Leere Zimmer während der Corona-Pandemie, volle Auslastung zu den Stoßzeiten: Zur Lage der Hotels in Fulda haben sich die Stadt, die Dehoga und die IHK geäußert. 
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Leere Zimmer während der Corona-Pandemie, volle Auslastung zu den Stoßzeiten: Zur Lage der Hotels in Fulda haben sich die Stadt, die Dehoga und die IHK geäußert. 

Leere Zimmer wegen Corona

Konkurrenz wächst: Eröffnung des Holiday Inn Express verändert Lage für Hotels im Kreis Fulda

  • Alina Komorek
    vonAlina Komorek
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Leere Zimmer in der Corona-Pandemie, volle Auslastung zu den Stoßzeiten: Zur Lage der Hotels in Fulda äußern sich die Stadt, die Dehoga und die IHK. 

Fulda - Das Holiday Inn Express, das am Donnerstag in der Bardostraße eröffnet wurde, bleibt vermutlich vorerst das letzte Hotel, das in nächster Zeit in Fulda eröffnet. „Neuplanungen sind uns derzeit nicht bekannt“, heißt es von Seiten der Stadt Fulda. Seit 2018, als das B&B-Hotel in der Dalbergstraße das Übernachtungsangebot in Fulda ausbaute, habe es in anderen Betrieben lediglich einige Erweiterungen und Pächterwechsel gegeben.

Die derzeitige Auslastung der Bettenkapazität liege bei zehn Prozent, weil im Corona-Lockdown nur unaufschiebbare dienstliche Reisen möglich sind, berichtet Elisabeth Schrimpf vom Tourismus- und Kongressmanagement. Kurz: Die meisten Zimmer bleiben leer. Was passiert zu den Spitzenzeiten, wenn Großveranstaltungen wie Musicalsommer, Hessentag oder Landesgartenschau Gäste in die Barockstadt locken?

„Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass die Beherbergungsbetriebe in der Stadt zu Spitzenzeiten – etwa auch bei großen Messen und Kongressen – so gut ausgelastet sind, dass von der Nachfrage auch Betriebe im Umland profitieren“, sagt Schrimpf. Die Frage, ob zusätzliche Hotels in der Stadt Fulda sich tragen könnten oder gar nötig sind, entscheide letztlich der Markt. (Lesen Sie hier: Wegen Corona: spotlight sagt Musicalsommer in Fulda erneut ab)

Stadt Fulda, Dehoga und IHK geben Einblick in die Lage der Hotels - Leere Betten wegen Corona

Die Bettenkapazität in Fulda ist mit der Eröffnung des Holiday Inn Express um etwa 300 Betten gestiegen. Steffen Ackermann, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Fulda und Inhaber der Hotel-Pension Wenzel, weist auf die Kehrseite der Medaille hin. Nämlich darauf, dass es immer mehr „Budget-Hotels“ – die Kategorie wird auch „Hotel garni“ genannt – in Fulda gibt: „Für die Stadt bedeutet das, dass wir zu den Stoßzeiten die Gäste in Fulda kaum versorgen können.“ Die Betten reichten dann zwar aus, das Problem sieht Ackermann in der Verpflegung der Gäste.

Was die Budget-Hotels wie Holiday Inn und B&B ausmacht: Sie sind günstig – und sie bieten ausschließlich Frühstück an. Deshalb müssen die Gäste des Hotels mindestens das Abendessen, wenn nicht sogar eine weitere Mahlzeit, in den Restaurants und Cafés der Stadt einnehmen. Die Plätze der Gastro-Betriebe in der Stadt seien jedoch schon vor der Pandemie knapp gewesen, erklärt Ackermann. Falls Restaurants schließen müssten, würde sich die Lage noch verschärfen. Zur Eröffnung des neuen großen Budget-Hotels sagt Ackermann: „Grundsätzlich macht jedes neue Hotel die Kuchenstücke kleiner. Alle haben dann weniger Gäste.“

Situation der Hotels verändert sich: Mehr Konkurrenz im Kreis Fulda - auch durch private Vermietungen

Aber nicht nur durch das Holiday Inn Express entsteht Konkurrenz. Wovon Dehoga-Kreisvorsitzender Ackermann berichtet, ist ein Wachstum bei privaten Vermietungen: Reisende können Zimmer über Plattformen wie Airbnb buchen. Diese Art der Unterkunft habe sich in den vergangenen Jahren zu einem Trend entwickelt, der in Fulda den Konkurrenzdruck verschärfe. Hinsichtlich der Hygienestandards herrsche hier eine Ungleichbehandlung: „Dort gibt es nicht die gleichen Auflagen wie bei uns, die vom Gesundheitsamt oder den Berufsgenossenschaften kommen.“

Zur Zeit kämen wegen der Corona-Lage nur vereinzelt Geschäftsreisende in die Pension Wenzel. Das Hotel von Ackermann liegt in der Stadt, Leute auf Montage oder Geschäftsreise beherberge er hin und wieder. Die Hotels außerhalb seien härter durch den Wegfall der Urlaubsreisen getroffen. Ob die Hotelbranche sogar von der Corona-Pandemie profitieren kann, weil Urlaub eher innerhalb Deutschlands gemacht werden könnte, wagt der Dehoga-Kreisvorsitzende nicht zu prognostizieren. Ausschließen kann er es nicht. (Lesen Sie hier: In der Region Fulda sind Gästezahlen eingebrochen - Betriebe stehen mit Rücken zur Wand)

Video: Holiday Inn Express in Fulda eröffnet in Corona-Zeiten

Dass eine höhere Zahl der Hotels ohne Restaurant die Situation in den Gastronomiebetrieben in Fulda verschärfe, kann die Stadt nicht bestätigen. Aber: „Sicher hat es in den vergangenen Jahren an Wochenenden oder besonderen Tagen schon die Situation gegeben, dass in der Innenstadt Restauranttische ohne Reservierung nur schwer zu finden waren.“ Schrimpf erklärt, dass sich die Lage in der Gastro-Szene nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen derzeit schwer prognostizieren lasse. „Klar ist: Bei anhaltender starker Nachfrage nach Möglichkeiten zum Essengehen wird sich auch das Gastro-Angebot in Fulda dem Bedarf anpassen.“

Dr. Heiko Wingenfeld (von links) überreicht zur Eröffnung des Holiday Inn Express ein Bild mit den Stadtjubiläen 2019 an Dr. Ralph Knist, Daniel Enders und Axel Jünke.

Schwierigkeiten der Branche ergeben sich auch woanders: Armin Gerbeth von der Industrie- und Handelskammer Fulda (IHK) gibt an, dass Ausbildungen in der Hotel- und Gaststättenbranche aktuell nur sehr eingeschränkt möglich seien. „Die Herausforderungen, mit denen sich die Ausbildungsbetriebe konfrontiert sehen, ändern nichts an dem Fachkräftebedarf.“ Die Anzahl der Ausbildungsverträge in der Gastronomie bleibe etwas hinter den Zahlen des Vorjahres zurück.

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