit drei Jahren sind wir aufgrund der Windwurfmengen und des Borkenkäferbefalls gezwungen, mehr Fichten zu entnehmen. Wir sprechen deshalb auch von unplanmäßigem Zwangsanfall oder Kalamitätsnutzung“, berichtet Hessen-Forst-Sprecherin Sundermann. Das „Mehr“ in der Fichte betrug im hessischen Staatswald in der Spitze etwas über drei Millionen Festmeter pro Jahr; das ist etwa das Vierfache der planmäßigen Nutzung.

Der Preisanstieg für Holz bringt dem Land höhere Einnahmen. Aber das sei nicht der Grund für den verstärkten Einschlag, sagt Hessen-Forst. (Lesen Sie auch hier: Probleme durch Dürre und Schädlinge im Stadtwald in Hünfeld - Besorgter Blick in die Zukunft)

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