Daniela und Kai Gelhausen mit Motorrädern vor dem Konrad-Zuse-Hotel.
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Daniela und Kai Gelhausen sind leidenschaftliche Motorradfahrer. Ihr Hotel ist mittlerweile zum beliebten Biker-Hotel avanciert.

Ärger in der Region

Osthessens Biker machen mobil: Pläne der Politik stoßen auf Kritik

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Manche Biker geben gerne Gas. Lautem Motorrad-Geknatter möchte der Bundesrat allerdings den Garaus machen – und fordert unter anderem mögliche Fahrverbote für Sonn- und Feiertage. Doch das stößt bei Motorradfahrern auch in der Region Fulda auf heftige Kritik. Sie fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

  • Eine Bundesratsinitiative stößt bei hessischen Motorradfahrern auf Widerstand
  • Der Hünfelder Hotelier Kai Gelhausen spricht von „populistischer Politik“
  • Mit einer Protestfahrt nach Wiesbaden hatten Biker ihren Unmut gezeigt

Kreis Fulda - Schon seit Wochen protestieren hessische Motorradfahrer und -fahrerinnen gegen die Bundesratsinitiative. Zu denen, die sich gehörig über die Pläne ärgern, zählt auch Kai Gelhausen, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Daniela das Konrad-Zuse-Hotel in Hünfeld betreibt. Die Hälfte der Gäste, die hier im Herzen Hünfelds übernachten, sind Biker, mit denen das Ehepaar regelmäßig geführte Touren durch die Rhön und den Vogelsberg unternimmt. Gelhausen ist nun sauer und wettert gegen eine „populistische Politik“. Er kritisiert: „Wegen ein paar schwarzer Schafe sollen jetzt alle Motorradfahrer pauschal verurteilt werden.“

Motorradfahrer sind sauer - Politik diskutiert über Fahrverbote

Was ist geschehen? Der Bundesrat hatte sich im Mai dieses Jahres dafür ausgesprochen, den Lärm von Motorrädern zu reduzieren. Die Länderkammer fordert ein zehn Punkte umfassendes Maßnahmenpaket: So sollen zum Beispiel die zulässigen Geräuschemissionen aller neu zugelassenen Motorräder auf höchstens 80 Dezibel begrenzt werden. Zum Vergleich: So laut ist ein Rasenmäher oder ein Klavierspiel.

Zudem sollen härtere Strafen fürs Tuning möglich werden, wenn dadurch der Lärm steigt. Und die größte Sorge der Bikerszene: Aus Lärmschutzgründen sollen zeitlich beschränkte Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen möglich werden. In der Entschließung des Bundestags heißt es wörtlich: „Für viele Anwohner bedeutet das Freizeitvergnügen der Motorradfahrenden eine Lärmbelästigung, wenn diese die Geschwindigkeitsbegrenzung überschreiten oder auf extralaut getunten Motorrädern unterwegs sind. Im Rahmen der Freizeitgestaltung sind Motorräder oft an Ruhetagen unterwegs, wo sie durch absichtlich erzeugten Lärm auch als Einzelfahrzeuge extrem belästigen können.“

Lesen Sie hier: Landesweite Präventionsaktion: Polizei kontrolliert Motorradfahrer im Vogelsberg und in der Rhön

Hünfelder Hotelier Kai Gelhausen übt Kritik an der Politik

„Hier wird eine Sau durchs Dorf getrieben“, sagt nun Gelhausen. Eine solche Pauschalverurteilung gebe es bei Autofahrern nicht, obwohl manche illegale Autorennen fahren würden. Motorradfahrer hätten aber leider keine Lobby, glaubt er. „Dabei schneiden Motorräder auch unter Umweltgesichtspunkten besser ab: Sie verbrauchen weniger Sprit und weniger Verkehrs- und Parkraum.“

Biker sind für den Hotelier und leidenschaftlichen Motorradfahrer auch ein Wirtschaftsfaktor: „Wir rechnen für dieses Jahr mit 2500 Übernachtungen von Motorradfahrern. „Im Mai hätten wir unser Hotel gar nicht öffnen können, wenn diese Gäste nicht gekommen wären.“

Tausende Motorradfahrer haben in Wiesbaden gegen ein mögliches Fahrverbot demonstriert.

Gelhausen ist nicht der einzige, der verärgert ist. Vor einigen Wochen hatten Hunderte Biker aus der Region an einer Protestfahrt nach Wiesbaden teilgenommen. Dort demonstrierten dann ingesamt um die 10 000 Motorradfahrer gegen die Bundesrats-Pläne. Mit dabei war Dirk Naumann, der die Demo für Osthessen mitorganisiert hatte. Der 50-Jährige aus Hattenhof sagt: „Ich befürchte, dass man den Motorradfahrern ihr Hobby vermiesen und wegnehmen möchte.“ Er mutmaßt, dass es eher darum gehe, „den Verbrennungsmotor zu verbannen und stattdessen nur noch Elektroantriebe zu unterstützen“.

Mit Motorrad-Demos verleihen Biker ihrer Kritik Ausdruck

Denn sollte die 80-Dezibel-Begrenzung tatsächlich eingeführt werden, „dann dürfte hier gar kein Motorrad mehr fahren“, sagt er. Zwar verstehe er, wenn Anwohner von Motorrad-Lärm genervt seien: „Aber es sind höchstens fünf Prozent der Fahrer, die zum Beispiel mit Sportauspuffanlagen Schindluder treiben. Jetzt sollen auch die restlichen 95 Prozent dafür bestraft werden.“ Naumann, der erst vor einem Jahr seine Liebe zum Motorradfahren entdeckt hat und mit seiner Honda Goldwing ein „rollendes Wohnzimmer“ besitzt, erklärt: „Ich hoffe, dass die Motorrad-Demos bei unserem Anliegen helfen können. Zumindest erregen sie viel Aufsehen.“

Mittlerweile haben die Biker tatsächlich einiges erreicht: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich skeptisch zur Bundesratsinitiative geäußert, und auch der deutsche Städte- und Gemeindebund spricht sich gegen ein Fahrverbot aus. Der Bundestag hat seine Entschließung an die Bundesregierung weitergeleitet. Diese muss nun entscheiden, ob sie den Vorschlag der Länderkammer umsetzen will.  

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